Konzert in A für Viola da Gambe
TVWV TWV 51:A5
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Komponist*in
Georg Philipp Telemann
| 1681-1767Telemanns überaus reiches kompositorisches Schaffen, der Ertrag eines Dreivierteljahrhunderts, umfasst nahezu alle Gattungen der Musik und reicht, im vokalen Bereich, vom Generalbasslied über Kammer- und Kirchenkantate bis zur Oper. Auch in seiner eigenen Einschätzung spielt die Kirchenmusik die zentrale Rolle in seinem Schaffen; vermutlich hat er allein über 1.600 Kirchenkantaten komponiert, dazu kantatenartige Trauermusiken (wie Du aber, Daniel, gehe hin ), Psalmvertonungen (bspw. Deus judicium tuum ) und Oratorien. Allenthalben in seinem Werk zeigt sich Telemann als ein fortschrittlicher, dem Neuen aufgeschlossener und experimentierfreudig nach neuen Wegen suchender Komponist; nicht zu Unrecht hat man ihn einen Wegbereiter der Klassik genannt. Indes macht das kompositorische Wirken nur einen Teil seiner musikgeschichtlichen Bedeutung aus: Als Musikverleger, als Autor didaktisch ausgerichteter Publikationen, als Leiter bürgerlicher Musikvereinigungen und Initiator öffentlicher Konzerte hat er wesentlich an der Schaffung auch der äußeren Voraussetzungen für die folgende, vom musikalisch gebildeten Bürgertum getragene Epoche der Musik mitgewirkt. zur Person
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Herausgeber*in
Wolfgang Hirschmann
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Generalbassaussetzer*in
Wolfgang Hirschmann
Rezensionen
GEORG PHILIPP TELEMANN:
GEORG PHILIPP TELEMANN: Konzert in A für Viola da Gamba
Der vorliegende Band der „Stuttgarter Ausgaben” aus dem Telemann-Archiv des Carus-Verlags zeigt anschaulich, dass sich praktischer Nutzwert und wissenschaftlicher Editionsanspruch einer Neuausgabe keineswegs widersprechen müssen. Wolfgang Hirschmann, der als Herausgeber verantwortlich zeichnet, ist als Telemann-Kapazität bekannt und macht den Benutzer in einem informativen (dreisprachigen) Vorwort gleichermaßen mit Quellenlage, historischem StelIenwert und aufführungspraktischen Voraussetzungen dieses reizvollen Konzerts vertraut, das bislang lediglich in einigen wenigen, offenbar im Lichtpausverfahren hergestellten Kopien aus den fünfziger Jahren zugänglich war.
Als Basis diente eine Abschrift aus den Telemann-Beständen der Bentheim-Tecklenburgischen Hofkapelle auf Schloss Rheda, die sich heute in der Universitätsbibliothek Münster befindet. Es handelt sich um ein Concerto á 4 mit zwei Ripieno-Geigen und Generalbass. Die Solo-Stimme trägt die vieldeutige Bezeichnung „Violetta”, ist aber, wie Hirschmann an markanten Beispielen überzeugend aufzeigt, mit großer Wahrscheinlichkeit für eine Viola da gamba in deutsch-italienischer Terz-Quart-Stimmung gedacht. Eine Ausführung auf Bratsche oder Cello ist zwar denkbar, liegt aber grifftechnisch und klanglich (vor allem im Hinblick auf die Verwendung leerer Saiten) deutlich ungünstiger. Die Solo-Stimme ist in der Partitur deshalb quellengetreu im Tenorschüssel wiedergegeben, das Stimmenmaterial (das mir nicht vorliegt) stellt darüber hinaus auch eine Stimme im Altschlüssel zur Verfügung. Die Komposition ist technisch dankbar, aber nicht allzu schwer, weshalb sie auch für Cellisten, die gelegentlich auf der Gambe dilettieren, eine willkommene Repertoire-Erweiterung darstellen dürfte. Für professionelle Gambisten bedeutet das Stück wohl ohnehin eine kleine Sensation: Ist es doch Telemanns einziges bisher bekanntes Solo-Konzert für dieses Instrument und nicht zuletzt ein weiterer Beweis dafür, dass die Gambe auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts trotz zunehmender Konkurrenz durch das klangmächtigere Cello noch keineswegs ausgestorben war.
Stilistisch zeigt es in Besetzung, viersätziger Anlage und gelegentlichen kontrapunktischen Anreicherungen der „klassischen” Ritornell-Abfolge eine für Telemann typische Nähe zur Triosonate. Hirschmann belässt es auch hier nicht bei Andeutungen, sondern schafft mit zahlreichen Hinweisen auf weiterführende Literatur Anreize und Möglichkeiten zur Vertiefung des musikalischen Verständnisses.
Die praktische Einrichtung des Notentextes ist vorbildlich und erlaubt eine genaue Unterscheidung zwischen Original-Notation und Herausgeber-Zusätzen. Die Generalbass-Aussetzung folgt den Richtlinien von Telemanns eigenen Singe-, Spiel- und Generalbass-Übungen, für mögliche Verzierungen (die nur äußerst sparsam ergänzt sind) wird auf die Prinzipien der Zwölf Methodischen Sonaten verwiesen. Eine Faksimile-Seite der Solo-Stimme gibt Einblick in die Notationsweise des Quellenmaterials, und auch ein kleiner kritischer Bericht mit Anmerkungen zu einzelnen Änderungen fehlt nicht. Weitere aufführungspraktische Hinweise (wiederum mit zeitgenössischen Zitaten und Literaturangaben) vervollständigen den insgesamt sehr nützlichen „Service-Teil”. [ ]
Joachim Schwarz
Quelle: Das Orchester 2/1996, S. 65/66