Max Reger: Blick in die Lieder
Ein selten schöner
(!) Band. Aus der Fülle von knapp 300 Liedern hat der Verlag 46 Beispiele aus
allen Schaffensperioden Regers zusammengestellt. So bietet die Sammlung neben
den bekannten und beliebten lyrischen Liedern auch einzelne besonders extreme,
harmonisch ungewöhnlich kühne Gesänge aus Regers wilden Jugendjahren an. Wenn
es sich hier auch um eine Auswahl handelt, so sind die ursprünglichen Zyklen
dennoch beieinander geblieben. Wunderschöne, teils farbige Jugendstil-Titelblätter
stehen voran, sodass der Eindruck entsteht, man habe die Einzelausgabe eines
Opus vor Augen. Das meist exellente Druckbild der Erstausgaben wurde bis auf
unwesentliche Retuschen übernommen. Besonders wird der Textteil interessieren.
Er liefert detaillierte Hintergrundinformationen, den einzelnen Liederzyklen
zugeordnete Briefstellen Regers und die Begründung, warum man sich gerade für
diese Lieder entschieden hat. Weiter wird Wissenswertes über die dichterischen
Vorlagen, die Widmungsträger und die Illustratoren der Titelblätter mitgeteilt.
Am Rande: Dass die Klavierbegleitung nicht gerade etwas für Anfänger sein kann,
wird man bei Reger kaum erwarten. Wenn die - leider viel zu selten gesungenen
- Lieder Regers nicht schon die Anschaffung dieses 179 Seiten gewichtigen
Bandes lohnen würden, müsste man ihn allein wegen seiner liebevollen Ausstattung
besitzen wollen.
Konstanze Henrichs
Quelle: Kirchenmusik im Bistum Limburg 2/98, S. 51
Wohl selten hat
ein engagierter Verlag eine solch prachtvolle, wohlgestaltete und gelungene
Notenausgabe eines Teilbereich des Werkes eines Komponisten vorgelegt. Denn
leider sind weite Teile des Œuvre Max Regers, wenn man von vereinzelten Chorwerken
und einem größeren Teil der Orgelwerke absieht, kaum mehr bekannt und im musikalischen
(Konzert-)leben nicht mehr präsent. Dies gilt auch für den über 300 Lieder umfassenden
Teil seines kompositorischen Werkes. Nun hat Susanne Popp (Max Reger- Institut
Bonn) in überzeugender Weise einen Band mit 46 Reger-Liedern vorgelegt, die
einen Blick in diesen Schaffensbereich Regers ermöglichen und mehr noch zum
Musizieren und Weitersuchen unter den verbleibenden Liedern anregen.
Nach einer kenntnisreichen Einführung
werden 46 Lieder aus allen Schaffensperioden im Originaldruck wiedergegeben
(ein akribischer Kritischer Bericht von geringen Umfang zeigt die Korrekturen
an). Graphisch und gestalterisch kenne ich z. Zt., keine schönere Notenausgabe!
Denn in die Zusammenstellung der Lieder eingestreut sind immer wieder Faksimiles
der herrlichen kalligraphischen Reinschrift Max Regers mit ihrer typischen Zweifarbigkeit
(schwarz für die Noten, rot für die vielen Angaben zur Ausführung). Weiter finden
sich allein 20 Abbildungen der Titelblätter der Originalausgaben, die einen
Eindruck der sorgfältigen künstlerischen Betreuung der Regerschen Ausgaben aufzeigen
(dass der Notentext höchst zuverlässig ist, liegt in er aufmerksamen und gründlichen
Betreuung durch die seinerzeitigen Verlage und durch Max Reger selbst !). Weiterhin
aufgelockert wird diese prächtige Sammlung durch Portraits in Briefzitat-Form
einzelner bedeutender Dichter, darunter u.a. Gustav Falke oder Stefan Zweig.
In dieser Zitatfarm finden sich weiterhin Darstellungen von Regers Verhältnis
zu seinen Verlagen, der Einstellung der Öffentlichkeit zu Regers Liedschaffen
und vieles andere mehr.
Abgerundet wird dieser „Blick in die Lieder“ durch informative Übersichten:
einer „Übersicht über Entstehung, Erstdruck, Autograph und Grund der Aufnahme“
folgt „Zu den Widmungsträgern“, „Zu den Titelblättern“ sowie ein Abbildungsverzeichnis.
Die Auswahl der passenden Schrifttypen nicht nur der Überschriften und die Gestaltung
der einzelnen Seiten setzen höchste Maßstäbe! Man muss hier selber mehr als
einen Blick tun, um die Schönheit und den Reichtum dieser Ausgabe zu entdecken,
die hoffentlich zu einer Renaissance der Lieder Max Regers führen wird.
Ingo Bredenbach
Quelle: Württembergische Blätter für
Kirchenmusik 2/97, S. 91