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Frauenkirche Dresden. Orgelmusik von Bach & Duruflé

Erste CD-Einspielung an der neuen Kern-Orgel
Samuel Kummer spielt Werke von Bach und Duruflé.
Koproduktion: Stiftung Frauenkirche Dresden, MDR, Carus
Carus 83.188 (SACD), 17.90 €
Release: 1.11.2005

Super-Audio-CD: Sechs-Kanal-Aufnahme (Surround). Wiedergabe über CD- oder SACD-Player möglich


Die Orgel der Dresdner Frauenkirche
Zum Interpreten Samuel Kummer
Musik aus Dresden bei Carus

Nach 12 Jahren Bauzeit wird am 30. Oktober 2005 die neuaufgebaute Dresdner Frauenkirche feierlich geweiht. Wenige Orgelbauprojekte wurden mit so viel Interesse und Spannung von der Öffentlichkeit begleitet, wie der Neubau der 1945 komplett zerstörten Orgel. Beim Wiederaufbau wurde der von George Bähr geschaffene Orgelprospekt detailgetreu rekonstruiert. Das Orgelwerk selbst ist keine Rekonstruktion der Gottfried-Silbermann-Orgel von 1736: Der Straßburger Orgelbauer Daniel Kern hat dem „klassischen“, eng an Silbermann orientierten Teil der Disposition ein zusätzliches Manualwerk im französisch-romantischen Stil hinzugefügt. Er knüpft so an die historischen Verbindungen zwischen Gottfried Silbermann, Straßburg und dem französisch-elsässischen Orgelbau an. Die Kern-Orgel vereinigt zahlreiche Vorzüge einer historischen Orgel mit den technischen Errungenschaften eines modernen Konzertinstruments.

Anhand des stilistisch kontrastreichen Programms der CD-Einspielung mit Orgelmusik von Bach und Duruflé macht der Organist der Frauenkirche, Samuel Kummer, die erstaunliche klangliche Vielseitigkeit dieser Orgel hörbar. Johann Sebastian Bach hat am 1. Dezember 1736 – kurz nach der Fertigstellung und Übergabe der Orgel von Silbermann – ein Orgelkonzert in der Frauenkirche Dresden gespielt, um sich damit für die Verleihung des Titels eines Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Hof-Compositeur zu bedanken. Leider ist nicht überliefert, welche Werke Bach bei jenem Konzert musiziert hat oder ob er vornehmlich improvisierte. Auf der vorliegenden Einspielung wurden daher Werke ausgewählt, welche klanglich besonders gut zur neuen Kern-Orgel passen und den Kirchenraum zum Klingen bringen. – Maurice Duruflé gewann seine Musiksprache aus der französischen Tradition; sie ist getragen von einer ausgefeilten Kompositionstechnik und von leiser Melancholie durchdrungen. Für seine Suite op. 5 (1934) schwebte Duruflé eine große symphonische Orgel des Typs Cavaillé-Coll vor. In seinen Registrieranweisungen äußern sich bereits Neigungen zum Typ Orgue néoclassique, in dem die strahlenden Mixturen besonders zur Geltung kommen. Diesem Stil folgt auch die neue Orgel der Frauenkirche.

 

Die Orgel der Dresdner Frauenkirche

Die neue Orgel der Frauenkirche ist ein Zeugnis der Zeit, in der das gewaltige Wiederaufbauwerk vollbracht wurde und setzt innerhalb der sächsischen Orgellandschaft neue Akzente. Sie ist zur Darstellung eines breiten Spektrums der Orgelmusik vom 17. bis zum 20. Jahrhundert in der ihr eigenen Klangsprache hervorragend geeignet. Weder ein reines Verharren in der Geschichte noch ein Leugnen der historischen Identität waren an dieser Stelle beabsichtigt. Der Orgelprospekt wurde, ebenso wie der Kirchenbau, von George Bähr entworfen und beim Wiederaufbau der Frauenkirche detailgetreu nach der 1736 geschaffenen und 1945 zerstörten Gottfried-Silbermann-Orgel rekonstruiert.

Das Instrument steht konstruktiv und klanglich in entscheidenden Punkten (u.a. Winderzeugung durch sechs Keilbälge, innere Anlage, Intonation) mit der Silbermann-Orgel in enger Beziehung, es wurde aber seinen zeitgenössischen Aufgaben entsprechend modifiziert. Daniel Kern aus Straßburg, der das neue Werk schuf, knüpft an die historischen Verbindungen zwischen Gottfried und Andreas Silbermann und jene zwischen Sachsen und dem französisch-elsässischen Orgelbau an und schlägt mit dieser Synthese eine Brücke zum modernen Orgelbau. Daniel Kern integriert in die „klassische“, eng an Silbermann orientierte Disposition mit Brustwerk, Hauptwerk und Oberwerk ein zusätzliches, deutlich im französisch-romantischen Stil geprägtes Schwellwerk. Um die Proportionen der Disposition zwischen den Manualwerken und dem Pedal zu wahren, wurde die Pedaldisposition um drei Register erweitert.

Die Kern-Orgel vereinigt zahlreiche Vorzüge einer historischen Orgel mit den technischen Errungenschaften eines modernen Konzertinstruments. So ist ein Werk entstanden, das den neuen und großen kirchenmusikalischen Anforderungen in der Frauenkirche gewachsen ist. (Horst Hodick, aus dem Booklet zur CD)

 

Zum Interpreten

Samuel Kummer, 1968 in Stuttgart geboren, studierte nach dem Abitur Kirchenmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. In den Orgelklassen von Christoph Bossert, Werner Jacob und Ludger Lohmann erarbeitete er sich ein breites stilistisches Repertoire, welches durch seine Fertigkeiten auf dem Gebiet der Orgelimprovisation ergänzt wird (Improvisation bei Willibald Bezler, Wolfgang Seifen und Hans Martin Corrinth). Während des Studiums nahm er an zahlreichen Meisterkursen teil. Bei seiner A-Prüfung im Jahr 1997 erhielt er eine Auszeichnung im Fach Orgelimprovisation.

Seit 1988 gibt Samuel Kummer Konzerte im In- und Ausland, u.a. in den Niederlanden, den baltischen Staaten, Polen, Ungarn, den USA und in Mittelamerika. Er konzertierte außerdem bei renommierten Konzertreihen wie dem Europäischen Orgelfestival Maastricht, dem Internationalen Bachfestival Warschau und im Dom zu Riga. Im Sommer 2003 folgte er einer Einladung an die Utah State University. Neben Orgelkonzerten im Mormon Tabernacle in Salt Lake City gab er dort ein Improvisationsseminar für Organisten und Pianisten. Im Januar 2005 gastierte er zum wiederholten Mal in der Kathedrale zu Guatemala-City, wo er sich 1999 für die Restaurierung und Erhaltung der historischen Walcker-Orgel von 1937 eingesetzt hat.

Samuel Kummer ist Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe. So gewann er 1996 den 1. Preis beim „Concours L’Europe et L’Orgue“ in Maastricht. Von 1998 bis Juni 2005 war Kummer Bezirkskantor an der Martinskirche Kirchheim/Teck. Neben zahlreichen Oratorienaufführungen (zuletzt Frank Martin, In terra pax) leitete er dort im Jahr 2000 die Gesamtaufführung der Orgelwerke Johann Sebastian Bachs. Im Dezember 2004 wurde Samuel Kummer als Organist an die Frauenkirche zu Dresden berufen. Im Juli 2005 hat er sein neues Amt angetreten.

Fotos (aus dem CD-Booklet): Jörg Schöner, Dresden

Links
Frauenkirche Dresden
MDR - Informationen zur Frauenkirche

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