Zelenka: Missa Dei Patris (Bernius)

Jan Dismas Zelenka

Missa Dei Patris

ZWV 19

Beschreibung

„Dem Kammerchor und dem Barockorchester gelingt die Interpretation auf kongeniale Weise und auch der ausgeglichene Ensembleklang der Solisten besticht durch seine bescheidene Zurückhaltung.“
SDR, 08.01.2001


Ausgezeichnet mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik

Ausgezeichnet mit dem Diapason d'Or

Kaufen

Compact Disc

83.209/00
12,5 x 14 cm, CD, Jewel Case
EUR19,90 / St.
lieferbar

Produktinformation

Dirigent

Frieder Bernius zur Person

Ensemble

Barockorchester Stuttgart zur Person
Kammerchor Stuttgart zur Person

Sopran-Solo

Mechthild Bach zur Person

Alt-Solo

Daniel Taylor zur Person

Tenor-Solo

Markus Brutscher zur Person

Bass-Solo

Gotthold Schwarz zur Person

Komponist

Jan Dismas Zelenka zur Person

Rezensionen

 

Zelenka, Jan Dismas: Missa Dei Patris ZWV 19

Seiner hochgeschätzten Zelenka-Reihe fügt Frieder Bernius mit der vorliegenden Einspielung eine weitere bedeutsame Folge bei. Die Missa Dei Patris ist die erste einer ursprünglich auf sechs Messen angelegten Reihe, den so genannten Missae ultimae. Dass Zelenka bei der vorliegenden Komposition den Gipfel seines Schaffens erreicht hat, ist offensichtlich: Die kluge Disposition innerhalb der einzelnen Ordinariumsteile mit konzertanten, lyrischen und fugierten Elementen ist souverän und mit konzisem Einsatz der musikalischen Mittel gelöst. Bernius belegt dies auch im eröffnenden Kyrie, das mit der klanglichen Fülle eines Händel eine regelrechte Glaubensemphase erreicht. Der Kammerchor Stuttgart beweist Substanz und Leuchtkraft, singt auch bei den Koloraturen locker und insgesamt ohne Manierismen. Das auf historischen Instrumenten spielende Barockorchester überzeugt mit reichen Valeurs und gehörigem Furor – beispielhaft im Et resurexit (Tr. 13), bei dem auch die Vokalsolisten ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Im ausgreifenden Agnus Dei (Tr. 18) füllt Damel Taylor die Bitte um Erbarmen mit beseeltem Schönklang.

Norbert Rüde
Quelle: Klassik heute

 

Gewaltige Ausdruckskraft

Es muss so ungefähr vor zwei Jahren gewesen sein. Da dirigierte Frieder Bernius in der Leonhardskirche eine Aufführung von Jan Dismas Zelenkas „Missa Dei Patris“, die das Prädikat „denkwürdig“ verdient. Für viele war dieses Konzert so etwas wie eine Initialzündung in Sachen Zelenka. Man war sich bis dahin sicher gewesen: Es gibt, was die barocke Kirchenmusik anbelangt, nichts, was auch nur einigermaßen an Bachs h-Moll-Messe und die Passionen heranreicht. Und nun Zelenka. Sechs so genannte „Missae ultimae“ wollte der Dresdner Hofkomponist schreiben, drei sind es geworden. Die beiden anderen Messen hat Bernius bereits als CD aufgenommen, mit der „Missa Dei Patris“ vollendet er seine Zelenka-Trias – und setzt damit einen Markstein. Ähnlich wie zuvor Monteverdi zieht Zelenka hier eine Summe der kompositorischen Errungenschaften seiner Zeit und gelangt zu einer gewaltigen Ausdruckskraft mit einer verblüffenden Vielfalt an Stilen, Formen und Satztechniken. Die bemerkt man nur, wenn so lebendig, beseelt und genau musiziert wird wie vom Barockorchester Stuttgart, dem fabelhaften Kammerchor Stuttgart und vier exquisiten Vokalsolisten. Wer Zelenka nicht kennt und sich einen ersten Eindruck von der Größe dieser Musik – und dieser Aufnahme – machen möchte, der höre beispielsweise das Altsolo im „Benedictus“, Takt 18: Es ist kaum vorstellbar, von diesen überirdisch schönen Klängen nicht angerührt zu sein.

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 16.11.2000

 

Jan Dismas Zelenka: Missa Dei Patris

Jan Dismas Zelenka wurde 1679 in Launowitz (Böhmen) geboren. Nach seiner Ausbildung am Jesuiten-Kolleg Clementinum in Prag stand er im Dienst des Grafen Hartig, ab 1710/11 wirkte er am kursächsischen Dresdner Hof als Kontrabassist und Komponist. 1715 wurde er auf eine Studienreise nach Wien und Italien geschickt. Dort betrieb er ausführliche Kompositionsstudien bei J.J. Fux und A. Lotti. Zurückgekehrt wurde er 1721 Vizekapellmeister der Kirchenmusik, 1733 „Compositeur“, 1735 „Kirchen-Compositeur“, bewarb sich aber vergeblich um das Amt des Kirchenkapellmeisters. 1745 starb Zelenka in Dresden.
Zelenkas kirchenmusikalisches Schaffen ist zu Lebzeiten nicht gedruckt worden, überlieferte Abschriften im Besitz bedeutender Musiker wie z.B. J.S. Bach und Telemann legen allerdings eine gewisse Verbreitung nahe. Seit den späten 1970er Jahren werden die ca. 150 kirchenmusikalischen Werke meist nach autographen Partituren der Sächsischen Landesbibliothek erschlossen.
Die eingespielte Missa Dei Patris ist ein Werk eines ursprünglich auf sechs „Missae ultimae“ angelegten Zyklus, von dem allerdings nur drei überliefert sind. Sie zeugt von hohem kompositorischen Können und einer tiefreligiösen Haltung. Eine große Vielfalt formaler Struktur offenbart sich in den vier großen Chorkonzerten, sieben Chorfugen, vier Chornummern dramatischer oder lyrischer Art, zwei Terzetten und drei Arien.
Sowohl im künstlerischen und aufnahmetechnischen Bereich hat die Aufnahme unter der Leitung von Frieder Bernius Bestnoten verdient. Schwungvolle Tempi, sehr schön ausmusizierte lyrische Teile machen das Hören zum Erlebnis. Bei den Solisten bietet vor allem der Countertenor Daniel Taylor besonderen Hochgenuss. Besonders im Beginn des Agnus Dei überzeugt er mit einer ausgezeichneten Balance zwischen lyrischer Stimmführung und konsequenter Artikulation. Barockorchester und Kammerchor Stuttgart musizieren sehr klar, durchsichtig und sauber artikuliert. Eine der historischen Aufführungspraxis entsprechende Interpretation, ausgezeichnet gelungen und sehr empfehlenswert.

Stefan Glaser
Quelle: Musik im Bistum Essen 1/2001, S. 57f.

 

[…] La lecture brillante et contrastée conduite par Frieder Bernius offre une référence difficilement surpassable […] Perfectionniste mais loin de tout formalisme, Bernius sait fort bien faire passer l'esprit de rupture dont vit cette architecture fastueuse et ambiguë, qui vit son partage emblématique entre le sanctuaire et la scène avec moins de déchirement que de gourmandise […].
Intégrant tous les éléments (Kammerchor Stuttgart comme toujours souple, éloquent et virtuose, quatuor de solistes emmené par le soprano ailé de Mechthild Bach) le chef sud-allemand impose une authentique spiritualité à un mystérieux souffle lyrique, qui renvoie à Prague, cité magique vers laquelle ont convergé toutes les composantes de la Mitteleuropa, depuis Rodolphe II.

Roger Tellart
Quelle: Diaposon 2/02