September 2018

Lieblingsstück im September 2018

Jeden Monat stellt Ihnen ein Carus-Mitarbeiter eines seiner Lieblingsstücke vor, sei es eine Choredition, eine CD-Aufnahme, ein Liederbuch oder eine Orgelausgabe. Der Beitrag im September 2018 kommt von Julia Rosemeyer.

 

Händel: Dixit Dominus



Zum Jubiläumskonzert im Kammerchor haben wir uns dieses Jahr ein Programm mit Orchester gegönnt, G.F. Händels Dixit Dominus und die Nelsonmesse von Joseph Haydn. Schnell war meine Begeisterung für die Psalmvertonung des jungen Händel entfacht. Der Alt beginnt: „Dixit, dixit Dominus Domino meo.“ Was anfangs wie unüberwindliche Zungenbrecher rasch aufeinander folgender Wortbestandteile anmutet, bekommt schon bald einen unvergleichlichen Reiz und man merkt: genau so muss es sein. Jedes Motiv ist vom Text geleitet, jede Silbe sitzt an der richtigen Stelle. Die häufigen Textwiederholungen – rund 30 Minuten Musik kommen mit einem guten Dutzend Verse aus – zerlegen den Psalm förmlich in seine Bestandteile. Fand ich den eher martialischen Text bislang schwer zugänglich, bekommen Begriffe wie „confregit“ (er wird zerschmettern) oder „conquassabit“ (er wird zerschlagen) nun eine ganz eigene Qualität.

 

Was ich an Händels Musik besonders mag, ist die Vielfalt der Stimmkombinationen in den polyphonen Passagen, die Präsenz des Rhythmus und die auch für Mittelstimmen nie undankbare Stimmführung. Sind erstmal alle Hemiolen ausfindig gemacht und die Themen sauber gelernt, erschließt sich die formale Struktur fast von allein. Ein Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht war für mich die Doppelfuge „Tu es sacerdos in aeternum / secundum ordinem Melchisedech“. Zu meinen Lieblingsstellen gehört die unmittelbare Wucht des homophonen Choreinsatzes in „Juravit Dominus“, und das nur vom Männerchor begleitete Sopranduett „De torrente in via bibet“, das die Vorhaltsdissonanzen genüsslich auskostet.
Zum Üben habe ich erstmals nicht allein auf meine klavieristischen Fähigkeiten vertraut und die Vorzüge einer digitalen Übehilfe zu schätzen gelernt (der Slow-Modus ist angesichts der durchweg schnellen Tempi allerdings ein Muss).



Lieblingsstücke hängen immer auch ein bisschen vom Moment ab, finde ich, und derzeit habe ich (m)eines gefunden!

 

 

 

 



 

Julia Rosemeyer ist seit 2006 Lektorin im Carus-Verlag und betreut vor allem kritische Editionen. In ihrer Freizeit singt die stellvertretende Chef-Lektorin gerne a cappella, zuletzt u.a. Werke von Brahms, Reger, Monteverdi und Zeitgenössisches.

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