Carus und seine Wegbegleiter*innen

Der Erfolg eines Verlags ist in besonderem Maße mit seinen Autorinnen und Autoren verbunden. Viele Persönlichkeiten haben den 50-jährigen Werdegang von Carus geprägt und begleiten uns weiterhin auf unserem Weg. Mit ihren Namen sind wegweisende Editionsprojekte, neue Kompositionen oder visionäre Einspielungen verbunden. Zum Verlagsjubiläum kommen hier einige unserer wichtigsten Wegbegleiter*innen zu Wort, mit denen wir seit vielen Jahren intensiv zusammenarbeiten. Gemeinsam ist allen, dass sie ihr Wirken ganz der (Vokal-)Musik gewidmet haben.
  • Frieder Bernius

    Schon 1980 kam Günter Graulich mit dem Plan einer Einspielung einiger Chorwerke von Felix Mendelssohn auf mich zu, nachdem er den Kammerchor Stuttgart in einem Konzert gehört hatte. Aus der Sicht dieser Jahre, in denen Mendelssohn noch als der „wenig tiefgängige“ Komponist galt, zudem auch in Kompositionen, die wegen ihrer typischen, zweidimensional barocken wie romantischen Ausprägung nicht richtig erkannt und daher zu schwülstig aufgeführt wurden: Was für ein Wagnis! Aber zugleich: Wind in das Feuer ­meiner Mendelssohn-Begeisterung, die anfangs der 70er gegen den Zeitstrom ihren Ursprung hat. Nach und nach erarbeiteten Günters Editionsleitung und unsere Aufnahmen dieses Vokalwerk, aber erst kurz vor Mendelssohn 200. Geburtstag wurden Gesamtedition und -aufnahme beschlossen, die oft Hand in Hand gingen. So bleibt zu konstatieren: Gut, dass Günter­ ­Graulich seinem verlegerischen Instinkt gefolgt ist, was wären wir heute ohne diese Musik!

    Frieder Bernius
  • Prof. Hans-Christoph Rademann, Internationale Bachakademie Stuttgart

    Dem Carus-Verlag gratuliere ich ganz herzlich zum 50. Geburtstag! Günter Graulich kam vor mehr als 20 Jahren während des Marktoberdorfer Chorwettbewerbs auf mich zu und sagte: „Mit Ihnen will ich CDs produzieren!“ Aus diesem Gespräch wurde später die Schütz-Gesamtaufnahme des Dresdner Kammerchores unter meiner Leitung. Da kann ich nur sagen: welch unternehmerischer Weitblick. Die Chormusik ohne den Carus-Verlag ist in­zwischen nicht mehr denkbar, er ist einfach unentbehrlich geworden. Dafür gilt es zu danken und für die nächsten 50 Jahre alles Gute und viel Erfolg zu wünschen!


    Prof. Hans-Christoph Rademann, Internationale Bachakademie Stuttgart
  • Peter Schindler

    Einmal, es war noch im letzten Jahrtausend, hat mir Günter Graulich ausführlich erzählt, wie er in den Anfängen des Carus-Verlags nach Korea geflogen ist, um Frau Shin fürs Notenlektorat zu gewinnen. Ich dachte nur: „Was für ein crazy Typ. Fliegt nach Korea zu Geschäften, ohne ein Wort koreanisch zu können.“ ­Seinen Sohn Johannes traf ich zum ersten Mal in Cannes bei der Midem 2001. Am Abend wurde gefeiert und jeder musste ein Glas Bier leeren. Als die Reihe an Johannes kam, hat er nicht lang gezögert und vor meinen koreanischen Freund*innen und Musikerkolleg*innen auf ex ein großes Bier ausgetrunken. Als laut respektvoller Beifall aufbrandete, dachte ich mir: JA, ich bin beim richtigen Verlag. Und so war’s dann auch.


    Peter Schindler
  • Friedhi Trüün

    50 Jahre Carus Verlag – ein Jubiläum wie jedes andere? Nun, bei mir aktiviert es alle vier Sinne: Ich rieche Kohlenstaub im Kohlenkeller des elterlichen Hauses von Günter Graulich, ich höre Musik auf dem Youtube-Kanal, ich sehe Reihen der Gesamtausgaben von geliebten Komponisten und von Musik- und Chorbüchern, und ich schmecke die Essenz von Vertrauen und Wertschätzung. Diesen Geschmack habe ich selbst erfahren. Beim ersten Treffen in der Gebelsbergstraße, bei der mich fast das Sofa verschluckte, bis zu unseren zuletzt leider seltener werdenden Begegnungen. Die Aufgabe des Verlegers hat Günter zusammen mit seiner energiespendenden Ehefrau Waltraud wunderbar ausgefüllt: aufmerksam zuhörend, empathisch, konstruktiv, hartnäckig, geduldig und last but not least als Sahnehäubchen: herzlich zugewandt – habt Dank euch beiden für die Veröffentlichung wunderbarer Kirchenmusik, die ihr so vielen Musikliebhaber*innen und damit der Nachwelt beschert habt. 

    Alles erdenklich Gute für die chormusikalische Zukunft des Verlages wünscht euch allen Friedhi Trüün.





    Friedhi Trüün
  • Prof. Dr. Klaus K. Weigele, Landesakademie für die musizierende Jugend Baden-Württemberg

    Mit der Veröffentlichung des Chorbuchs chorissimo! orange 2008 hat eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Landes­akademie und Carus begonnen. Im engen Austausch wurde ein chorpädagogisches Konzept entwickelt, das inzwischen vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe II reicht und mit seinem Ansatz den Maßstäben moderner schulischer und außerschulischer Chorarbeit entspricht. In der chorissimo!-­Reihe treffen ­Carus höchste editorische von auf moderne pädagogisch-­methodische Kompetenzen der Akademie – eine äußerst fruchtbringende Verbindung – und eine äußerst angenehme dazu! 

    Auf viele weitere gemeinsame Projekte!





    Prof. Dr. Klaus K. Weigele, Landesakademie für die musizierende Jugend Baden-Württemberg
  • Godehard Weithoff & Prof. Dr. Meinrad Walter, Amt für Kirchenmusik Freiburg

    „Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, sagt Rick, gespielt von Humphrey Bogart, am Ende des berühmten Hollywoodklassikers „Casablanca“: Und auch die erste Zusammenarbeit zwischen dem Carus-Verlag und dem Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg 1992 am Freiburger Chorbuch war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Aber Freundschaften wollen ­gepflegt sein, und so haben Amt und Verlag acht weitere Editionen veröffentlicht – und ein Ende dieser Freundschaft ist noch nicht abzusehen.


    Godehard Weithoff & Prof. Dr. Meinrad Walter, Amt für Kirchenmusik Freiburg
  • Prof. Dr. Peter Wollny, Bach-Archiv Leipzig

    Mit Carus verbindet mich eine mehr als drei Jahrzehnte währende Zusammenarbeit. Mich hat stets erfreut, dass der Verlag sich jederzeit auch auf Projekte eingelassen hat, die abseits der vielbetretenen Pfade liegen. So konnte ich 1990 eine neu aufgefundene ­Motette von einem „Cugino Bach“ ­veröffent­lichen, 2002 Bachs Johannespassion in allen erhaltenen Fassungen, später kamen dann Werke aus Bachs ­Notenbibliothek und die W.-F.-Bach-Gesamtausgabe hinzu. Die umfassende Dokumentation des ­Schaffens der Bach-Familie ist eine verlegerische ­Meisterleistung.


    Prof. Dr. Peter Wollny, Bach-Archiv Leipzig
  • Richard Mailänder

    Noten kann man als Handelsobjekte betrachten wie die gesamte Musik. Und das ist für einen Verlag auch legitim. Was mir aber bereits bei der ersten Begegnung, zunächst mit Günter Graulich auffiel, war, dass dieser Mann zwar gerne publizierte und auch Geschäfte machen konnte, mehr aber noch: Er wusste genau, wovon z.B. wir als Chorleiter*innen sprachen, denn er war selber einer. Und er hat immer (und mit ihm auch all die Mitarbeiter*innen) weiter gesucht nach neuer Chormusik und nach menschenfreundlicher Musik. Es war nicht so das Bedürfnis, Werke der Avantgarde, die von Laienchören nicht singbar sind, zu publizieren, sondern sehr gute Musik aus alter und neuer Zeit für Chöre, ähnlich dem, welchen er selber wohl auch hatte.

    Und was dann die Editionen auszeichnete: das überaus freundliche und lesbare Notenbild – keine Selbstverständlichkeit. Als ich begonnen habe, selber als Herausgeber tätig zu werden, habe ich die Zuverlässigkeit des Verlages, aber auch seine Bereitschaft schon einmal ein Risiko einzugehen, schätzen gelernt.
    Großartig ist auch der Mut, Gesamtwerke zu edieren und das auf dem hohen Level. Vielfach erscheint mir Carus heute (mit?) der innovativste Musikverlag für Chormusik zumindest im deutschen Sprachraum v.a. für ambitionierte Laienchöre zu sein.
    Wie gut, dass es Euch gibt!

    Richard Mailänder