Passionen und Oratorien

Passionen und Oratorien von Johann Sebastian Bach

Vor allem die Passionen haben Bach Anfang des 20. Jahrhunderts den Ehrentitel eines fünften Evangelisten eingebracht. Diese fast mystische Verzückung ist zwar längst wieder rationaleren Gefühlen gewichen, doch kann sich wohl niemand der außergewöhnlichen Wirkung der beiden großen Passionen entziehen. 1724 wurde die Johannespassion in der Nikolaikirche erstmals aufgeführt; mindestens drei weitere Aufführungen folgten in den Jahren 1725 bis 1749.


1726 führte Bach eine Reinhard Keiser zugeschriebene Passionsmusik auf, die ihm seit seiner Weimarer Zeit bekannt war, ehe er wohl 1727 mit der ersten Fassung der Matthäuspassion ein Werk präsentierte, das den Rahmen der Karfreitagsvesper in nahezu idealer Weise ausfüllte. 1736 brachte er sie u. a. durch Aufnahme der Choralfantasie über O Mensch bewein dein Sünde groß in ihre heute vertraute Gestalt.


Nicht erhalten hat sich leider die Markuspassion aus dem Jahre 1731. Welch großartige Komposition hiermit verlorengegangen ist, lässt sich nur noch erahnen: Für sieben Sätze lassen sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Parodievorlagen ermitteln (v.a. aus der Trauerode BWV 198) und die meisten Choralsätze haben sich in Choralsammlungen erhalten. Damit gibt es genügend Anhaltspunkte für eine (Teil-)Rekonstruktion, auch wenn diese kaum Bachs Intentionen zur Gänze gerecht werden können.


Weniger problematisch stellen sich Bachs übrige Oratorien dar, wobei das Weihnachtsoratorium BWV 248 heute die nicht minder gelungenen Himmelfahrts- und Osteroratorien BWV 11 und 249 in den Hintergrund gedrängt hat.

Für die Festtage des Kirchenjahres 1734/35 schrieb Bach neben dem Weihnachtsoratorium BWV 248 ein weiteres repräsentatives Werk: das Himmelfahrtsoratorium BWV 11 („Lobet Gott in seinen Reichen“). Obwohl sich das Oratorium in seinen Dimensionen und...

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