Hinsichtlich ihrer Gesamtdauer von knapp 30 Minuten ist Schuberts Messe B-Dur (D 324), entstanden im Jahre 1815, deutlich länger als die klassischen "Brevis"-Messen Mozarts und Haydns, und ihre große Instrumentalbesetzung mit Streichern, Holz- und Blechbläsern sowie Pauken verleiht ihr sogar eindeutig solennen Charakter. Insgesamt ließ sich Schubert in puncto formaler Anlage – Gliederung in sechs große Sätze, Verzicht auf Arien für die Gesangssolisten, welche stattdessen entweder allein oder in der Gruppe mit kurzen Passagen dem Chor gegenübertreten – wohl auch durch die "sinfonische Messe" des späten Haydn inspirieren, ohne freilich dessen zeitliche Ausdehnung zu erreichen. Ein repräsentatives, musikalisch reizvolles Werk also, das mit seiner vielschichtigen, detailliert ausgearbeiteten Textbehandlung beeindruckt. Es eignet sich somit für besondere Anlässe und für die Hochfeste des Kirchenjahres und kann von erfahrenen Kirchenchören gut bewältigt werden.
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Komponist*in
Franz Schubert
| 1797-1828Die Kirchenmusik beschäftigte Franz Schubert sein Leben lang: Ein Teil davon entstand als Auftragswerk unter anderem für den Kirchenchor seiner Heimatgemeinde und erweist sich als stark praxisorientiert. Schubert komponierte somit nicht mehr nur für Berufsmusiker, sondern für bürgerliche Gemeindemitglieder. Seine Werke sind für mannigfache liturgische Gelegenheiten bestimmt und von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und Umfang; somit werden sie auch den heutigen kirchenmusikalischen Bedürfnissen in idealer Weise gerecht. Einfache, schlichte Sätze stehen neben anspruchsvolleren Chorpartien und solistisch-virtuosen Konzertstücken. Der Carus-Verlag strebt Vollständigkeit im Bereich von Schuberts Kirchenmusik an: Zu entdecken gilt es ein spannungsreiches Œuvre; in seinen liedhaften, harmonisch tiefgründigen Elementen spiegelt es eine typisch Schubertsche Ausdruckswelt wider: Werke von großer Überzeugungskraft und ausnehmender musikalischer Schönheit. zur Person
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Herausgeber*in
Manuela Jahrmärker
Rezensionen
Württembergische Blätter für Kirchenmusik 2/2005
Franz Schubert: Messe in B
(jw) Der hier vorliegende, 2001 neu erschienene Klavierauszug zu einer der weniger bekannten Schubert-Messen knüpft an die vorbildlichen Erscheinungen im Rahmen der Gesamtausgaben aus dem Hause Carus an. Die Ausgabe beschränkt sich auf das wesentliche und verzichtet damit glücklicherweise auf unübersichtliche Kleinstichnoten oder Ossia-Fassungen, die bei einer Einrichtung für Klavier, die an sich schon eine Bearbeitung darstellt, keinen Platz haben. Wie für Schubert (und inhaltlich auch für seine Zeit) charakteristisch, verzichtet er auch in der B-Dur-Messe auf bedeutende Textteile in Gloria und Credo. Die Besetzung der Messe mit vier Solisten, zwei Oboen, zwei Fagotten, zwei Trompeten, Pauken, Streichern und Continuo als Minimalanlage dürfte den Weg in Aufführungen kleinerer Verhältnisse nicht gerade beschleunigen. Der Chorpart ist auch von geübten Kirchenchören gut zu bewältigen.
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 2/2005