Dirigierpartitur
mehrGotthold Schwarz - Lieblingskantate

Wer nur den lieben
Gott lässt walten BWV 93
Ein Leitsatz zu meinen Aufgaben als Leipziger Thomaskantor könnte lauten: „Bekennen will ich seinen Namen“ (BWV 200). Das gilt für die musikalische Leitung des traditionsreichen Thomanerchores ebenso wie für die Auswahl der aufzuführenden Werke aus dem schier unerschöpflichen Reichtum geistlicher Vokalmusik seit Beginn der Mehrstimmigkeit und für die aktuelle Frage, wie heute ein Choral glaubwürdig zu vermitteln ist. Die meisterhafte Kantate Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 93 zeigt nach meinem Verständnis beispielhaft die Aktualität von Kirchenliedern. Georg Neumark hatte im Jahr 1641 einen demütig-vertrauensvollen Liedtext und dazu eine wunderbare Melodie geschrieben. Sein „Trostlied“ (so nannte er es im Sinne von Psalm 55,23) verbreitete sich rasch. Bach formte daraus ein Musterbeispiel des Typus Choralkantate. Als genialer Komponist machte er zugleich deutlich, dass diese Gattung nicht als unterhaltsame Konzertmusik, sondern als sein „Soli Deo Gloria“-Bekenntnis zu verstehen ist. Heute können wir das nachvollziehen, wenn wir bei unseren Aufführungen die Textverständlichkeit wieder optimieren gemäß der bewährten Regel „Prima le parole, poi la musica“ und dabei wie Bach bitten „Juva Jesu“.
Foto: © Alexander Böhm