Ochsenhauser Orgelbuch. Harmonia Organica

Beschreibung

Nahezu 270 Jahre nach seiner Entstehung wird der Musikwelt erstmals das Ochsenhauser Orgelbuch, eine einzigartige Sammlung süddeutscher Orgelmusik mit wunderschönen Kolorierungen, in einer hochwertigen Edition zur Verfügung gestellt. Die bibliophile Ausgabe besteht aus einem exzellenten Faksimile des an der Yale University in New Haven (USA) aufbewahrten Originals und aus einer quellenkritischen Erstausgabe im repräsentativen Schuber. Die Herausgeber, Michael Gerhard Kaufmann und Klaus Konrad Weigele, machen hiermit erstmals eine der bedeutendsten Quellen für die historische Aufführungspraxis allgemein zugänglich: Ein Schlüsselwerk zum Verständnis der Klangwelt der oberschwäbischen Barockorgeln.

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24.409/00
88 Seiten, DIN A4, Hardcover
EUR166,00 / St.
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Produktinformation

Inhalt

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Herausgeber

Klaus Konrad Weigele zur Person
Michael Gerhard Kaufmann zur Person

Rezensionen

Ochsenhausener Orgelbuch

Für alle Interessierten an süddeutscher Orgelmusik des 18. Jahrhunderts aber ist die „Harmonia organica“ eine einzigartige Quelle zur Registrierpraxis der Zeit. Hier kann man lernen, welche Register gut zueinander passen und sogar wie man das Glockenspiel der Ochsenhauser Orgel am besten handhabt.
Die Edition gliedert sich in zwei Teile: Der Faksimileband gibt die Handschrift, die sich heute in der zur Yale University gehörenden Irving S. Gilmore Music Library befindet, leicht verkleinert in hervorragender Qualität wieder. Im Notenband finden sich Transkriptionen aller im Orgelbuch enthaltenen Musikstücke, ein Vergleich der beiden Orgeldispositionen aus der „Harmonia organica“ mit anderen durch Quellen belegten Dispositionen des Ochsenhauser Instruments, eine Wiedergabe aller deutschen sowie der lateinischen Texte nebst deutscher Übersetzung, der Kritische Bericht und eine umfangreiche Einführung Kaufmanns in die Materie neben einer Kurzfassung derselben in Englisch. Der sorgfältig gemachte Band enthält also alles, was man dort zu finden hofft.
Die anonymen Kompositionen sind qualitätvolle, unterhaltsame Petitessen, die vor allem darüber Auskunft geben, mit welcher Farbigkeit und wie viel guter Laune man in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Ochsenhausen das große Werk Joseph Gablers traktierte.

Michael Gassmann
Quelle: PHONO FORUM  01/05

 

Die "Harmonia Organica" geriet während langer Jahrzehnte im Privatbesitz diverser deutscher und italienischer Eigentümer in Vergessenheit, bevor die Yale University sie im Jahr 1964 von einem Mailänder Antiquariat erstand - und nun für das Projekt eines Faksimiledrucks zur Verfügung stellte: zum Abschluss der Restaurierung der Gabler-Orgel Ochsenhausen haben die heute im Kloster beheimatete Landesakademie Baden-Württemberg und der Carus-Verlag Stuttgart das Ochsenhauser Orgelbuch nun in einer wunderschönen Faksimileausgabe wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - ein bibliophiles Schmuckstück! Dem aufwändig gestalteten Faksimileband liegt außerdem eine Übertragung des Werks in moderne Schrift und Notation bei, herausgegeben und mit quellenkritischen Anmerkungen versehen von Michael Gerhard Kaufmann. Eine Freude für den Liebhaber bibliophiler Ausgaben und ein interessantes Stück Musikhistorie!

Andrea Braun
Quelle: TOCCATA  17/2005

 

[Jg] Das handgeschriebene „Ochsenhauser Orgelbuch“ von 1735 versteht sich als Gebrauchsanweisung für die Orgel im Kloster Ochsenhausen, die Joseph Gabler zwischen 1728 und 1734 erbaut hat. Diese monumentale Orgel war der Beweggrund für einen unbekannten Mönch, eine Sammlung von Orgelmusik samt Registrieranweisungen ins Reine zu schreiben. Der Carus-Verlag hat nun diese Rarität in einer vorzüglichen Faksimile-Edition samt quellenkritischer Neuausgabe verlegt.
Der Bücherfreund wird unmittelbar durch die hervorragende Qualität des Faksimiles angesprochen; auch von außen erweckt das Buch den Anschein eines alten Bandes. Die Registrieranweisungen sind mit wunderschönen farbigen Bildern des Spieltisches versehen. Aufbau und Inhalt der ‚Harmonia Organica‘ zeigen den unbekannten Verfasser als geschickten Pädagogen, der eine originelle Orgelschule verfasst hat: im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich und begreiflich.
Über vierzig Charakterstücke im galanten Stil, die auch für den Anfänger interessant sein dürften, warten darauf, entdeckt und gespielt zu werden. Sie sind Beispiele für register-idiomatisches Spiel, denn an ihnen soll die Kunst der Improvisation und Veränderung studiert werden. Diese Veröffentlichung ist eine bedeutende Quelle für die organistische Aufführungspraxis des frühen 18. Jahrhunderts und für den Liebhaber schöner Bücher ein origineller Schatz.

Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen 5/05, S.57

Die Edition gliedert sich in zwei Teile: Der Faksimileband (I) gibt die Handschrift - geringfügig verkleinert - in bester drucktechnischer Qualität wieder. Im Notenband (II) finden sich Umschriften aller im „Orgelbuch“ enthaltenen Musikstücke, allesamt liebenswürdig-kurzweilige Miniaturen, ein Vergleich der beiden Orgeldispositionen aus der Harmonia Organica mit sonstigen historischen Dispositionsplänen von Ochsenhausen sowie sämtliche deutschen wie auch lateinischen Texte (nebst deutscher Übersetzung). Der barocke Autor exemplifiziert das zuvor theoretisch Dargelegte anschaulich in 44 (anonymen) Stück(ch)en, die passgenau auf die registriertechnisch-klanglichen Möglichkeiten des Ochsenhausener Gabler-Werks justiert sind. Erstaunen mag angesichts des durch und durch geistlich-katholischen Umfelds die Tatsache, dass lediglich ein (!) einziges dieser Notenexempel explizit ein geistliches Genus vertritt (Veni Sancte Spiritus). Die übrigen, im empfindsam-galanten Stil der aufbrechenden Rokokozeit gehaltenen, teilweise nicht vollständig bis ans Ende auskomponierten, sondern lediglich modellhaft skizzierten Opuscula werden nach Tänzen (Gavotte, Allemande, Sarabande . . .) und/oder den ihnen zugewiesenen Orgelregistern (Flaschinette, Flauto-Dus, Sonaglion etc.) betitelt - ein deutlicher Beleg dafür, wie „liberal“ und unbeschwert-heiter an den oberschwäbischen Klöstern seinerzeit mit (Orgel-)Musik umgegangen wurde. Zur weiteren instruktiven Belehrung des Benutzers wurden exemplarisch für 19 dieser Stücke schematische Skizzen des Orgelspieltischs mit den entsprechend kolorierten Registerstaffeln beigegeben. Der Autor zeigt die im Einzelfall zu verwendenden Manuale, Registermischungen und Koppeln.
Der zudem in einer kurzen englischen Zusammenfassung vorliegende Kritische Bericht nebst einer gründlichen Einführung aus der Feder Michael G. Kaufmanns verbürgen über den unstreitigen praktischen Nutzen hinaus auch den wissenschaftlichen Wert dieser Edition: eine singuläre Darstellung und - nicht zuletzt ihrer Vollständigkeit wegen - hochkarätige Quelle für die theoretischen wie aufführungspraktischen Voraussetzungen des spätbarocken Orgelspiels im katholischen Oberschwaben um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Termingerecht zum großen Restaurierungsfinale der umfassenden denkmalgerechten Restaurierung von 2001-04 durch die Werkstätten Johannes Klais (Bonn) und Th. Kuhn (Männedorf/Schweiz) haben die heute in der Ochsenhausener Benediktinerabtei beheimatete Landesmusikakademie Baden-Württemberg und der Carus-Verlag Stuttgart das „Ochsenhauser Orgelbuch“ in einer editorisch vorzüglichen und zugleich vorbildlichen Faksimileausgabe als bibliofile Prachtausgabe herausgegeben.
Im Rahmen der Frankfurter Musikmesse wurde die ambitionierte quellenkritische Erstausgabe im Frühjahr - verdientermaßen - mit dem Deutschen Musikeditionspreis als „Best Edition 2005“ ausgezeichnet. Die Begründung der Jury lautete: „Mit dieser Veröffentlichung wird eine prachtvolle alte Handschrift für die Musikpraxis als Faksimile und in der Übertragung in hoher Qualität und großer Schönheit zur Verfügung gestellt.“

Wolfram Adolph
Quelle: organ  2/05, S.60

Ochsenhauser Orgelbuch. Harmonia Organica.

This is one of the most spectacular publications ever reviewed in OY: a first-class, full-. coloured facsimile of a unique volume (now in the Yale University Library), accompanied by complete transcription and first-class notes full of relevant detail. The facsimile is reduced about 10%, but even includes the stamped leather binding. While most of the music is in itself of negligible quality, the volume gives some idea of what might have been so often played on the great baroque organs of Bavaria and Swabia: homely, picturesque music meant surely to appeal to the local populace rather than to the learned monks of a Benedictine abbey. But if the book were prepared for the monastery by one of its brothers, as is probably the case, they too would have enjoyed its display of the stops on their splendid new four-rnanual west-end organ. For the office, they had their own quire organ(s) above the stalls, discreet liturgical equipment not crowd-pleasers.
Gabler‘s west-end organ at Ochsenhausen, re-restored a few years ago, does have a huge palette of sound corresponding to its array of baroque colour, as well as a definite sense of baroque fun (an ox creeps out of its little house above the Rückpositiv). Here in this volume, assembled in 1735 between various periods of further work on the instrument, is a collection of pieces for it. They are luxuriously and generously written out by a practised scribe on hand-drawn staves over some 150 pages, coloured (with rubrics literally in red) and — the unique feature — with each piece or sets of pieces headed by a picture of the four manuals, brightly colured, showing the stops to be drawn, the manuals to be used, and the hands (rather podgy) hovering above them. Such a keyboard-layout was unique at the time, unknown in this part of the world, and would have benefitted from such a MS lodged in the library, copied by whoever wanted to, and used on the desk of the new console. This last followed only from Gabler‘s further work after 1750, but even for the scribe/inventor of the MS, the original keyboards and tiered stop-knobs were no doubt as exciting to look at as they were in need of practical advice. The little attention it pays to the big pedal department suggests the reader was expected to be no great expert.
Although the English translation of the introduction is shortened and requires some editing, it supplies the necessary information concerning Gabler, the organ, its outline history, and the MS itself. (lt seeme that the MS was first brought to the wider attention by Wilhelm Krumbach, the leading light in exposing another Yale MS more than twenty years ago: the so-called Neumeister Chorales of Bach.) A table of the stoplists from c1728, 1733-34, 1751-55 and 2004 clarifies details in the MS, and both critical and reference notes are informative and thorough. Transcriptions consist of not only of the music but the original prefaces, in which the author-scribe admits that his music, for demonstration purposes, is in the ‘simplest style‘ and hopes the fugues at the end will be acceptable.
In fact, the fugues are no more worthy than the rest, although they do suggest that such organists were familiar with italianate partimento practices. Much in the forty or so pieces is written on one stave only, in many cases surely inviting at least a basso continuo to be added (improvised? written in later?), which in the transcription is rather disguised by the editor‘s decision to add rests. The many fanciful titles of these often modest pieces hint at the suggestiveness to which listeners often do respond: a Postilion here, a Gavotte there, or movements named after organ stops (Cornua, Tintinnabl). Various topics of the time can be discerned (pastorales, march, echo) though not to any subtle depth (thus the Lamento is a minuet). The opening piece for plenum and pedal apparently used almost every non-toy stop of the organ, with which the uncertain wind of the 1728 organ can not easily have coped. Whether the compiler was the composer or drew on work by others is unknown, but a sign that somebody had had considerable musical training is the handling of binary form in many movements, which is by no means inferior to a good deal of other music of the 1730s. As for the general idiom: for 1735, this music is strikingly emptyheaded, again suggesting that the lightest Italian idioms were already familiar in such monasteries. Interestingly, the most pretentious music shows a pronounced fondness for diminished 7ths - on paper, a poor effect but one that would nevertheles have gripped unlettered audiences of the time and gave support to many a piece of organ music from later in the century, including perhaps BWV 565.
Carus is to be warmly congratulated on the enterprise of (and pursuit of financial support for) this unusual and fascinating volume - a fine addition to their inventive list and deserving success.

Quelle: The Organ Yearbook 2006

 

(gk) Im Vorwort bezeichnet der Herausgeber das Ochsenhausener Orgelbuch als „Schlüsselwerk zum Verständnis der Klangwelt der süddeutschen Barockorgeln in ihrer speziellen oberschwäbischen Gestalt". Hehre Worte mithin, aber zuviel versprochen ist dies nicht. In der Tat ist das Ochsenhausener Orgelbuch mit seiner prächtigen Ausstattung und seiner Vollständigkeit ein wichtiges Zeugnis barocker Spiel- und Registrierkunst. Die luxuriös aufgemachte Ausgabe ist ein wahrer Prachtband. [...] Praktiker und Philologen kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten, dies zumal die Edition nach allen Gesichtspunkten als geglückt betrachtet werden kann.

Quelle: Musica Sacra, Heft 1/2006, S. 56

 

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