Dvoráks großes Requiem entstand als Auftragswerk für das renommierte Musikfest in Birmingham. Seit der dortigen Uraufführung unter Leitung des Komponisten im Jahr 1891 erfreut es sich großer Beliebtheit. Es basiert auf dem liturgischen Requiem-Text, war jedoch von Beginn an für eine abendfüllende, konzertante Aufführung gedacht.
Dvorák entfaltet im Requiem in unnachahmlicher Weise und mit beeindruckender Ausdruckstiefe die ganze Bandbreite von religiöser Andacht bis hin zu Dramatik und leidvoller Klage. Bachs Kreuzmotiv aus dem zweiten Kyrie der h-Moll-Messe mag Pate gestanden haben für den chromatisch angelegten musikalischen Kerngedanken, der als Todesmotiv in beinahe allen Sätzen aufgegriffen wird. Der Chor spielt im Werk eine zentrale Rolle. Bis auf eine Ausnahme lässt ihn Dvorák in allen 13 Teilen mitwirken.
Die bei Carus veröffentlichte Werkfassung entspricht jener der autographen Partitur, die – anders als der Erstdruck und eine bei der Uraufführung benutzte Abschrift – präzise die ausdifferenzierten dynamischen Anweisungen Dvoráks wiedergibt. Autographe Ergänzungen aus der Dirigierpartitur sind berücksichtigt, Einzelanmerkungen geben detailliert Informationen über die Unterschiede der Quellen.
Carus setzt mit der kritischen Neuedition der Requiem-Vertonung die Veröffentlichung der geistlichen Werke Dvoráks fort. Neben der Partitur sind Klavierauszüge in normaler Größe und im lesefreundlichen Großdruck, Chorpartitur, käufliches Orchestermaterial und Übehilfen für den Chor (in Vorbereitung) erhältlich (Partitur und Klavierauszug auch digital).
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Antonín Dvorák
| 1841-1904Antonín Dvorák (1841-1904), neben Smetana und Janacek der wichtigste Vertreter einer eigenständigen tschechischen Musik, gehört zu den populärsten Komponisten des 19. Jahrhunderts überhaupt. In seiner Heimat bekannt wurde der Fleischer- und Gastwirtssohn aus dem böhmischen Nelahozeves (Mühlhausen) bei Kralup durch seinen patriotischen Hymnus „Die Erben des weißen Berges" für Chor und Orchester (op. 30) von 1872. Den Weg in die Welt ebnete ihm ein österreichisches Staatsstipendium, das ihm von einer Kommission, bestehend aus Johannes Brahms, Eduard Hanslick und Johann von Herbeck, zugesprochen wurde. Der sieben Jahre ältere Brahms nahm sich freundschaftlich des jungen Kollegen an, dessen eminente Begabung er erkannt und lieben gelernt hatte. (Brahms: ,,Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.") Brahms empfahl Dvo"rák seinem Berliner Verleger Fritz Simrock, der in der Folge Dvo"ráks eigenwilliger und zunächst schwieriger Hauptverleger wurde. International berühmt wurde Dvo"rák als Komponist und – seit 1884 – als Dirigent seiner eigenen Werke vor allem durch seine sensationellen Erfolge in England (insgesamt neunmal hielt sich Dvo"rák dort auf) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (zwei längere Besuche mit pädagogischer und kompositorischer Arbeit). Begründet wurde dieser Erfolg zunächst durch ein kirchenmusikalisches Werk, das Stabat mater aus dem Jahre 1876 (Carus 27.293/03). Bis in Dvo"ráks späte Zeit gehören Kirchenwerke in die Reihe seiner bedeutenden Schöpfungen: den Sinfonischen Dichtungen, den Opern (darunter „Rusalka"), Sinfonien, den Streichquartetten und anderer Kammermusik, dem Oratorium „Die heilige Ludmilla" – und den „Slawischen Tänzen op.46 und 72. Zu dem genannten Stabat mater op.58 kommen der 149. Psalm op.79, das Requiem op.89 (Carus 27.323) und das Te Deum op.103 (Carus 27.189). zur Person
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Herausgeber*in
Claudia Seidl
| 1990