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Josef G. Rheinberger
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Josef Gabriel Rheinberger

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Litographie um 1870
Fr. Hecht, lith.; Druck: C. Böhm    
(Josef Rheinberger-Archiv, Vaduz)

Der 1839 in Vaduz (Liechtenstein) geborene Rheinberger war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Größe von europäischem Rang: Gesucht als Kompositionslehrer und geschätzt als Komponist, war der Professor am Münchner Konservatorium und bayerische Hofkapellmeister prägend für eine Generation von Musikern. Dass viele seiner Kompositionen trotz hoher musikalischer Qualitäten nach seinem Tod im Jahre 1901 dann nicht mehr aufgeführt wurden, hängt nicht zuletzt mit äußeren Umständen zusammen. Die mit dem Jahrhundertwechsel beginnende ästhetische Neuorientierung führte zu einer radikalen Ablehnung jener konservativ-klassizistischen Richtung, der sich Rheinberger – wie auch Brahms – verpflichtet fühlte. Hinzu kommt, dass sich Rheinberger nie selbst nachdrücklich für die Pflege seines eigenen Werkes eingesetzt hat.

Im Bewusstsein blieb Rheinberger vor allem als Komponist von Orgelmusik und von geistlichen Werken. Obwohl Rheinberger die restaurativen Vorschriften des Cäcilianismus abgelehnt hatte und infolge dessen vor allem seine Messen nicht in den für katholische Kirchenchöre verbindlichen Repertoirelisten auftauchten, vermochte sich doch seine Kirchenmusik in den Gottesdiensten des süddeutschen und schweizerischen Raumes durchzusetzen. Bestand hatte ebenfalls Rheinbergers Ruhm als Kompositionslehrer auch im Wirken seiner Schüler Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari, Horatio Parker und Wilhelm Furtwängler.

So gilt es vor allem Rheinbergers niveauvolle Kammermusik, die Klavierwerke, darunter vier Klaviersonaten, die weltlichen Chorkompositionen, die Orchesterwerke, das Klavierkonzert und die beiden Opern Die sieben Raben und Türmers Töchterlein wieder neu zu entdecken. Ein erneutes ästhetisches Umdenken hinsichtlich der gesamten Kunst des 19. Jahrhunderts, das seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen ist, rief dem musikalischen Bewusstsein wieder Namen wie Spohr, Lachner und Bruch in Erinnerung. Für Rheinberger bedeutete dies, dass zahlreiche Werke wieder gespielt wurden und in neuen Ausgaben erschienen. Zunächst waren es Faksimileausgaben der Erstdrucke, die die originalen Fassungen wieder zugänglich machten (vor allem die Messen waren nur in Bearbeitungen im cäcilianischem Geist verbreitet). Seit 1987 erscheint im Carus-Verlag unter dem Patronat von Rheinbergers Heimatland Liechtenstein neben zahlreichen Einzelausgaben eine quellenkritische Gesamtausgabe der musikalischen Werke Josef Gabriel Rheinbergers. Heute gehört Rheinberger nicht mehr zu den Unbekannten des 19. Jahrhunderts.

Harald Wanger

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