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Dieter Schickling
Giacomo Puccini – Biografie
Carus
24.116, Hardcover mit Schutzumschlag, 468 Seiten mit 60 Abbildungen
ISBN 978-3-89948-087-0
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Biographisches
Giacomo Puccini (1858–1924) stammt aus einer Musikerfamilie, die seit seinem
Ururgroßvater das Musikleben der toskanischen Stadt Lucca beherrschte. Seine
männlichen Vorfahren, deren Namen er bei der Taufe erhielt (Giacomo Antonio
Domenico Michele) waren Musikdirektoren der Stadt und Domorganisten. Puccini
sollte diese Familientradition fortsetzen und erhielt deshalb eine gründliche
Ausbildung am „Istituto musicale Pacini“, einer Art musischem Gymnasium. Am
Ende der Schulzeit, 1880, verließ er Lucca, um noch drei Jahre am Konservatorium
in Mailand zu studieren. Danach war er entschlossen, das ihm bestimmte lucchesische
Amt nicht anzutreten, sondern als freier Opernkomponist Karriere zu machen.
Sein erstes Bühnenwerk, der Einakter Le Willis (1884, später Le Villi) war
relativ erfolgreich, so dass der führende italienische Musikverlag Ricordi einen
Vertrag für weitere Opern mit ihm schloss. Die nächste, Edgar (1889), missglückte
zwar völlig, aber dann ereignete sich der Durchbruch mit Manon Lescaut (1893).
Danach waren alle Opern Puccinis bald auch international große Erfolge. Sie
machten ihn zu einem reichen Mann, der von nichts anderem lebte als vom Komponieren
und niemals einen anderen Beruf ausübte, etwa als Dirigent oder als Lehrer.
Zwischen 1894 und 1904 entstanden seine bis heute meistgespielten Werke La Bohème,
Tosca und Madama Butterfly. Die späteren Stücke, La Fanciulla del West (1910),
La Rondine (1917) und die drei Einakter des Trittico (1918) erreichten zwar
noch immer spektakuläre Anfangserfolge, wurden aber im Repertoire nicht heimisch.
Seine letzte Oper Turandot blieb unvollendet und wurde in einer von Franco Alfano
nach Puccinis Tod ergänzten Fassung 1926 uraufgeführt.
Neben den Opern, die das Zentrum seines kompositorischen Schaffens bilden,
hat Puccini eine große Zahl anderer Werke in zahlreichen Gattungen geschrieben:
Orchester- und Chormusik, Lieder, Streichquartette und Klavierstücke. Das meiste
davon entstand während der Schul- und Studienzeit, zwanzig Arbeiten aber auch
noch danach, meistens auf Bestellung und zu konkreten Anlässen. Alle diese Werke
ermöglichen interessante Einblicke gleichsam in die Werkstatt des Komponisten.
So hat Puccini Themen und manchmal sogar ganze Abschnitte aus früheren Stücken
in seine Opern übernommen oder sich komponierend auf die nächste Oper quasi
eingestimmt.
Aber nicht nur deshalb hat das Interesse an diesen Werken in den letzten Jahren
zugenommen, nachdem sie jahrzehntelang fast vergessen waren. Es ist auch ganz
allgemein die Erkenntnis gewachsen, dass Puccinis Gesamtwerk einer Neubewertung
bedarf. Zunehmend wird er nicht mehr als letzter Repräsentant der von einer
neuen Zeit überholten italienischen Belcanto-Oper des 19. Jahrhunderts verstanden,
sondern als ein den Aufbruch in die Moderne suchender Musiker. Sein kompositorisches
Verfahren ist eher verwandt mit den gleichzeitigen Experimenten an den Rändern
der Tonalität von Zeitgenossen wie Debussy, Richard Strauss, Mahler, Zemlinsky,
Schreker, Busoni und Schönberg, die er kannte und für deren Arbeit er sich lebhaft
interessierte. Voraussetzung für eine nähere Beschäftigung mit solchen Zusammenhängen
ist die Existenz korrekter Editionen seiner Werke. Das gilt nicht nur für die
Opern, sondern auch für die weiteren Kompositionen, die teils gar nicht oder
nur in überwiegend unzuverlässigen Ausgaben verfügbar waren. Die vom Carus-Verlag
begonnenen kritischen Editionen wollen diesem Mangel abhelfen. Es zeigt sich
dabei, dass eine sorgfältige Berücksichtigung von Puccinis Autographen nicht
nur zu Korrekturen von Details führt, sondern vielfach erst die Subtilität seiner
Kompositionen deutlich macht.
Dieter Schickling
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| Puccini in seiner Schulzeit |
Puccini nach 1920 |
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