Januar 2015

LieblingsStück im Januar 2015

 

 

Jeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im Januar 2015 kommt von Maria Groß.


 

Wolfgang Amadeus Mozart, Messe in c-Moll KV 427

Unter Mozarts Messvertonungen, für welche ich schon immer geschwärmt habe, zählt für mich die Messe in c-Moll KV 427 zu den beeindruckendsten: Die leider unvollständige Messe haben wir keinem Kompositionsauftrag durch einen Fürsten oder sonstigen prominenten "Kunden" zu verdanken: Vielmehr gelobte Mozart eine Messe zu schreiben, wenn es ihm gelänge, seine bekannte Constanze Weber zu heiraten. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass das Sopran-Solo (war die zukünftige Constanze Mozart doch Sopranistin) in dieser Messe einen sehr großen, oft schon opernarienhaft (zum Beispiel im ,,Et incarnatus est“) anmutenden Part inne hat.

 

Schon der Beginn des Kyries fesselt mich: Dieser minimalistische, an einen Trauermarsch erinnernde Charakter der sich in die Höhe schraubenden Melodie der Geigen bis hin zum Einsatz der Soprane und der so entstehende Spannungsbogen bis zum Einsatz des Sopran-Solos: Hier wechselt die Tonart in ein strahlendes Es-Dur und bildet ein tröstlichen Gegensatz zum bisherigen Moll.

 

Ein weiterer Teil der Messe, der zu meinen Lieblingsstücken gehört, ist das ,,Quoniam“. Besonders gefällt mir hier die in Takt 82 beginnende synkopische Figur und die Verwebung der drei Solostimmen (SST), wobei jeder Solist sowohl in begleitender Funktion als auch im Vordergrund agiert. Der für Mozart so typische Schluss dieses Satzes mit einzeln gesungenen Silben des ,,Altissimus“ rundet das Stück wunderbar ab.

 

Warum diese wundervolle und ausgesprochen ambitionierte Ordinariums-Vertonung nie von Mozart vollendet wurde, ist bis heute nicht geklärt. Es könnte mit der Geburt seines ersten Sohnes Raimund Leopold 1783 sowie dessen vorzeitigem Tod (das Kind starb nach nicht einmal zwei Monaten) zu tun haben. Ein familiärer Hintergrund wäre bei der ursprünglichen Intention dieser Messe durchaus denkbar.

 

Wie sehr die Musikwelt sich eine vollständige c-Moll-Messe wünscht, kann man an den zahlreichen Rekonstruktionen ablesen. Bei Carus sind zwei verschiedene Fassungen erhältlich: Nach seiner Rekonstruktion von Mozarts Requiem, hat der Amerikanische Musikwissenschaftler und Konzertpianist Robert D. Levin auch die c-Moll-Messe in einer vielbeachteten Vervollständigung vorgelegt. Mit ihr ist erstmals eine abendfüllende Darbietung des gesamten ordinarium missae möglich. (Natürlich kann man aber auch nur den Torso mit dieser Ausgabe aufführen.) Außerdem gibt es bei Carus noch die Fassung von Richard Maunder, der Holz- und Blechblasinstrumente im Credo ergänzte. Für welche Fassung auch immer man sich entscheidet: Diese Messe ist für Mozart-Freunde ein absolutes Muss!

 


 

Maria Groß studiert Angewandte Musikwissenschaft und Musikpädagogik und absolvierte im Wintersemester 2014/15 bei Carus ihr Praxissemester. Privat hat sie schon in diversen Chören gesungen, so auch im hauseigenen Carus-Vokalensemble.

 

Wolfgang Amadeus Mozart: Missa in c

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