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Die Kinderlieder sind da!
Der 1839 in Vaduz (Liechtenstein) geborene Rheinberger war in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts eine Größe von europäischem Rang: Gesucht als Kompositionslehrer
und geschätzt als Komponist, war der Professor am Münchner Konservatorium und
bayerische Hofkapellmeister prägend für eine Generation von Musikern. Dass viele
seiner Kompositionen trotz hoher musikalischer Qualitäten nach seinem Tod im
Jahre 1901 dann nicht mehr aufgeführt wurden, hängt nicht zuletzt mit äußeren
Umständen zusammen. Die mit dem Jahrhundertwechsel beginnende ästhetische Neuorientierung
führte zu einer radikalen Ablehnung jener konservativ-klassizistischen Richtung,
der sich Rheinberger wie auch Brahms verpflichtet fühlte. Hinzu
kommt, dass sich Rheinberger nie selbst nachdrücklich für die Pflege seines
eigenen Werkes eingesetzt hat.
Im Bewusstsein blieb Rheinberger vor allem als Komponist von Orgelmusik und
von geistlichen Werken. Obwohl Rheinberger die restaurativen Vorschriften des
Cäcilianismus abgelehnt hatte und infolge dessen vor allem seine Messen nicht
in den für katholische Kirchenchöre verbindlichen Repertoirelisten auftauchten,
vermochte sich doch seine Kirchenmusik in den Gottesdiensten des süddeutschen
und schweizerischen Raumes durchzusetzen. Bestand hatte ebenfalls Rheinbergers
Ruhm als Kompositionslehrer auch im Wirken seiner Schüler Engelbert Humperdinck,
Ermanno Wolf-Ferrari, Horatio Parker und Wilhelm Furtwängler.
So gilt es vor allem Rheinbergers niveauvolle Kammermusik, die Klavierwerke,
darunter vier Klaviersonaten, die weltlichen Chorkompositionen, die Orchesterwerke,
das Klavierkonzert und die beiden Opern Die sieben Raben und Türmers
Töchterlein wieder neu zu entdecken. Ein erneutes ästhetisches Umdenken
hinsichtlich der gesamten Kunst des 19. Jahrhunderts, das seit der Mitte des
20. Jahrhunderts zu verzeichnen ist, rief dem musikalischen Bewusstsein wieder
Namen wie Spohr, Lachner und Bruch in Erinnerung. Für Rheinberger bedeutete
dies, dass zahlreiche Werke wieder gespielt wurden und in neuen Ausgaben erschienen.
Zunächst waren es Faksimileausgaben der Erstdrucke, die die originalen Fassungen
wieder zugänglich machten (vor allem die Messen waren nur in Bearbeitungen im
cäcilianischem Geist verbreitet). Seit 1987 erscheint im Carus-Verlag unter
dem Patronat von Rheinbergers Heimatland Liechtenstein neben zahlreichen Einzelausgaben
eine quellenkritische Gesamtausgabe der musikalischen Werke Josef Gabriel Rheinbergers.
Heute gehört Rheinberger nicht mehr zu den Unbekannten des 19. Jahrhunderts.
Harald Wanger
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