Bach, J.L.: Sämtliche Motetten

Beschreibung

Die Motetten von Johann Ludwig Bach nehmen innerhalb ihrer Gattung eine herausragende Stellung ein. Fest in der thüringischen Motettentradition verwurzelt, erreichen sie dennoch sonst kaum zu beobachtende Dimensionen. Das gilt auch im Blick auf die Mehrchörigkeit, die hier von der Ausnahme zur Norm erhoben wird – galt es doch, dem Repräsentationsbedürfnis eines Hofes Rechnung zu tragen. Wechselnde Besetzungen und dialogische Abschnitte tragen zum Abwechslungsreichtum der ausdrucksstarken Kompositionen bei. Ohne Zweifel bilden die Motetten des von Johann Sebastian Bach hochgeschätzten „Meininger Bach“ eine wertvolle Bereicherung des Repertoires aller Chöre.

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Herausgeber

Uwe Wolf zur Person

Rezensionen

Johann Ludwig Bach: Motetten für gemischten Chor

Im Vorwort der Ausgabe mit den Motetten von Johann Ludwig Bach (1677-1731) wird darauf hingewiesen, dass Johann Sebastian Bach Kantaten (nicht Motetten!) seines älteren Vetters in Leipzig aufgeführt hat. Zwei von des Vetters Motetten sind ihm sogar eine Zeit lang als eigene Frühwerke zugeschrieben worden. Trotzdem kann ich mir bei einigen von ihnen nicht vorstellen, dass sie Johann Sebastians künstlerischen Ansprüchen genügt hätten.
Die Motetten „Das Blut Jesu Christi“ (Nr. 1), „Das ist meine Freude“ (Nr. 2), und die Weihnachtsmotette „Uns ist ein Kind geboren“ (Nr. 10) könnten die Programme vieler Chöre außerordentlich bereichern. Dabei denke ich gerade auch an Chöre, die mit den Motetten Johann Sebastian Bachs hoffnungslos überfordert wären. Diese Kompositionen sind abwechslungsreich, lebendig und vor allem textbezogen.
Auch die Motette „Die richtig für sich gewandelt haben“ ist mit der Vielfalt der musikalischen Formen: blockhaft- achtstimmiger Doppelchörigkeit, imitierender Vierstimmigkeit und der Reduzierung auf Bicinien ein sehr dankbares Stück. Nicht nur, weil der Text, wie viele andere barocke Texte, dem Hörer von heute sicherlich Schwierigkeiten bereitet, würde ich nicht alle Strophen des Chorals „hinfort empfind ich schlechte Lust“ (!) für eine Aufführung verwenden. Der Wiederholungen sind zu viele, und damit bin ich bei der Einschränkung, die ich gegenüber der einen oder anderen Motette empfinde. Vieles wird in ständiger Wiederholung zu sehr ausgewalzt (Motetten 7, 8, 9) oder wirkt auf mich in der Beschränkung der Harmonik auf die Folge von Tonika, Subdominante, Dominante mit seltenen und schnell reuig wieder aufgegebenen Ausflügen in eine der Moll-Parallelen, dürftig bis ärgerlich. Gelegentlich eingefügte Koloraturen, wirken wie Pflichtübungen und nicht ausdeutend oder bereichernd. Dass dieser Motette ein Solobass hinzugefügt oder zugrunde gelegt ist, der am Anfang in Sekundschritten gravitätisch vom B bis zur None c' aufwärts schreitet und dann die gleiche Tonleiter abwärts sogar bis F führt, mag für den Komponisten reizvoll gewesen sein. Ich empfinde es nicht so, und die fast wörtliche Wiederholung macht es auch nicht besser.
Die Motette Nr. 6, überschrieben mit „Concert“ wiederum besticht durch Glaubwürdigkeit, wenn ein Elternpaar über den Verlust eines geliebten Sohnes trauert, und dieser die Eltern damit tröstet, dass „Gott keinen verlässt, der ihm vertrauet“.
Trotz der Einschränkungen eine sehr lohnende Neuerscheinung. Alle Motetten sind auch in Einzelausgaben erhältlich.

Christian W. Grube
Quelle: Musik & Kirche 6/03

 

Johann Ludwig Bach: Motetten für gemischten Chor

(schu) Johann Sebastian schätzte sie sehr. 1726 führte er in der Leipziger Thomaskirche sogar einige Werke selbst auf: die Chormusik seines Vetters Johann Ludwig Bach, der in der Verwandtschaft auch häufig nur „der Meininger Bach“ genannt wurde. 1677 in Eisenach geboren, wurde Johann Ludwig nach einer Interimszeit in Salzungen 1703 Kantor an der Schlosskirche zu Meiningen, wo er vor allem geistliche Werke schrieb.
Die bei Carus von Uwe Wolf hervorragend betreute Gesamtausgabe der elf Motetten stellen in musikgeschichtlicher, editorischer und letztlich repertoirebildender Hinsicht eine Bereicherung dar. Alle Motetten sind in der Dimension denjenigen Johann Sebastian Bachs vergleichbar und sind (mit einer Ausnahme) doppelchörig angelegt, wobei sie dabei den Reichtum der zweichörigen Kompositionsvielfalt voll ausschöpfen: Alternieren von Klangflächen, gegenseitiges Zurufen von Akkordwechseln, Opulenz in der kadenzierenden Achtstimmigkeit.
Die Texte bestehen aus einer Mischung von Bibelstellen und freier Dichtung. Trotz „A-Cappella-Druck“ ist für die Aufführungspraxis mindestens eine Continuogruppe vorzusehen, ideal wären colla-parte-geführte Instrumente für beide Chöre (Coro I mit Streichern, Coro II mit Holzbläsern).
Auch wenn die beiden agierenden Chöre überwiegend homophon geführt sind, verlangen sie wendig agierende Sänger/innen, die mit historischer Aufführungspraxis wenigstens in Ansätzen vertraut sind (Schwerpunktgliederungen, „Abziehen“ von Noten etc.).
Alle Motetten sind sowohl in Gottesdiensten als auch in Konzerten bestens einsetzbar und stellen eine bereichernde Erweiterung des bislang bekannten Chorrepertoires mitteldeutscher Barockmusik dar.

Quelle: Musica Sacra 1/2004

 

Johann Ludwig Bach: Motetten

Das Heft enthält 11 Motetten von Johann Ludwig Bach, einem Vetter von Johann Sebastian. Diese Motetten sind fast alle für zwei gemischte Chöre komponiert. Ausnahmen bilden vor allem mehrere ariose Abschnitte, die als Duette gesetzt sind. Einmal tritt ein fulminantes Bass‑Solo zum Doppelchor. Mit all diesen Varianten beweist Johann Ludwig Bach eine intensive und ausdrucksstarke Gestaltungsweise. Trotzdem sind die Motetten nicht allzu schwierig, oft homophon und im Stimmumfang maßvoll. Kein Wunder, dass Johann Sebastian Bach die Werke seines Vetters sehr geschätzt und auch aufgeführt hat. Die Texte entstammen meist der Bibel; hinzu treten choralartige Strophen. Inhaltlich fällt auf, dass etwa die Hälfte der Motetten dem Thema Tod und Trauer gewidmet sind. Daneben steht eine Motette für die Weihnacht. Die übrigen Sätze handeln vom Vertrauen auf Gott. Die Aufführungsdauer variiert stark: zwischen etwa 5 und 15 Minuten. Alle Motetten sind in Einzelausgaben verfügbar.

Frieder Liebendörfer
Quelle: Musik und Gottesdienst 4/04

 

Bach, J. L.: Sämtliche Motetten

Die Motetten von Johann Ludwig Bach nehmen innerhalb ihrer Gattung eine herausragende Stellung ein. In der thüringischen Motettentradition verwurzelt, erreichen sie dennoch sonst kaum zu beobachtende Dimensionen. Mehrchörigkeit wird hier zur Norm erhoben, dank des Repräsentationsbedürfnises eines Hofes. Wechselnde Besetzungen und dialogische Abschnitte tragen zum Abwechslungsreichtum der ausdrucksstarken Kompositionen bei. Ohne Zweifel bilden die Motetten des von Johann Sebastian Bach hochgeschätzten „Meininger Bach“ eine wertvolle Bereicherung des Repertoires aller Chöre.

Bernhard Schmid
Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen  10/2004

[sl] Doppelchöriges Singen ist für Chöre entsprechender Größe immer ein besonderes Erlebnis, und auch für den Zuhörer, vor allem bei räumlich getrennter Aufstellung. Auch wenn mancher Chorleiter dabei immer wieder mit den Bachmotetten liebäugelt, sind sie doch für viele Chöre unerreichbar. Hier können die Motetten von Johann Ludwig Bach abhelfen. Bis auf eine (SSATTB ( sind sie alle doppelchörig, die meisten davon in der Besetzung SATB/SATB, aber nicht halb so schwer wie die Werke des Thomaskantors und durchaus auch für einfacher „gestrickte“ Chöre gut zu handhaben. Koloraturen kommen selten vor und sind dann relativ kurz. Interessant ist, dass der Komponist immer wieder auch mit außergewöhnlichen Besetzungen aufwartet. So finden wir eine Motette quasi dreichörig aufgesplittet in SATB/SA/TB, eine Motette zieht zur Doppelchörigkeit noch einen Basssolisten hinzu, häufiger trifft man auf Tenor-Bass-Bicinien. Viele der Motetten stehen unter dem Thema Zuversicht und Gottvertrauen und lassen sich am Ende des Kirchenjahres einsetzen. Auch eine Passions- und eine Weihnachtsmotette sind vertreten. Wer für seinen Chor grundsätzich die Doppelchörigkeit nicht ausschließen muss, der findet hier ein reiches Betätigungsfeld. Übrigens: 2006 ist Johann Ludwig Bachs 275. Todestag.

Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik  5/2005, S.28

 

Weit mehr als Namensvettern

[jj] Handelt es sich um die Motetten Bachs, so denkt jeder sofort an die sechs aus der Gattungsnorm herausragenden Werke von Johann Sebastian Bach. Nun macht aber die Gesamtausgabe des Carus-Verlags auch die elf Motetten seines Namensvetters und Cousins zweiten Grades, Johann Ludwig Bach (1677-1731) zugänglich. Diese mit Ausnahme des sechsstimmigen »Unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist« doppelchörig angelegten Stücke zählen zu dem Bedeutendsten, was dieses Mitglied der großen Musiker-Familie geschrieben hat. Über die Entstehungszeit und -umstände ist wenig bekannt; vermutlich handelt es sich um Gelegenheitswerke, von denen Nr. 1 »Das Blut Jesu Christi«, Nr. 3 »Die richtig für sich gewandelt haben«, Nr. 4 »Gedenke meiner, mein Gott«, Nr. 8 »Sei nun wieder zufrieden, meine Seele«, Nr. 9 »Unsere Trübsal« und Nr. 11 »Wir wissen, so unser irdisches Haus« wahrscheinlich zu Beerdigungen entstanden, während die Cantus-firmus-Motette »Uns ist ein Kind geboren« in den weihnachtlichen Festkreis fällt. Die Texte setzen sich aus Bibelworten und freien Dichtungen zusammen. Nr. 5 »Gott, sei uns gnädig« sticht besonders durch den zu den beiden Chören hinzutretenden Solobass hervor, während in Nr. 3 »Die richtig für sich gewandelt haben«, Nr. 4 »Gedenke meiner, mein Gott« und Nr. 6 »Ich habe dich ein klein Augenblick verlassen« die Achtstimmigkeit jeweils durch eine eingefügte Aria mittels Stimmreduktionen zu abwechslungsreichen Duos verringert wird, die durch die Gegenüberstellung der jeweils hohen und tiefen Stimmen ein differenziertes Klangkolorit erzeugen. Homophone Passagen werden von koloraturreichen Abschnitten unterbrochen, die hohe Anforderungen an jeden Chor stellen. In Nr. 2 »Das ist meine Freude« bilden die durch Pausen voneinander getrennten homophonen Einwürfe »das ist« die Grundlage für den mehrchörigen Dialog mit dem Koloratur-Fugato »meine Freude«. Der Text wird durch Harmonik und Melodik ausgemalt, wie beispielsweise durch die Haltetöne zu dem Wort »Ewigkeit« in Nr. 9 oder den plötzlichen Wechsel von G-Dur zu g-Moll bei dem Wort »Tod« in Nr. 8. Da zum praktischen Musizieren alle Motetten auch als Einzelausgaben erhältlich sind und durch eine Basso-continuo-Stimme ergänzt werden können, bleibt zu hoffen, daß diese spritzig-lebhaften Werke bald als Neuigkeiten am Motetten-Horizont auch vermehrt in Konzerten zu Gehör kommen werden.

Quelle: Cantate, 03-03/2005, S.35

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