Gottwald: Vokalbearbeitungen (Grün)

Description

For more than twenty years the choral conductor and musicologist Clytus Gottwald has been making transcriptions of piano-accompanied Lieder and instrumental works for a cappella choir. These arrangements employ techniques found in the music of Ligeti. The KammerChor Saarbrücken (Georg Grün) presents a selection of these works which make the highest demands on vocal ensembles.

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20 Works Show

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Georg Grün Personal details

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KammerChor Saarbrücken Personal details

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CD-Tipp

In der Chorszene ist sein Name wohlbekannt, vor allem als Bearbeiter instrumentaler Werke für Chor a cappella. Das vielleicht geläufigste Chorarrangement von Clytus Gottwald ist Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen", populär geworden u. a. durch Eric Ericson, der die Bedeutung dieser Art Chorliteratur augenblicklich erkannte. Denn Gottwalds "Arrangements" haben wenig gemein mit den üblichen Assoziationen, die dieser Begriff weckt; sie sind ernst gemeinte und ernst zu nehmende Neuansätze einer Chorliteratur, die gerade zwischen 1880 und 1920 von der stilistischen Entwicklung und den rasanten Umbrüchen zeitgenössischer Musik abgeschnitten war. Nachdem Gottwald 1960 die Stuttgarter Schola Cantorum gegründet hatte (aus der später das SWR Vokalensemble hervorging), kam es in einem Boulez-Konzert zum Schlüsselerlebnis: Ravels "Soupir" regte bei Gottwald die Idee an, "diese Musik für Stimmen zu transkribieren, wobei mir Ligetis Technik als Motivquelle diente. Ich wollte das Neue, wie es mir in Ligetis "Lux aeterna" begegnet war, dadurch dokumentieren, dass ich dessen écriture auf die Musik von Ravel adaptierte."
Die vorliegende CD, herausgegeben zum 80. Geburtstag von Clytus Gottwald, vereint seine wichtigsten Chorbearbeitungen, manche davon als Weltersteinspielung. Bemerkenswert auch, auf welch hohem Niveau hier ein Laienensemble agiert, freilich eines, das längst internationalen Ruf genießt.

Matthias Keller
Quelle: Bayern 4 Klassik, 14.11.2005

 

A cappella-Bearbeitungen von Clytus Gottwald

Clytus Gottwald gehört zu den bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte: Als Gründer und Leiter der Stuttgarter Schola Cantorum hat der gebürtige Schlesier unzählige Chorwerke der Neuen Musik uraufgeführt. Darunter Kompositionen von Boulez, Lachenman, Ligeti und Zender. In der heutigen Chorszene ist Gottwald jedoch vor allem wegen seiner Tätigkeit als Arrangeur bekannt: Er hat zahlreiche Werke für Chor a cappella bearbeitet, die ursprünglich mit Instrumentalbegleitung gedacht waren. Rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag am gestrigen Sonntag hat die Firma Carus nun eine CD mit 20 dieser Bearbeitungen veröffentlicht, gesungen vom KammerChor Saarbrücken.

Gottwalds bekannteste Bearbeitung
"In seinem Programm hatte er von Ravel die drei Lieder nach Texten von Mallarmé. Und das erste, "Soupir", wie ich das gehört habe, dann hab ich das als Chorgesang gehört und habe mich dann hingesetzt und hab das für Chor transkribiert." Nach Ravels "Soupir" bearbeitete Gottwald das Lied "Die Nachtigall" von Alban Berg; ein Geschenk zum Geburtstag seines Freundes György Ligeti. 1983 entstand dann seine Version von Gustav Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen" - Gottwalds mit Abstand bekannteste Bearbeitung: Sie gehört heute zum Repertoire vieler europäischer Spitzenchöre und ist schon ein richtiger Schlager geworden.
Im Laufe der Zeit wollten immer mehr Chorleiter und Ensembles solche Bearbeitungen von Gottwald singen - für ihn selbst eine gute Gelegenheit, die eigenen Erfahrungen als Interpret der Neuen Musik weiter zu geben.

Nachkomponierte traditionelle Musik
"Ich bin je mehr hineingewachsen, desto mehr ich merkte, dass bei der jüngeren Generation das Interesse für das, was wir in den 60er 70er Jahren gemacht hatten, zu erlahmen begann. […] Ich wollte versuchen, mit dieser Arbeit einen gewissen Stillstand, der innerhalb der chorischen Entwicklung wieder statt gefunden hatte - dass man diesen Stillstand überwindet. Zwar mit traditioneller Musik, aber mit nachkomponierter traditioneller Musik, in die die chorischen Errungenschaften Ligetis mit eingeflossen sind." Diese Errungenschaften bestehen für Gottwald vor allem in der besonderen Aufmerksamkeit für jede einzelne Stimme: "Das ist etwas, was ich übernommen habe, indem ich sagte: Wenn ein Chor klingen soll, dann muss die einzelne Stimme so artikuliert sein, als ob sie solistisch wäre. Und das bringt dann plötzlich diesen reichen, fluktuierenden Klang. Bewusst ausgearbeitet findet sich das etwa in den Wagner-Transkriptionen."

Renaissance-Musik
Gottwalds Bearbeitungen profitieren jedoch nicht allein aus seiner Beschäftigung mit der Neuen Musik. Mindestens ebenso intensiv hat er sich mit der Renaissance-Musik von niederländischen Komponisten wie Josquin auseinandergesetzt - und sich ebenfalls ein paar Tricks abgeguckt. "Mit den Niederländern die Erfahrung ist die, dass ich immer darauf achte, dass die Bassregion besonders verstärkt ist. Das heißt, ich nehm viergeteilte Bässe und versuche, die tiefen Töne durch Obertöne zu stützen. Dann klingt das ganze eher wie eine Orgel als wie ein Chor. " Passenderweise ist der Kammerchor Saarbrücken insbesondere in den tiefen Bässen hervorragend besetzt - und kann Gottwalds Klangvorstellung so meistens ziemlich nahe kommen. Auf diese Weise entsteht eine sehr sinnliche, reizvolle und mitunter betörende Musik. Kein Wunder, dass der Dirigent Georg Grün vor lauter Freude über diese Farbpracht mitunter ein bisschen zu lange bei einzelnen Klängen stehen bleibt und die große Linie aus den Augen verliert. Aber ...

Marcus Stäbler
Quelle: NDR Kultur, 21.11.2005

 

[...] In Georg Grün finden die Werke einen Chorleiter, der Gottwalds Konzeption genau umsetzt und die vielschichtige, betörend raffinierte Klanglichkeit der Stücke mit gleichsam mikroskopischer Genauigkeit ausleuchtet. Sein vorzüglicher Kammerchor Saarbrücken singt dabei stets an der oberen Grenze dessen, was ein semiprofessionelles Ensemble zu leisten vermag, und tönt vor allem in den tiefen Männerstimmen wunderbar rund und satt. [...]

Marcus Stäbler
Quelle: Fono Forum 12/05, S.82

 

Produktive Umgestaltung

Vor der Kunst der produktiven Umgestaltung eines Franz Liszt verbeugt sich Clytus Gottwald tief. Dabei ist er selbst Meister in jenem Metier, das weniger im Neuschaffen als im Nachschaffen von Musik seine Meriten verteilt. Die größte Wirkung hat wohl die Adaption von Gustav Mahlers entrücktem Lied ,Ich bin der Welt abhanden gekommen' für 16-stimmigen Chor entfaltet. […] Die neueste Einspielung des Werkes gehört zu einer CD, die ganz dem Werk von Clytus Gottwald, der 2005 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, gewidmet ist. Der KammerChor Saarbrücken unter Georg Grün gibt sein Bestes, die flirrenden, weit tragenden und üppig unterstimmengefütterten Gesänge zu einem Erlebnis werden zu lassen. Das Verfahren Gottwalds wirkt im ersten Moment konservativ. Nimmt er doch 'alte' Musik und zaubert aus ihr, ohne weit über die Grenzen dessen hinaus zu gehen, was sie harmonisch und strukturell auszeichnet, 'neue' Musik. […] Doch entscheidend ist nicht das Material, sondern das Medium - die menschliche Stimme. Durch das Umschreiben auf ein anderes 'Instrument' wird aus dem Bekannten tatsächlich etwas Neues, sehr Spannendes. […] eine CD, die nicht nur Chormusikfans hören können, sondern die sich unbedingt für Leute empfiehlt, die sonst mit singenden Menschen wenig anzufangen wissen.

Thomas Vitzthum
Quelle: klassik.com, 18.01.2006

 

Die Bedeutung des Komponisten und Chorleiters Clytus Gottwald für die Entwicklung der zeitgenössischen Chormusik kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. [...]
Carus hat eine CD mit von Clytus Gottwald für Chor a cappella bearbeiteten, vor allem spätromantischen und impressionistischen Werken herausgebracht: [...] Im sehr informativen Booklet (D/E/F), das auch die Liedtexte wiedergibt, beschreibt Gottwald den auslösenden Moment, Stücke für Chor zu transkribieren, seine Gründe für die Auswahl der Stücke und seine je individuelle Herangehensweise.

Quelle: Neue Zeitschrift für Musik, Jan/Feb 2006

 

Die Chormusik der jüngeren Moderne bzw. der Nachkriegs-Avantgarde ist ohne Clytus Gottwald und seine Stuttgarter Schola Cantorum schwer vorstellbar. Daß Gottwald auch ein herausragender Verfasser chorischer Transkriptionen war, ist dieser so brillanten wie gefühlvollen Auswahl seiner Arbeiten anzuhören. Die Individualität der hier bearbeiteten Musik bleibt in vorbildlicher Weise erhalten - Gottwalds Meisterschaft besteht in der Zurückhaltung, gleichzeitig aber auch in der Öffnung stimmlicher Räume, durch die die einzelnen Werke über den Status des Arrangements hinauswachsen. Die besonderen Eigenarten des Chorsatzes, das organische Miteinander und die zwingend melodische Identität jedes Einzelparts im Stimmgeflecht weisen Gottwald als subtil einfühlsamen Mit-Komponisten aus.

In der Auswahl der zumeist zwischen Spätromantik und Impressionismus stehenden Werke trägt Gottwald dem Umstand Rechnung, daß zu dieser Zeit autonome Chormusik keine wirkliche Rolle spielte und insofern in der Chorpraxis eine historische Lücke zur Moderne besteht. Bis zu einer 16stimmigen Aufteilung der Chorstimmen, Stimmkonstellationen, die einen fehlenden Grundton imaginieren, aber auch gezielte Dopplungen von Obertönen durch Einzelstimmen - das sind hier u.a. hochkarätige Handwerkszeuge zum Zaubern mit und Verzaubern durch Klänge und Farben. Frühe Lieder von Berg und Webern in ihrem eigenartigen fin-de-siècle-Tonfall, Zart-Melancholisches von Hugo Wolf und zwei sinnlich-vibrierende Chorstudien zu Wagners Tristan faszinieren ebenso wie die farblich diffizil aufgebrochenen Beiträge von Ravel und Debussy, wobei Gottwald das Debussy-Prelude Des pas sur la neige mit einem von Mallarme tropierten Rilke-Text pointiert zu chorischem Leben erweckt. Auch Berlioz und Liszt, „Progressive" ihres Jahrhunderts, und Gustav Mahler zeigen sich hier optimal chortauglich. Georg Grün und der KammerChor Saarbrücken interpretieren diese stets zerbrechliche Musik in ihrem figürlichen und klanglichen Filigran und geben in keiner Phrase den Versuchungen eines aufgeblasenen Sounds nach - eine echte Hommage an ihren Stuttgarter Kollegen und die Chance, diese immer wieder in die Ritzen der Musikgeschichte gefallene Musik neu und eindringlich zu hören!

Hans-Christian v. Dadelsen
Quelle: Klassik-Heute.com, 30.12.02005

 

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