Johann David Heinichen: Requiem en mi bémol majeur - Partition | Carus-Verlag

Johann David Heinichen Requiem en mi bémol majeur

1726

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Heinichens Requiem zum Gedächtnis Kaiser Josephs I., das hier als Erstausgabe vorliegt, präsentiert sich als vielfältiges, 20 Nummern umfassendes Totengedenken im damals modernen italienischen Stil, mit Chören, Solo-Arien und Ensembles, wobei der Chorsatz meist schlicht akkordisch-homophon gestaltet ist. Als Ausdruck würdevoller Sakralität fehlt auch das polyphone, bis zur Doppelfuge gesteigerte Element nicht.
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Conducteur, Première édition, entspricht / equal to HE 27.096 Carus 27.309/00, ISMN 979-0-007-08925-2 72 Pages, DIN A4, cartonné
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Partition de chœur Carus 27.309/05, ISMN 979-0-007-10197-8 20 Pages, DIN A4, sans couverture Minimum de commande : 20 exemplaires
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Jeu de parties séparées, matériel d’orchestre complet, en location Carus 27.309/19, ISMN 979-0-007-20149-4 DIN A4, sans couverture
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    6 x Partie séparée, violon 1, en location (27.309/11)
     
    5 x Partie séparée, violon 2, en location (27.309/12)
     
    4 x Partie séparée, alto, en location (27.309/13)
     
    5 x Partie séparée, violoncelle / contrebasse, en location (27.309/14)
     
    1 x Partie séparée, orgue, en location (27.309/49)
     
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Critiques

Heinichen, Johann David (1683 - 1729): Requiem in Es zum Gedächtnis \ Kaiser Josephs I

Heinichens Requiem entstand in Dresden. 20 Nummern beinhaltet die Partitur: Arien, Ensembles und Chöre geschrieben überwiegend im damals modernen italienischen Stil - dazu kontrastierend einige Nummern in der alten a-capella-Manier (z.B. Kyrie 11). Das Orchester setzt sich aus 2 Flöten, 3 Oboen, Streichern und Bc zusammen. Ein Chor mit wenigen Sängern dürfte ausreichen. Eine Aufführung dieses mittelschweren und relativ kurzen Meisterwerks (der Verlag gibt die Dauer mit 40 Min. an) sei einschränkungslos empfohlen. Spannendes Vorwort und diverse Abbildungen der autographen Partitur erhöhen den Wert dieser verdienstvollen Edition.
Friedrich Storfinger, Musik im Bistum Essen 1/2003  

Unter Kennern weiß man längst: Wer in der Augusteischen Epoche der sächsischen Geschichte für den katholischen Gottesdienst an der Dresdner Hofkirche komponierte, tat dies auf qualitativ hoher Ebene. Jedes heute im Neudruck erscheinende Werk aus dem großen Repertoire der kurfürstlich-sächsischen Hofmusik des frühen 18. Jahrhunderts lässt uns mehr denn je verstehen, warum der Dresdner Hof in der damaligen Zeit als eine der ersten musikalischen Adressen Europas galt.
Johann David Heinichen wirkte von 1717 bis 1729 in Dresden und bestimmte gemeinsam mit berühmten Kollegen wie Antonio Lotti, Giovanni Alberti Ristori und Jan Dismas Zelenka das musikalische Leben am Hofe. Als „kurfürstlich-sächsischer und königlich-polnischer HofkapeIlmeister” war er zunächst vor allem zur Opernkomposition verpflichtet und widmete sich nach 1721 verstärkt der Kirchenmusik. Der Protestant Heinichen komponierte in der zwölfjährigen Dresdner Zeit ein umfangreiches Repertoire für alle Anforderungen der katholischen Liturgie. Allein 85 überlieferte lateinische Kirchenkompositionen nennt die Werkzusammenstellung in der MGG. Angesichts dessen lässt die Behauptung des Herausgebers im Vorwort verwundern, die Kirchenmusik Heinichens nehme neben Oper, Kantate und Kammermusik „allerdings nur einen bescheidenen Raum” ein.
Trotz seines gehobenen Aufführungsanlasses ist Heinichens Requiem ein eher schlicht anmutendes Werk. Es wurde nicht zu den kaiserlichen Exequien musiziert (die schon 1711 stattgefunden hatten), sondern zu einer der jährlich gefeierten Gedächtnismessen, die auf Bestreben von Maria Josepha -Tochter Josephs I und Gattin des sächsischen Kronprinzen Friedrich August II - am Dresdner Hof für ihren verstorbenen Vater gehalten wurden. Traditionsgemäß betrieb man zu diesen Anniversarien nicht den gleichen Aufwand wie zu den eigentlichen Exequien und verzichtete auch auf die „königlichen” Instrumente Trompeten und Pauken. Heinichens Requiem ist mit vier Singstimmen (SATB als Soli und Tutti) zwei Flöten, drei Oboen und Fagott, Streichern und Basso continuo besetzt. Das Werk besteht aus 20 in der Regel kurzen Einzelsätzen (geschätzte Aufführungsdauer 40 Minuten), die in der Form der barocken Nummernmesse aneinandergereiht sind und die liturgischen Teile „Introitus”, „Kyrie”, „Sequenz”, „Offertorium”, „Sanctus”, „Agnus Dei” und „Communio” umfassen. Die Chorsätze bewegen sich zwischen homorhythmischer Deklamation („Dies irae”) und gut gearbeiteten Fugen („Kyrie” II), die Solosätze zwischen betont schlichter Melodieführung („Recordare”) und sequenzreichem Koloraturspiel („Benedictus”).
Die Ausgabe von Thomas Kohlhase orientiert sich in starkem Maße an der einzigen erhaltenen Quelle des Werkes: der Konzeptpartitur des Komponisten. Eigene Zusätze des Herausgebers sind selten. Verwirrung stiften die nur sporadisch auftretenden Generalbasszahlen. Bei aller Ehrfurcht vor den Quellen wünscht man sich hier ein Stück mehr editorische Arbeit - nicht nur in der separaten Orgelstimme. Eine Ergänzung der Generalbass-Angaben der Quelle und eine genaue Differenzierung zwischen Akkordspiel und tasto solo gemäß der Stilistik des 18. Jahrhunderts hätten die ansonsten sehr übersichtlich angelegte Partitur noch etwas benutzerfreundlicher gemacht. Als Musik zum Ewigkeitssonntag sei das Werk sehr empfohlen - nicht nur Insidern.
Franziska Seils, Musik und Kirche, Mai/Juni 2003                                                           

J. D. Heinichen, Leipziger Thomasschüler, Advokat in Weissenfels, „Compositeur” in Zeitz, musikalisch erfolgreicher Italienreisender und Opernautor, wurde in Venedig vom Sächsischen Kurprinzen Friedrich August 1717 als Kapellmeister nach Dresden verpflichtet. Seit 1718 teilte er wegen Krankheit den Kirchendienst mit J.D. Zelenka (zwei Komponisten, welche sich in einem Konzertprogramm gut kombinieren lassen). Heinichen hat bedeutende Lehrbücher über den Generalbass verfasst. In Vergessenheit geraten sind seine eigenen Kompositionswerke. Der Carus-Verlag bemüht sich diesbezüglich um den Druck, teilweise wie in diesem Falle handelt es sich gar um Erstausgaben. Das vorliegende Requiem war ein Auftrag für das Gedächtnis (Anniversarium) Kaiser Josephs des I. Heinichen hatte also genügend Zeit zur Verfügung, diese Komposition anzufertigen. Daraus ist ein vielfältiges, 20 musikalische „Nummern” umfassendes Werk mit Chören, Arien und Ensembles im damals modernen italienischen Stil entstanden. Einige Nummern basieren auf dem gregorianischen Cantus firmus der Totenmesse. Der vollständige Requiem-Text ist heute liturgisch nicht mehr vertretbar. Die Vision des „Dies irae” mit seinem „Schreckensszenarium” entspricht nicht mehr heutigen, theologischen Maßstäben. Die offiziellen Liturgiebücher seit dem 11. Vatikanischen Konzil distanzieren sich diesbezüglich deutlich, setzen klare Zeichen in Richtung Auferstehung und gehen kritisch mit dem Sühnegedanken um, zumal sich dieser im Verlauf des Spätmittelalters in eine menschenverachtende Selbstkasteiung steigerte, kombiniert mit fragwürdigen finanziellen Einkünften der Kirche, um Sünden zu erlassen (Ablass). Heinichens Requiem eignet sich hervorragend, um einzelne Nummern herauszupflücken. Die Sätze sind kurz gehalten und zeigen für den Kirchenchor effektiv kaum nennenswerte Schwierigkeiten. Angenehme Stimmlagen in allen Stimmen (!), wechselnde instrumentale Besetzung (auch A-cappella-Chöre, ad. lib. colla parte gestützt) und ein außerordentlich musikalisches, solides Handwerk sind deutliche Pluspunkte, sich diese Partitur einmal genauer anzusehen.
Raphael Immoos, Singen und Musizieren im Gottesdienst März / April 2003

[...] Ein anderes Werk Heinichens, das Requiem in Es-Dur, würde man, obwohl speziell zum Todestag Kaiser Joseph II. komponiert, heutzutage wohl liturgischer Gebrauchsmusik zurechnen, was die Wahl des technischen und aufführungspraktischen Schwierigkeitsgrades angeht. Streicher, zwei Oboen und Generalbass bilden das Orchester, die Soli sind ohne weiteres von guten Laien zu bewältigen, und die Chorsätze sind oftmals so einfach, dass man sie glattweg vom Blatt singen kann. Die Sätze sind alle recht knapp und überschaubar gehalten, das ist schön, denn durch die vornehme Zurückhaltung des musikalischen Ausdrucks würde einem bei längerer Dauer die Zeit gedehnt vorkommen, auch wenn man sich nicht mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegt (es ist Einsteinjahr). Die Musik lässt dem Zuhörer also Raum zu meditativer Entfaltung, was beispielsweise in einem Gottesdienst für Trauernde durchaus angebracht und wünschenswert wäre. Ein Werk wie Mozarts Requiem, gar mit Orchester aufgeführt, würde da nur stören.
Württembergische Blätter für Kirchenmusik  5/2005

 

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