Rudolf Lutz

tk

Jesu, der du meine Seele BWV 78

 

Mein Zugang zu Bach hat viel mit meinem Werdegang und Herangehen als Improvisator und Komponist tun. Mich interessieren immer ganz besonders die aus der Satzstruktur nachvollziehbaren oder auch absolut überraschenden Entscheidungen, die Bach in der Umsetzung seiner Textvorlagen traf und ausarbeitete. Zu den für mich einprägsamsten Erfahrungen gehörte die Darbietung der Kantate Jesu, der du meine Seele BWV 78. Bereits der Eingangschor fasziniert durch seine innovative Traditionsmischung, die eine Choralmotette mit einer ostinaten Passacaglia sowie concertoartigen Elementen verknüpft. Das folgende Duett „Wir eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten“ wiederum verbindet eine fast schon volksmusikantische Munterkeit mit einem einschmeichelnden Zwiegesang und einer intensiven Continuoarbeit. Und auch die folgenden Arien und Rezitative finden für jeden Grundaffekt und jede textliche Nuance eine mehr als kongeniale musikalische Gestalt – vom ausdruckstarken Deklamieren über den elegischen Flötenhauch bis zum pathetischen Accompagnato und zupackenden Orchestergestus. Wenn dann der Schlusschoral mit seiner kraftvollen Ewigkeitssehnsucht erklingt, haben wir eine veritable Predigt in Tönen durchlebt, die an keiner Stelle konventionell oder ermüdend ist. So freue ich mich immer aufs Neue, wenn ich die gedruckte Partitur einer mir noch unbekannten Bachkantate aufschlage.



 



 

 

Die Kantate Jesu, der du meine Seele BWV 78 gehört heute zu Johann Sebastian Bachs bekanntesten Vokalkompositionen. Ihre Beliebtheit verdankt sie nicht zuletzt der außergewöhnlichen Kombination von kontrapunktischer Dichte im Eingangssatz,...

Dirigierpartitur

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