Missa solemnis in C
KreD 326, 1769 (?)
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Komponist*in
Carl Ditters von Dittersdorf
| 1739-1799
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Herausgeber*in
Johannes Kirner
Rezensionen
Carl Ditters von Dittersdorfs: Missa Solemnis in C
Carl Ditters von Dittersdorfs: Missa Solemnis in C
Es hat sich erfreulicherweise eingebürgert, dass die meisten Ausgaben des Carus-Verlags mit Vorworten und Quellenbeschreibungen versehen werden. Dies gilt auch für die Erstausgabe von Carl Ditters von Dittersdorfs „Missa Solemnis in C”. Der Leser wird ausführlich über den sehr interessanten Lebenslauf des Komponisten informiert, und die Bedeutung dieser Messe (andere Messkompositionen sind noch nicht veröffentlicht!) wird anschaulich dargestellt. Trotzdem wird sich jeder Chorleiter eigene Gedanken machen müssen, ob und bei welcher Gelegenheit er dieses Werk aufführen möchte.
Die Besetzung ist mit zwei Oboen, zwei Trompeten, Pauken, zwei Violinen (keine Viola!), Cello, Kontrabass, Orgel (und zwei Posaunen ad libitum) sicherlich (außer an Festtagen) für den gottesdienstlichen Gebrauch recht üppig. Wie aber steht es mit einer konzertanten Aufführung? Die Dauer von etwa 42 Minuten muss dabei berücksichtigt werden und die Frage, welche anderen Stücke man damit verbinden möchte. Der Konzertmeister eines Laienorchesters wird sich gut überlegen müssen, ob er sich den Anforderungen des schon zu Dittersdorfs Zeiten berühmten Violinsolos im „Gloria” gewachsen fühlt. Auch die Schwierigkeiten der Sopranpartie im „Christe eleison” und des Basses im „Domine Deus” sollte man nicht unterschätzen.
Die Aufgaben für die Chorsänger sind dankbar, dabei singt ein geschulter Chor die meisten homophon komponierten Messteile mehr oder weniger vom Blatt. Aber auch die Schlussfuge des Glorias „Cum sancto spiritu” kann sich ein weniger erfahrener Kirchenchor ohne Weiteres erarbeiten. Der Ambitus der einzelnen Stimmen ist nirgends zu groß und rhythmische Schwierigkeiten halten sich absolut in Grenzen. Ob einem der Oktavsprung beim „et ascendit” oder das Unisono zwischen Sopran und Tenor im „et unam sanctam” als „trivial” erscheint oder man sie als „von schöner Schlichtheit” empfindet, oder ob einem die Schlussfuge (?) des „Credo” mit ihren Oktavsprüngen, Tonleiterstücken und Wechselnoten bei ihrer Länge als etwas dürftig erscheint, muss wieder einmal jeder mit sich selbst ausmachen.
Christian Grube
Quelle: Musik und Kirche Nov.2004
Carl Ditters von Dittersdorf (1739–1799), in seinen letzten 25 Lebensjahren Kapellmeister des Erzbischofs von Breslau, zählt zu den fortschrittlichsten Kirchenkomponisten seiner Zeit. Diese Feststellung gilt in der nun erstmals vorgelegten Missa solemnis in C vor allem für die formale Anlage der textreichen Ordinariumteile (Gloria und Credo), die jeweils nur in fünf Sätze gegliedert sind, obwohl die Messe eindeutig dem Typus der Kantatenmesse angehört. Die solistischen Gesangspartien sind zwar anspruchsvoll, aber verhältnismäßig kurz gehalten, erfreuen aber vor allem durch den Reichtum an unterschiedlichsten Besetzungen und instrumentationstechnischen Details - bis hin zum ausgedehnten Violinsolo im Gloria. Den ansonsten vorwiegend deklamatorischen Chorpassagen stehen als spätbarockes Element die obligatorischen Chorfugen am Schluss des Gloria und Credo gegenüber. Im Ganzen hat der Carus-Verlag damit ein Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, dessen Repertoirewert unbestritten ist, und dessen Aufführbarkeit durch die relativ überschaubare Besetzung von Trompeten und Pauken nebst Streichern und Oboen, gekoppelt mit einem nicht zu anspruchsvollen Chorpart, realistisch ist.
Wilfried Rombach
Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen 10/2004
(I) Wenn Sie für Ihren Chor ein Stück aus der Epoche der Klassik suchen, Ihnen die kleinen Messen von Haydn oder Mozart zu kurz oder zu wenig repräsentativ und die sechs späten Messen von Haydn oder Mozarts späte Sakralwerke zu schwer oder zu ausgelutscht erscheinen, oder wenn Sie einen leistungsfähigen Chor haben und ein Stück suchen, für das sich der Probenaufwand in engen Grenzen hält, dann sind Sie mit diesem Werk richtig gut bedient - eine absolute Entdeckung: Leicht sangliche, melodiöse Musik, nie einfältig, zwei Fugen am Ende von Gloria und Credo in leichtem bis höchstens mittlerem Schwierigkeitsgrad, alles andere wirklich einfach, was aber durch eine gekonnte Orchesterbehandlung so ausgeglichen ist, dass nie der Eindruck von Trivialität entsteht. Auch die Orchesterbesetzung ist nicht so üppig wie in vergleichbaren zeitgenössischen Werken: Neben den Streichern (1 wunderschöner Satz mit Solovioline) benötigt man lediglich 2 Oboen, 2 Trompeten und Pauken. Am undankbarsten sind die Solisten behandelt: Es gibt zwei Duette für Sopran und Alt sowie eine Bassarie - alles so, dass man dies teilweise oder sogar ganz mit einem kleinen Teil des Chores singen könnte. Die übrigen Ensembleabschnitte sind kaum der Rede wert und lassen sich auf jeden Fall aus dem Chor heraus gestalten. Und das alles bei einer Aufführungsdauer von 42 Minuten in gewohnt hervorragender Carus-Qualität.
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 3/2005
Carl Ditters von Dittersdorf (1739-1799) hinterließ mit 19 Messen, 2 Requiem, 8 Litaneien und weiteren 20 Sakralwerken ein reiches kirchenmusikalisches Werk, wobei die vorliegende Missa solemnis die sicher am weitesten verbreitete Messe des oft als „bedeutendsten Kleinmeisters aus dem Umkreis der Wiener Klassik” apostrophierten Komponisten ist, deren Kyrie und Gloria beispielsweise anlässlich der Kaiserkrönung Franz II. 1792 im Frankfurter Dom erklang. Sein 200. Todestag bot den Anlass einer Wiederaufführung in einem Festgottesdienst in St. Peter in München. Das knapp dreiviertelstündige Werk wird mit einem dreiteiligen Kyrie eröffnet mir einem Frauenstimmenduett als Christe. Das fünfsätzige Gloria hat im 2. Satz (Laudamus) mit einem großen Violinsolo, welches dem homophon geführten Chor gegenübergestellt ist, eine Besonderheit anzubieten. Große ariose Abschnitte geben den Solisten auch in den weiteren Sätzen viele dankbare Aufgaben. Wie in der Klassik üblich, werden Gloria und Credo mit je einer großen Chorfuge abgeschlossen. Ein schönes Werk, das es verdient, wieder in das Repertoire der Kirchenchöre Eingang zu finden! Walter Sengstschmid
Quelle: Singende Kirche 2/04