Januar 2017

Lieblingsstück im Januar 2017

psJeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im Januar 2017 kommt von Anna Bockisch.

Mendelssohn Bartholdy: Die gesamte geistliche Musik für Chor und Orchester


Normalerweise stellt hier ein Mitarbeiter sein persönliches Lieblingsstück vor. Doch bei mir – wie wahrscheinlich auch bei vielen anderen – wechselt dies je nach Stimmung häufiger mal. Anders dagegen liegt die Sache bei meinem Lieblings komponisten : Felix Mendelssohn Bartholdy.

Wir reden hier über eine lange Liebesgeschichte: Schon in meiner Jugend entdeckte ich Mendelssohn für mich, damals noch eher über die Instrumentalmusik wie die „Lieder ohne Worte“ oder auch die Sinfonien. Früh stand für mich fest: Wenn ich einen Lieblingskomponisten benennen muss, dann ist es dieser – und das, obwohl ich sonst die Barockmusik der Klassik und Romantik gegenüber vorziehe. Ob dies nun allein an Mendelssohns spezieller Stellung als Komponist „zwischen Klassik und Romantik“ liegen mag oder nicht, irgendetwas an seinem elegantem Musikstil geht mir direkt unter die Haut, spricht mich zutiefst berührend an. So konnte ich auch das früher häufig geäußerte Vorurteil, Mendelssohns Musik sei nicht tiefgründig genug, niemals nachvollziehen. Vielleicht war diese, heute zum Glück nur noch selten geäußerte Ansicht wirklich nur das Resultat dessen, dass sich Mendelssohn als gebildeter, ökonomisch privilegierter Kosmopolit nicht in das idealisierte Bild des „verkannten Genies“ pressen ließ.

Begann meine Liebe zu Mendelssohn mit der Entdeckung seiner Instrumentalmusik, so war es endgültig um mich geschehen, als ich dann später seine Chormusik für mich entdeckte. Als aktive Chorsängerin bekomme ich immer noch eine Gänsehaut bei dem berühmten „Denn er hat seinen Engeln“ und freue mich jedes Mal, wenn wir im „Jauchzet dem Herrn“ endlich zur wunderschönen „Vorhöfen“-Stelle gelange – und das, obwohl ich beide Stücke schon so unzählige Male im Chor gesungen habe.

Obwohl ich wegen meiner Vorliebe für eher kleinere Kammerchöre die großen Chorwerke mit Orchesterbegleitung noch nicht selbst gesungen habe, liebe ich diese Musik doch besonders. Nicht nur die beiden Oratorien „Elias“ und „Paulus“ (letzteres vor allem auch wegen seiner großartigen Ouvertüre!) beeindrucken mich immer wieder aufs Neue, vor allem aber auch die Psalmkantate zum 42. Psalm „Wie der Hirsch schreit“ – neben den drei A-cappella-Psalmen op. 78 vielleicht mein tatsächliches „Lieblingsstück“ aus dem Mendelssohnschen Œuvre (damit teile ich die Meinung des Komponisten selbst, der sein op. 42 schließlich als eines seiner gelungensten Werke einschätzte).

Auch meinem CD- und Notenregal kann man meine Mendelssohn-Liebe ansehen: Neben u.a. sämtlichen Bernius-Aufnahme des Geistlichen Chorwerks hat mich vor allem der Schuber mit der gesamten geistlichen Musik für Chor und Orchester (Carus 40.900) am Ende meiner Studienzeit treu durch meine Abschlussprüfungsvorbereitung begleitet.

 

 

 



 

 

Anna Bockisch arbeitet seit 2010 beim CD-Label des Carus-Verlags und ist selbst begeisterte Chorsängerin.