Dezember 2015

LieblingsStück im Dezember 2015

uw Jeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im Dezember 2015 kommt von Dr. Uwe Wolf.

 

Heinrich Schütz: „Saul, Saul, was verfolgst du mich" SWV 415

Kaum ein Stück hat in meiner Jugend einen so tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, wie der „Saul“ von Heinrich Schütz, den ich vielleicht mit 14 oder 15 als noch frischer Bass zum ersten Mal gesungen habe. Und noch heute zieht mich das Stück in seinen Bann: Wenn gegen Ende der Tenor mit seinen stufenweise ansteigenden „Saul“-Rufen aus dem Tutti hervortritt, ist Gänsehaut unvermeidlich (und ich muss an Händel denken!). Nicht zufällig nimmt der „Saul“ eine herausragende Stellung in der Schütz-Rezeption ein: Carl von Winterfeld veröffentlichte die Komposition bereits 1834 im Notenteil seines Gabrieli-Buches, was etliche Aufführungen im 19. Jahrhundert nach sich zog, u.a. 1864 durch Johannes Brahms. Schützens „Saul“ wurde damit zu einem Ausgangspunkt der Wiederentdeckung des Komponisten und gehört bis heute – zu Recht – zu seinen bekanntesten Kompositionen.

Doch der „Saul“ steht nicht allein, ist Teil des 3. Teils der "Symphoniae Sacrae": Einer wahren Fundgrube großartiger geistlicher Konzerte, oft mit hohem „Chorfaktor“ und immer Musik, „die unter die Haut geht“. Gerade erschienen sind die Symphoniae Sacrae III in der Gesamteinspielung des Dresdner Kammerchores unter Hans-Christoph Rademann, die noch einmal vor Ohren führt, was für einen Schatz Schütz hier geschaffen hat. Das Hören (nicht nur) des „Saul“ in dieser famosen Einspielung gab mir den Anstoß zu diesem kleinen Artikel; wenn ich einen Chor hätte, hätte ich stattdessen viel lieber gleich die Noten ausgeteilt...

 


 

Dr. Uwe Wolf leitet seit Oktober 2011 das Lektorat des Carus-Verlages. Zuvor war er 20 Jahre in der Bachforschung tätig. Seiner Arbeit als Editionsleiter der Ausgewählten Werke verdanken wir auch, dass Gottfried August Homilius heute nicht mehr zu den unbekannten Komponisten zählt.