Schon 1980 kam Günter Graulich mit dem Plan einer Einspielung einiger
Chorwerke von Felix Mendelssohn auf mich zu, nachdem er den Kammerchor
Stuttgart in einem Konzert gehört hatte. Aus der Sicht dieser Jahre, in
denen Mendelssohn noch als der „wenig tiefgängige“ Komponist galt, zudem
auch in Kompositionen, die wegen ihrer typischen, zweidimensional
barocken wie romantischen Ausprägung nicht richtig erkannt und daher zu
schwülstig aufgeführt wurden: Was für ein Wagnis! Aber zugleich: Wind in
das Feuer meiner Mendelssohn-Begeisterung, die anfangs der 70er gegen
den Zeitstrom ihren Ursprung hat. Nach und nach erarbeiteten Günters
Editionsleitung und unsere Aufnahmen dieses Vokalwerk, aber erst kurz
vor Mendelssohn 200. Geburtstag wurden Gesamtedition und -aufnahme
beschlossen, die oft Hand in Hand gingen. So bleibt zu konstatieren:
Gut, dass Günter Graulich seinem verlegerischen Instinkt gefolgt ist,
was wären wir heute ohne diese Musik!