Oktober 2019

Lieblingsstück im Oktober 2019

Jeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter, Herausgeber oder Partner eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im Oktober 2019 kommt von Cornelius Hauptmann.

 

Hugo Wolf: Verborgenheit in einer Fassung für Chor SSATB

 

Die Frage nach dem Lieblingslied des Monats hat ihre Tücken! Ist es nun "Denn er hat seinen Engeln" von Mendelssohn mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart? Oder "Der Mond ist aufgegangen" aus dem LIEDERPROJEKT mit Christoph Prégardien? Oder womöglich ein Lied mit dem Calmus-Ensemble? Oder dieses oder jenes?

 

Nun gut, ich habe mich entschieden: Vor wenigen Wochen hörte ich zum ersten Mal die CD "Kennst Du das Land..." mit einem frisch-jugendlichen Kammerchor namens figure humaine aus Stuttgart unter der Leitung von Denis Rouger. Diesen Chor durfte ich auch am Karfreitag dieses Jahres mit einem meiner Lieblingslieder, nämlich "Cantique de Jean Racine" von Gabriel Fauré, in Stuttgart hören. Wunderbar! Und nun habe ich hier eine CD mit neun Liedern von Fauré, mit weiteren Liedern von Duparc, Gounod, Debussy, Hensel, Cornelius, Schumann und Wolf.

 

Große Überraschung: Hugo Wolfs Lied "Verborgenheit"! Es ist ja aus seinem Liederzyklus "Mörike-Lieder" für Bariton und Klavier, hier nun aber mit 5-stimmigem Chor in einer Bearbeitung des Dirigenten Denis Rouger, sensibel am Klavier begleitet von Katharina Schlenker. Ich hege den leisen Verdacht, dass mir diese Chorversion fast besser gefällt als das Sololied. Und schon ertappe ich mich dabei, dass ich anfange mit zu summen. Dieser Versuchung unterliege ich auch bei so manchem Lied von Fauré ("Lydia", "Après un rêve") oder Debussy (Beau soir, Romance). Doch Schweigen und Lauschen sind angesagt und das Genießen großartigen Farbenreichtums und filigraner Dynamik eines Chores aus der Abteilung "Edelklang".

 

Und ein verstohlenes Lächeln schleicht sich mir ins Gesicht, wenn ich die Gesangssolistin Hannah Gries (Sopran) höre, mit deren Mutter Alison Browner (Mezzosopran) ich so manches Konzert bestritt, und wenn ich der zweiten Pianistin der CD, Julia Kammerlander, lausche, deren Papa Karl-Peter Kammerlander ich bei vielen Liederabenden als Klavierbegleiter an meiner Seite hatte. Da lagen Julia und Hannah noch in der Wiege und bekamen ihre musikalische Begabung in dieselbe gelegt.

 

So. Ich ende nun. Und ich lege gleich die CD nochmal auf und lasse mich von himmlischen Klängen in eine Traumwelt entführen. Ohne mit zu summen.

 

 



 

Cornelius Hauptmann ist als Konzert- und Opernsänger im In- und Ausland unterwegs. Seine besondere Liebe gilt dem deutschen Lied. Er ist Initiator des LIEDERPROJEKTs, einem Benefizprojekt für das Singen mit Kindern, das 2019 auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblickt.

 

Hugo Wolf: Verborgenheit

Hugo Wolf schrieb über 250 Lieder auf Texte der größten Dichter seiner Zeit. Zu den bekanntesten zählt „Verborgenheit“ Es entfaltet durch die Bearbeitung Denis Rougers eine eigene...

Partitur, Einzelausgabe zu CD