Juli 2017

Lieblingsstück im Juli 2017

psJeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im Juli 2017 kommt von Daniel Ivo de Oliveira.

Mozart: Missa in c KV 427

Als Cembalist gibt es für mich einige Stücke, die zu spielen und zu hören ich nie müde werde. Wenn ich also gefragt werde, was mein Lieblingsstück ist, so gibt es mehr als eine Antwort.

Als der Carus-Verlag mich um die Erstellung der Basso Continuo Stimme von Mozarts Missa in c (KV 427), vervollständigt und herausgegeben von Frieder Bernius und Uwe Wolf, bat, kam ich in Kontakt mit einem Musikstil, der neu für mich war. Cembalisten haben selten direkten Kontakt mit Musik der klassischen Epoche. Zu dieser Zeit kannte ich die Missa in c nur vom Namen her, sodass ich zunächst eine Aufnahme anhörte, um einen Überblick über das gesamte Werk zu bekommen, bevor ich mit dem Projekt begann. Nachdem ich das Werk einige Male gehört hatte, war ich fasziniert von Mozarts exquisiter Musik und ich freute mich darauf, an einem so interessanten Projekt mitzuarbeiten.

Es ist fast unmöglich, über die Missa in c zu sprechen, ohne einige der musikalischen Sätze einzeln zu erwähnen. In der gesamten Missa gibt es drei Sätze, die mir den Atem raubten: Erstens das Kyrie wegen seines Themas, seinen verschachtelten Harmonien, wegen des Eingangschors und der verwendeten Instrumentierung in diesem Satz. Es ist außerdem bemerkenswert, wie sich die Farbe und die Atmosphäre mit dem Sopransolo im Mittelteil des Satzes verändern, bevor Mozart zum Hauptthema zurückkehrt. Zweitens das Qui tollis wegen des starken Affekts, der Text und Musik verbindet, und wegen des konstanten punktierten Rhythmus im Orchester, gefolgt von großartigen Modulationen und komplexen chromatischen Harmonienfolgen. Et incarnatus est ist für mich die vorzüglichste Aria der gesamten Messe. Mich beeindruckt der große Ambitus der Melodie des Sopransolos (etwas, das auch in den anderen Sopransoli des Werks sichtbar ist), die feinfühlige Instrumentierung und die schönste und ausdruckstärkste ausnotierte Kadenz, die ich jemals gehört habe.

Wenn Sie dieses Meisterwerk noch nicht kennen, dann sollten Sie sich die Aufnahme mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart anhören. Ich hoffe, es wird auch für Sie ein atemberaubendes (Hör-)Erlebnis mit Mozarts Missa in c!

 

 

 



 

 

 

Daniel Ivo de Oliveira absolvierte den Bachelor-Studiengang Historische Tasteninstrumente am Koninklijk Conservatorium Den Haag und die Master-Studiengänge Historische Tasteninstrumente und Generalbaß an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit 2016 arbeitet er als Basso continuo-Aussetzer und Klavierauszugsbearbeiter für Carus.

 

 

 

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