Paul Gerhardt Jubiläum

Zum 350. Todesjahr Paul Gerhardts

Das große Jubiläum eines der bedeutendsten evangelischen Liederdichter lädt in diesem Jahr dazu ein, dessen vertontes Erbe neu zu entdecken. Seine Texte verbinden tiefe persönliche Frömmigkeit und theologische Präzision mit volksnaher Poesie und haben über Jahrhunderte hinweg Generationen begleitet. Die folgenden Empfehlungen bieten sich besonders an, dessen Jubiläum in diesem Jahr auf vielfältige Art und Weise zu würdigen:

  • Johann Sebastian Bach: „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“ BWV 92 (1725)

    Die Choralkantate zum Sonntag Septuagesimae basiert in zentralen Sätzen auf Paul Gerhardts gleichnamigem Lied und beleuchtet dessen Strophen außerordentlich abwechslungsreich. Die 30-minütige Kantate bildet einen wunderbaren Ausgangspunkt für ein Paul-Gerhardt-Konzertprogramm und bietet sich hervorragend für ihren vornehmsten Platz im Gottesdienst an. Als Choralkantate ist sie auch sehr gut für Mitsingprojekte geeignet: Das Publikum oder die Gemeinde können beispielsweise den cantus firmus der Choralfantasie und die Choralmelodie im 2., 4., 7. und 9. Satz mitsingen, wo diese kunstvoll mit rezitativischen oder instrumentalen Zwischenspielen verwoben ist.

  • Johann Christoph Altnickol: „Befiehl du deine Wege“

    Altnickols groß angelegte Motette folgt den Vorbildern Johann Sebastian Bachs, dessen Schüler und Schwiegersohn er gewesen ist. Er vertont die zwölf Gerhardtschen Liedstrophen in dieser gut 20-minütigen Motette in kontrapunktisch reicher und bildhafter Tonsprache. Das Werk verbindet barocke Satzkunst mit empfindsamer Ausdruckskraft und eignet sich auch für Aufführungen in kleiner Besetzung oder mit schlichter Continuo-Begleitung. Es könnte eine reizvolle Ergänzung für Programme im Bach-Umfeld oder thematische Konzerte zum Paul-Gerhardt-Jubiläum sein.

  • Heinrich von Herzogenberg: „Ich singe dir mit Herz und Mund“ op. 99,5

    Diese Vertonung aus Herzogenbergs „Liturgischen Gesängen“ bietet sich ideal für die gottesdienstliche Praxis an. Acht ausgewählte Strophen des gleichnamigen Paul-Gerhardt-Liedes sind hier zwischen Chor und Gemeinde aufgeteilt. Zu auskomponierter Orgelbegleitung singen sie abwechselnd ein- und mehrstimmig, homo- und polyphon. Eine schöne Gelegenheit, auch einmal wirklich viele Liedstrophen zu singen und unterschiedlich zu beleuchten. Oder sogar alle 18 Strophen, denn selbstverständlich können Begleitung und Chorsatz auch noch für die übrigen Strophen verwendet werden. Ideal also für einen Festgottesdienst zum Jubiläum mit entsprechender Liedpredigt.

  • Heinrich von Herzogenberg: „Soll ich denn auch des Todes Weg“ op. 102,2

    In dieser Choralmotette verbindet Herzogenberg romantische Klangfülle mit barocker Formstrenge. Zugrunde liegt der Text der zwölften Strophe des Paul-Gerhardt-Liedes „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“, welches zeilenweise und abwechslungsreich in vier fugatischen Abschnitten vertont ist. Es folgt ein homophoner Schlusschoral mit der neunten Strophe von „Barmherzger Vater, höchster Gott“, ebenfalls von Paul Gerhardt. Die Motette bietet sich für alle Programme zur Endlichkeit und Ewigkeit gut an und könnte in diesem Kontext wunderbar mit einer der „Befiehl du deine Wege“-Vertonungen kombiniert werden. 

  • Georg Friedrich Händel / Gunter Brückner (arr.): „Befiehl du deine Wege“

    Dieser Bearbeitung liegt Händels Schlusschor der Kantate Ach Herr, mich armen Sünder zugrunde. Der vierstimmige Chorsatz, hier zum Paul-Gerhardt-Lied, wird von instrumentalen Zwischenritornellen umwoben. Entstanden ist ein wirkungsvolles Stück für Chor und vier ziemlich variable Instrumente, welches sich gut für die gottesdienstliche Praxis eignet. Auch hier könnte die Gemeinde mehr- oder einstimmig in den Choralgesang eingebunden werden.

  • Felix Mendelssohn Bartholdy: „O Haupt voll Blut und Wunden“ (1830)

    Mendelssohns Choralkantate zum gleichnamigen Paul-Gerhardt-Lied ist in drei Sätzen für Chor, Bass-Solo und Orchester angelegt. Der klangsinnliche Eingangschor mit Motiven aus der Choralmelodie und der abschließende Schlusschoral sind sehr gut singbar und auch im Kirchenchor schnell einzustudieren. Der guten Machbarkeit steht ein wirklich eindrucksvolles Werk, besonders für die Passionszeit, gegenüber.

  • Rainer Bohm / Gabriele Timm-Bohm / Paul Gerhardt – für Kinderchor

     Mein Herz und ich (über „Geh aus, mein Herz“) – 1-stg. Kinderchor 
    Der große Himmel und der kleine Max (über „Die güldne Sonne“) – 1-stg. Kinderchor 

    Diese beiden Singspiele greifen jeweils Motive aus Paul-Gerhardt-Liedern auf und erzählen sie in zeitgemäßer Sprache weiter. Die eingängige Melodik und der überschaubare Umfang machen die Stücke sehr gut singbar für Kinderchöre. Auch die Instrumentalbesetzung ist zu beiden Singspielen sehr praktisch flexibel. Zwischen den Szenen sind die Gemeinde oder das Publikum mit dem Singen der jeweiligen Choralstrophen beteiligt. Ursprünglich als „Predigten“ für Familiengottesdienste geschrieben, sind sie ebenso gut für Sommerfeste, Schulgottesdienste, Familienkonzerte und so weiter geeignet.