Merk auf, mein Herz, und sie dorthin
Weihnachtsmotette
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Komponist*in
Johann Christoph Bach
| -1703Johann Christoph Bach (1642–1703), der älteste Sohn Heinrich Bachs, galt bereits in der Familientradition als das große Genie vor Johann Sebastian; in der Familienchronik wird er als der „große und ausdrückende Componist“ bezeichnet. J.C. Bach wurde vermutlich von dem Arnstädter Kantor Jonas de Fletin unterwiesen, der als Schüler von Heinrich Schütz das Ideal eines italienische und deutsche Traditionen verschmelzenden Kompositionsstils vertrat. J.C. Bachs mehr als zwei Jahrzehnte währendes gemeinsames Wirken mit seinem Vetter Johann Ambrosius Bach in Eisenach gestaltete sich als besonders fruchtbare Zusammenarbeit. Wenn die Eisenacher Stadtchronik von Johann Ambrosius berichtet, er habe 1672 „auf Ostern mit Orgel, Geigen, Singen und Trompeten und mit Heerpaucken dreingeschlagen“, wie es noch kein Kantor je vermochte, so mag dieser Eindruck auch den anspruchsvollen und äußerst tiefsinnigen Kompositionen Johann Christoph Bachs zu verdanken sein. Sein Schaffen umfasst neben verschiedenen Cembalo- und Orgelwerken vor allem Motetten, Chorarien und Kantaten, die sich durch ein hohes Maß an satztechnischer Kunstfertigkeit und eine harmonisch außerordentlich reiche und differenzierte Tonsprache auszeichnen zur Person
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Herausgeber*in
Peter Wollny
| 1961
Rezensionen
Johann Christoph Bach: Merk auf, mein Herz und sieh dorthin
An der Harvard-University ist eine Partitur aufgetaucht, deren Besitzverhältnisse sich zurückverfolgen lassen bis in die Bibliothek der Thomasschule: „Merk auf, mein Herz und sieh dahin”. Im Bach-Werkeverzeichnis steht diese Komposition im Anhang unter der Nr. 163 und ist dort Johann Bernhard Bach oder Johann Ernst Bach zugeschrieben. Der Herausgeber, Peter Wollny, hat vor allem aus stilistischen Gründen den Eisenacher Johann Christoph Bach vorgeschlagen, ohne andere Möglichkeiten ganz auszuschließen. Wer auch immer der Komponist sein mag, durch seine Abstammung aus der Leipziger Thomasschule und möglicherweise auch Aufführungen durch Johann Sebastian Bach ist das Werk geadelt, und das mit Recht. Diese Vertonung von Teilen des Luther-Liedes „Vom Himmel hoch, da komm ich her” steht deutlich über den vergleichbaren Motetten des thüringischen Umfelds. Die Doppelchörigkeit wird hier in vielfältiger Weise genutzt, die Melodie verschiedenartig einbezogen. Interessant ist die Bezeichnung „tremulo” bei lang ausgehaltenen Akkorden auf dem Wort „ruhn”, die Peter Wollny in Viertelstöße auflöst. Bei diesem Werk handelt es sich um eine wichtige Neuerscheinung frühbarocker Musik.
Peter L. Voß
Quelle: Musik und Kirche 2/1996, S. 116