Die Wiederbelebung der Musik Anontio Vivaldis im 20. Jahrhundert ging einher mit der Neuentdeckung bisher völlig unbekannter Schaffensbereiche des Komponisten. Für die stärksten Überraschungen sorgte dabei ein großer Bestand an geistlicher Vokalmusik, dessen Repertoire von der groß angelegten Mess- und Vesperkomposition bis zum biblischen Oratorium und zur Solomotette reicht. Die ersten Wiederaufführungen solcher Werke während einer Vivaldi-Woche in Siena 1939 wurden geradezu als Sensation empfunden. Sie ließen deutlich werden, dass der Komponist gerade auf diesem Sektor Werke höchsten künstlerischen Ranges geschaffen hat.
Das Gloria von Antonio Vivaldi ist die „Gründungsausgabe“ des Carus-Verlags. Die Kirchenmusik des italienischen Barockkomponisten war damals noch weitgehend unbekannt. Die Ausgabe des Werkes 1971 durch Verlagsgründer Günter Graulich hat eine weltweite Verbreitung gefunden. Diese erste Ausgabe des Verlags steht beispielhaft für sein Bestreben: das Repertoire der Chöre stetig um Wertvolles zu erweitern, dabei zu Unrecht Vergessenes wieder auszugraben und Werke preisgünstig in Kritischen Editionen und hervorragender Qualität vorzulegen.
Die beiden stilistisch und satztechnisch vielfältigen Gloria-Vertonungen RV 588 und 589 gehören seit langem zum festen Repertoire derjenigen Ensembles, die sich dem kirchenmusikalischen Œuvre Antonio Vivaldis annehmen. Die Werke sind kantatenmäßig angelegt (11 bzw. 12 Nummern), wobei dem Gloria RV 588 eine zweisätzige, aus Arie und Rezitativ bestehende Introduzione vorausgeht, deren Text zwar sakral ist, aber nicht streng liturgisch.
Konzert-Empfehlung: Führen Sie Vivaldi's Gloria RV 589 zusammen mit seinem Introduzione e Gloria RV 588 auf. Dazwischen empfehlen wir ein kleineres und ruhigeres geistliches Werk von Vivaldi.
Mit Dixit Dominus (Ps 109 [110]) und Beatus vir (Ps 111 [112]) liegen zwei der bedeutendsten doppelchörigen Kirchenkompositionen Vivaldis in kritischen Neuausgaben vor. Mit der vokal-instrumentalen Satzart "in due Cori" knüpft Vivaldi an die alte venezianische (für ihn also heimatliche) Tradition festlich-mehrchörigen Musizierens an, deren Techniken er freilich mit solchen aus Konzert, Kantate und Oper verknüft und anreichert. Einem Brauch der Zeit folgend, ist dem "Dixit" eine "Introduzione al Dixit" vorangestellt: ein Prolog in Form einer dreisätzigen lateinischen Solokantate, deren lobpreisender Text mit der Aufforderung "Ergo cantate Dixit" ("Darum singt nun das Dixit") zur eigentlichen Psalmkomposition überleitet. Da dieses Solo für Sopran, Streicher und Basso continuo auch eigenständig musiziert werden kann, ist es als Carus 40.006 separat veröffentlicht.