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|  | Opern, Singspiele und Schauspielmusiken
Im Dezember 1864 übernahm Josef Gabriel Rheinberger die Stelle eines
Solorepetitors am Königlichen Hof- und Nationaltheater in München.
Auch wenn dies in erster Linie zur Verbesserung seiner finanziellen Situation
geschah, sah Rheinberger ohne Zweifel dabei auch die Möglichkeit,
ein Gebiet kennenzulernen, das ihm bis dahin weitgehend fremd gewesen
war. Dies musste ihm bewusst geworden sein, als er 1860 begonnen hatte,
sich mit der Oper Die sieben Raben zu beschäftigen. Vielleicht
hoffte Rheinberger, seinem von Haus aus eher lyrischen Naturell die notwendigen
dramatischen Grundlagen beifügen zu können. Die Folge seiner
neuen Tätigkeit war eine vollständige Umarbeitung seiner ersten
Oper und deren Uraufführung im Mai 1869. Im Jahre 1872 begann der
Komponist mit einer zweiten Oper. Schon ein Jahr später wurde Türmers
Töchterlein zum ersten Mal aufgeführt. Wenn auch – wie schon
beim ersten Werk – die lyrischen Stellen die dramatischen überwogen,
war der neuen Oper mehr Erfolg beschieden, und noch 1887 dirigierte Richard
Strauss das Werk in der Hofoper.
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Der arme Heinrich op. 37
Titelblatt des Erstdrucks, 1870
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Noch ehe Rheinberger die Repetitorstelle antrat, entstand Der
arme Heinrich, ein komisches Singspiel für Kinder,
ein gemüthaftes und schlichtes Werk mit einer bemerkenswerten
Ouvertüre in schubertschem Geist. Dem anspruchslosen Werk folgte
18 Jahre später ein weiteres Singspiel für die jugendliche
Welt, das mit dem Titel Das
Zauberwort Hauffs Erzählung von Kalif Storch musikalisch
umsetzt. In einfachster Besetzung – beide Singspiele verlangen neben
den Singstimmen nur eine Klavierbegleitung – fanden beide Stücke
bald Eingang in Schul- und Kindertheater, wo sie auch heute wieder
gerne aufgeführt werden.
Im weitesten Sinne kann auch – wie dies in Band
13 der Gesamtausgabe geschah – der Zyklus Vom
Goldenen Horn zu den Singspielen gezählt werden. Rheinberger
nennt dieses Werk ein türkisches Liederspiel für
Solostimmen, gemischten Chor und Pianoforte. Die Form dieses
Spiels als Liederzyklus kommt dem lyrischen Charakter
des Komponisten noch mehr entgegen als die szenischen Werke. Die
wachsende Liebe zweier Menschen wird in neun episch-lyrischen Bildern
in den Tagesablauf eingepasst und ergibt so eine geschlossene Erzählung.
Mit dieser 1895 entstandenen musikalischen Novelle beendete Rheinberger
sein dramatisches Schaffen.
Harald Wanger
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