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An der Spitze von Viernes Orgelschaffen stehen seine sechs Symphonien, von der 1ère Symphonie aus dem Jahr 1899 bis zur letzten vom Sommer 1930. Mit ihnen setzte er die glanzvolle französische Tradition dieser Gattung fort und führte sie auf einen Gipfelpunkt. Die kompositorischen Vorbilder Viernes sind deutlich zu erkennen: vor allem Franck und Widor (bei dem er Kompositionsunterricht erhielt), aber auch Mendelssohn und Schumann. Ebenso kann man wagnersche Züge feststellen, besonders in der 5ème Symphonie. Die Geschichte der romantischen französischen Orgelsymphonie beginnt mit der Grande pièce symphonique op. 17 von César Franck (1863). Mit diesem Werk hat Franck, inspiriert vornehmlich von Beethovens Neunter Sinfonie, die große viersätzige symphonische Form auf die Orgel übertragen, die dann vor allem von Widor weitergepflegt wurde (10 Werke entstanden zwischen 1872 bis 1899). Während Widor in seinen beiden letzten Symphonien durch Verwendung von gregorianischem Gesang die Werke explizit als Kirchenmusik definiert, findet man in den Symphonien Viernes kaum Hinweise auf einen liturgischen Bezug (eines der wenigen Beispiele ist der zweite, mit Choral überschriebene Satz der 2ème Symphonie). Viernes Orgelsymphonien sind durchaus weltliche Werke, als Gegenstück zur weltlichen Klavier- und Orchestermusik. Liturgische Musik hat Vierne eher improvisiert. Neben den schönen melodischen Eingebungen der langsamen Sätze und den bisweilen überraschend bizzaren Einfällen der Scherzi und Intermezzi ist es vor allem die Chromatik, die Viernes Stil kennzeichnet. In seiner 6ème Symphonie gelangt er dabei an die Grenzen der traditionellen Dur-Moll-Tonalität. Die französische symphonische Orgel Die französische Orgelsymphonik ist nicht denkbar ohne den auf orchestralen Vorbildern basierenden Instrumententypus, den Aristide Cavaillé-Coll und seine Mitarbeiter schufen. Nachdem Vierne zum Organisten der Kathedrale Notre-Dame ernannt worden war, stand ihm die 1868 eingeweihte Orgel Cavaillé-Colls zur Verfügung, ein Instrument mit 86 Registern auf fünf Manualen und Pedal. Die auf Cavaillé-Coll-Orgeln bezogenen Registrierangaben der französischen
Romantiker sind nicht unbedingt als sakrosankt anzusehen. Vierne selbst bemerkt
dazu 1926: „Die Registrierung, die keineswegs unflexibel ist, gibt eher
einen Hinweis auf die allgemeine Farbgebung. Sie kann modifiziert werden nach
den Möglichkeiten der Instrumente, auf denen sie gespielt werden sollen.“
(Avertissement zu den Pièces de fantaisie) Das eröffnet Interpretationsmöglichkeiten
auch mit Orgeln, denen die typisch französischen Klangfarben nicht zur
Verfügung stehen.
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