August 2018

Lieblingsstück im August 2018

Jeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im August 2018 kommt von Elizabeth Robinson.

Homilius und das Vocal Concert Dresden


Bei meiner Arbeit am Projekt Hofmeister XIX lernte ich in Leipzig zufällig den Musikwissenschaftler und Sänger Christoph Koop kennen, der mich dem Vocal Concert Dresden und dessen energiegeladenem Dirigenten Peter Kopp vorstellte. Wie jedem, der in der englischen Chortradition aufgewachsen ist, hätte man auch mir damals zu Recht vorwerfen können, Chormusik zu sehr mit den Augen der Inselbewohnerin zu betrachten. Daher hat mich der kulturelle Reichtum des barocken Sachsen geradezu umgehauen. Ich war völlig fasziniert von Komponisten, von denen ich bis dato nie gehört hatte, und absolut überwältigt von architektonischen Schätzen wie dem Schlingrippengewölbe in der Dresdner Schlosskapelle, das auf den Britischen Inseln vergeblich seinesgleichen sucht.

 

Meine Zufallsbegegnung mit dem Vocal Concert Dresden führte mich dann 2011 auf eine 600 km lange Reise im Schlafwagen vom Berliner Hauptbahnhof nach Königsberg (ins heutige Kaliningrad), da das Ensemble im dortigen Dom seine CD mit dem Titel Preussische Festlieder vorstellte. Dieses Konzert bildete den Höhepunkt eines Projekts mit Aufnahmen von Eccard und Stobaeus anlässlich des 400. Todestags von Johannes Eccard. Die einzelnen Stücke reichen von einfachen strophisch angelegten (für Kirchengemeinden singbaren) Sätzen bis hin zu doppelchörigen Werken. Am wohl bekanntesten (für deutsche Chöre) ist Übers Gebirg Maria geht, doch insgesamt sind die Stücke sehr vielfältig, mit einigen wirklich eingängigen Nummern, die absolut hörenswert sind, wie das Pfingstlied Der Heilig Geist vom Himmel kam oder Maria, das Jungfräuelein. Dies war für mich also im wahrsten Sinne des Wortes eine Reise „von Preußen nach Russland“ und ein Einblick in den kulturellen Reichtum, den es dort einst gab.

Eine andere CD vom Vocal Concert Dresden, die ich sehr gerne höre, ist der Musik von Gottfried August Homilius gewidmet und trägt den Titel Weihnachten in der Dresdner Frauenkirche. Homilius (1714-1785) war ab 1742 Organist an der Frauenkirche und ab 1755 Kantor an der Kreuzkirche. Er schrieb 180 Kirchenkantaten und über 60 Motetten. Seine Musik, die der Vorklassik zugerechnet wird, war zu seiner Zeit hoch angesehen und in ganz Europa weit verbreitet, geriet im 19. Jahrhundert jedoch in Vergessenheit. Carus hat durch seine Veröffentlichungen und CDs viel für die Wiederentdeckung der Werke von Homilius getan. Auf dieser CD sind vier fröhliche, brillant klingende Kantaten für die Adventszeit, Weihnachten und Neujahr zu hören, die ursprünglich für Aufführungen in der Frauenkirche komponiert wurden. Eine davon ist für Doppelchor, die anderen drei sind für vierstimmigen Chor. Alle vier Kantaten sind Ersteinspielungen mit großartigen Chorpartien, Solo-Arien, Rezitativen und triumphierendem Orchesterklang mit Pauken und Trompeten. Ein hoher Tag kömmt, geschrieben für den ersten Weihnachtstag, macht sowohl beim Singen als auch beim Zuhören Spaß und enthält die wunderschöne Sopran-Arie Ich singe seinen Namen, in deren Lob der Chor am Ende mit einstimmt. Sie wirkt so belebend! Der Schlusschoral basiert auf Vom Himmel Hoch. Diese Musik hat meiner Ansicht nach eine viel größere Bekanntheit verdient. Sie ist auch für einen guten Chor machbar, der bei einem Weihnachtskonzert oder einer Aufführung in einer Kirche mal etwas Anderes singen möchte.

 

 

 

 



 

Elizabeth Robinson lebt als freiberufliche Übersetzerin in London und hat sich auf Musikveröffentlichungen und Kunst spezialisiert. Sie war Projektmanagerin beim Projekt Hofmeister XIX, dem großen Katalog für gedruckte Musikalien im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts.

Johannes Eccard: Preussische Festlieder

Mit der Herausgabe der Preussischen Festlieder 1642 (Erster Theil) und 1644 (Ander Theil) setzte der brandenburgisch-preußische Hofkapellmeister Johannes Stobæus sich selbst und seinem Lehrer...

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