Witte: Sechs Psalmen

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Witte, Gerd: Sechs Psalmen

In einer kurzen Vorbemerkung schreibt der Autor:
„Der Psalter ist nicht nur ein Bestandteil gemeinschaftlicher Gottesdienstgestaltung, sondern auch eine Summe persönlicher Gebetserfahrungen. Diese Unterscheidung äußert sich in den hier vorgelegten Psalmvertonungen als Wechselspiel zwischen liturgischer Psalmodie und monodischem Gestus.“
Das Heft enthält „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Ps. 22) für Bariton, Choralchor und Orgel, „Der Herr ist mein Hirte“ (Ps. 23) für zwei Frauenstimmen und Orgel, „Dennoch bleibe ich stets an dir“ (Ps. 73) für Tenor und Orgel, „Das ist ein köstlich Ding“ (Ps. 92) für Sopran und Orgel, „Lobet den Herrn, alle Heiden“ (Ps. 117) für Tenor, Flöte und Orgel und „Wo der Herr nicht das Haus baut“ (Ps. 127) für Tenor und Orgel.
Dem Peppingschüler und ehemaligen Professor an der Trossinger Hochschule für Musik, KMD Gerd Witte, sind mit diesen Stücken Psalmvertonungen gelungen, die einerseits fernab jener grauen, orgelbewegten Quartenharmonik eine eigene, modale bis freitonale, höchst spannungsvolle Klanglichkeit entwickeln und andererseits ihre Ausdruckskraft aus einer intensiven, melodischen Polyphonie beziehen. Der Orgelpart ist zwar manualiter auszuführen, aber weit mehr als bloße Klangstütze. Er greift eigenständig und charakteristisch in das textdeutende Geschehen ein und - das verrät den Spieler, im Komponisten - spricht die „Grifflust“ an, d. h. er liegt in der Hand. Schon die erste Vertonung des Heftes „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ schlägt den Hörer in ihren Bann. Dem Schrei aus der Einsamkeit und Verlassenheit tritt die zweite Strophe des Lutherschen Psalmliedes „Ein feste Burg ist unser Gott“, einstimmig von einem kleinen Choralchor „aus der Ferne“ gesungen, gegenüber: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren“. Erschütternd, wenn die Worte „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch ...“ auf den Choral treffen „...den Gott hat selbst erkoren“ oder die Worte, die Jesus der Passionsüberlieferung noch am Kreuz ausrief, „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, mit dem Satz beantwortet werden: „Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ.“
Die rhythmischen Strukturen sind nicht immer einfach. Taktwechsel, zusammengesetzte Taktarten, aber auch Quartolen gegen Triolen in „Dennoch bleibe ich stets an dir“ betonen die ametrische Struktur der Prosatexte. Von besonderer Wirkung ist in der letztgenannten Vertonung der latente Sog zur G- Tonalität, dem erst in den Schlusstakten nachgegeben wird: „ ... denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich in Ehren an.“
Im 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ herrscht der 12/8- Takt eines Pastorale vor, aufgebrochen durch Gegenakzente und polyphone Verschiebungen der zwei Singstimmen. Eine Sprache für das lob Gottes finden die beiden Vertonungen „Das ist ein köstlich Ding“ und insbesondere „Lobet den Herrn, alle Heiden“, letztere mit obligater Flöte. Die Vertonung dieses kürzesten Bibelpsalms mündet in ein zweiseitig auskomponiertes, weit ausschwingendes Halleluja von großer Wirkung.
Die Kompositionen eignen sich hervorragend für Gottesdienst und Konzert. In Programmen von geistlichen Abendmusiken schließen sie eine Lücke. Denn sie bilden in ihrer eigentümlichen Klangsprache einen willkommenen Kontrast z. B. zu den Geistlichen Konzerten eines Heinrich Schütz, die denselben geringen Besetzungsaufwand erfordern.

Hans-Peter Braun
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 3/03                     

 

Gerd Witte: Sechs Psalmen für Solostimme(n)

Besonders bemerkenswert an Wittes Psalm‑Vertonungen scheinen uns drei Aspekte: 1. Die interessanten Möglichkeiten kanonischer Stimmführungen;  2. die Anwendung verschiedenster Begleitformen und Begleitformeln ‑ beides Elemente, die auch als Inspiration für die eigene Improvisation genutzt werden können; und 3. besonders die fruchtbare Verbindung von «altem» Lobgesang (Psalm) und «neuem» Lobgesang (evangelisches Kirchenlied) ‑gleichzeitig mit verschiedenen Zungen gesungen oder instrumental kontrapunktiert. Sehr empfehlenswert scheinen uns die Psalmen von Gerd Witte, weil sie mit kleinem äußerlichem Aufwand (Einzelstimmen und Orgel) zu realisieren sind.

Ulrich Asper
Quelle: Musik und Gottesdienst  Sept. 2004

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