„Gedanken gehen und Lieder fort bis ins Himmelreich.“ Diese letzten Worte und Töne des Lieds Bergeslust schmücken den Grabstein der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, die 1847 im Alter von nur 41 Jahren plötzlich an einem Schlaganfall verstarb. Ihr Mann, der Maler Wilhelm Hensel, gab ihr letztes Lied Bergeslust, in dem sie einen Text von Joseph von Eichendorff vertont, zusammen mit vier weiteren Liedern posthum als op. 10 in den Druck. Todesahnung ist in dem fröhlichen Lied im 6/8-Takt, das mit „Allegro molto vivace e leggiero“ überschrieben ist, nicht zu spüren. Vielmehr sprüht es vor Lebenslust und Freude an der Natur und der Musik.
Das vorliegende Kunstlied wurde ursprünglich nicht für Kammerchor, sondern für eine Solostimme und Klavier geschaffen. Denis Rouger gelingt in seinem Arrangement eine behutsame Anpassung an die Bedürfnisse und Ausdrucksmöglichkeiten eines größeren Ensembles bei gleichzeitiger Wahrung des Charakters und der Qualitäten des Originals. Jede Stimme im Chor erhält ihre aus dem harmonischen und rhythmischen Gerüst extrahierte Melodielinie. Dabei verbindet sich die Vielfalt und Raffinesse des chorischen Ausdrucks mit der enormen Flexibilität in Gestaltung und Ausdruck, wie sie die französischen Mélodies oder das deutsche Kunstlied von einem Solisten und dem Klavierpart fordern.
Das Lied wurde eingesungen vom figure humaine kammerchor auf der CD ...wo die Zitronen blühn (Carus 83.514).
-
Komponist*in
Fanny Hensel
| 1805-1847Fanny Hensel (1805–1847), geborene Mendelssohn, war eine der begabtesten Komponistinnen der Romantik und bedeutende Vertreterin des deutschen Musiklebens des 19. Jahrhunderts. Als Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy wuchs sie in einem künstlerisch geprägten Umfeld auf, das bereits früh ihre musikalische Entwicklung förderte, sie jedoch aufgrund ihres Geschlechts auch mit gesellschaftlichen Einschränkungen konfrontierte. Speziell in den 1830er und 1840er Jahren komponierte Fanny Hensel eine Vielzahl von Liedern, Klavier- und Chorwerken und entschied sich – trotz der Vorbehalte ihres Vaters und Bruders – schließlich zur sukzessiven Veröffentlichung ihrer Musik. In ihrem Berliner Familienanwesen, einem Zentrum für Musiker*innen und Intellektuelle, führte sie im Rahmen der sogenannten Sonntagsmusiken zahlreiche dieser Werke auf, die romantische Emotionalität mit klanglicher Raffinesse verbinden. Am 14. Mai 1847 erlitt sie während der Proben zu einer ihrer beliebten Sonntagsmusiken einen Schlaganfall und verstarb nur wenige Stunden später. Ihr beeindruckendes Werk, das mehr als 460 Kompositionen umfasst, gilt heute als bedeutender Beitrag zur romantischen Musikkultur und findet zunehmende Beachtung in Konzerten und wissenschaftlichen Studien. zur Person
-
Textdichter*in
Joseph von Eichendorff
| 1788-1857
-
Bearbeiter*in
Denis Rouger
| 1961Denis Rouger hat seine musikalischen Erfahrungen zunächst als Sohn einer Pariser Musikerfamilie und bei seinem Studium am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris gesammelt, wobei er erste Preise in Harmonie, Fuge und Kontrapunkt erhielt.
20 Jahre lang war er Dozent und Chorleiter an der Universität Paris-Sorbonne und 10 Jahre Chorleiter an der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Er ist Ehrenkapellmeister der Pariser Kirche La Madeleine. Auch in Deutschland hat er Kontakt zu zahlreichen Ensembles. So wurde er als Gastdirigent u.a. von Rundfunkchören, dem Balthasar-Neumann-Chor, dem Landesjugendchor Baden-Württemberg, sowie zu den Stuttgarter Philharmonikern eingeladen. Konzerte führten ihn nach Italien, Kanada, Russland, in die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und in die Schweiz (Lucerne Festival).
Er gibt Meisterkurse in Schweden, Bulgarien, Frankreich, Deutschland sowie in der Schweiz.
Seit 2011 ist Denis Rouger Professor für Chordirigieren an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Der von ihm im Herbst 2011 gegründete Kammerchor der Musikhochschule gewann 2014 den Ersten Preis beim Internationalen Chorwettbewerb in Mosbach (Deutschland).
Neben seiner Arbeit als Chorleiter komponiert Rouger und bearbeitet französisches sowie deutsches Liedgut für Chor. Seine Bearbeitungen auf den CDs Kennst Du das Land ... und ... wo die Zitronen blühn (Carus) fanden bei Presse und Rundfunk regen Anklang. In Zusammenarbeit mit dem Carus-Verlag hat er das Chorbuch Französische Chormusik, das 2019 den Deutschen Musikeditionspreis „Best Edition“ erhalten hat, herausgegeben.
2016 gründete Denis Rouger den figure humaine kammerchor (www.figurehumaine.de), mit dem er regelmäßig Konzerte bei namhaften Festivals gibt.
zur Person