Turandot
Dramma lirico in tre atti e cinque quadri. Finale: Deborah Burton SC 91, 1923/24, Finale 2022
Mit seiner unvollendeten Märchenoper Turandot hat Giacomo Puccini der Nachwelt einige Rätsel hinterlassen. So fehlt dem Werk, das erst nach Puccinis Tod uraufgeführt wurde, ein vollständiger Schluss. Aufführungspraktische Änderungen oder Korrekturen, wie Puccini sie üblicherweise während einer Produktion und nach der Uraufführung in die Partituren seiner Opern einzuarbeiten pflegte, gibt es nicht.
Turandot ist ein Werk, für das sich im Laufe der Zeit viele fehlerhafte Lesarten und Widersprüchlichkeiten etabliert haben. Carus bietet Opernensembles eine moderne Edition der Oper mit musikpraktischem Fokus: klar und gut organisiertes Aufführungsmaterial mit einem von tradierten Fehlern bereinigten Notentext, ergänzten Vortragsanweisungen, einheitlichen Studierziffern und einer konsistenten Artikulation und Dynamik. Herausgeber ist der italienische Dirigent und Musikwissenschaftler Andreas Gies.
Das Burton-Finale: Puccinis wiederentdeckte dramaturgische Vision?
Diese Ausgabe enthält als Schluss die Vervollständigung der amerikanischen Musikwissenschaftlerin und Puccini-Expertin Deborah Burton aus dem Jahr 2022 – die erste, die auf neu entdecktem Material von Puccini basiert. Burton hatte Einblick in zuvor unbekannte autographe Skizzen aus einer Privatsammlung, die weder Franco Alfano noch späteren Bearbeitern zur Verfügung standen. Ergänzend konnte sie weiteres Skizzenmaterial aus dem Puccini-Archiv in Torre del Lago nutzen.
Burton entwickelte eine systematische Methodik: eigene Transkription der Skizzen, Vergleich mit den vorhandenen Transkriptionen sowie mit Quellen und Berichten aus der Entstehungszeit. Ihr Ziel war es, soviel musikalisches Material von Puccinis eigener Hand wie möglich zu verwenden. Wo die Skizzen Lücken ließen, orientierte sie sich an vergleichbaren dramatischen Momenten aus Puccinis früheren Meisterwerken und an der charakteristischen Klangsprache von Turandot. Ihre Version des Finales, orchestriert von Jeff Atmajian, kommt damit der ursprünglichen dramaturgischen Vision des Komponisten wesentlich näher.
Das passende Aufführungsmaterial ist leihweise erhältlich.
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Giacomo Puccini
| 1858-1924Giacomo Puccini entstammt einer Dynastie von in der toskanischen Stadt Lucca wirkenden Kirchenmusikern. Noch seine 1880 dort uraufgeführte Messa a 4 con orchestra schien auch ihn auf diesem Weg zu zeigen, doch unmittelbar darauf ging er an das Mailänder Konservatorium mit dem Ziel, Opernkomponist zu werden. Als Studienarbeiten entstanden dort seine einzigen selbstständigen Orchesterstücke Preludio sinfonico (1882) und Capriccio sinfonico (1883) sowie bereits einige seiner 16 vollständig erhaltenen Klavierlieder (Canti), die er mit häufigen Bezügen zu seinen Opern beinahe während seines ganzen Schaffens komponierte. Den Durchbruch als Opernkomponist erzielte er mit Manon Lescaut (1893); zwischen 1893 und 1904 entstanden seine bis heute meistgespielten Werke La Bohème, Tosca und Madama Butterfly. In den letzten Jahren erwuchs die Erkenntnis, dass Puccinis Gesamtwerk einer Neubewertung bedarf. So wird er zunehmend als ein den Aufbruch in die Moderne suchender Musiker verstanden. zur Person
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Textdichter*in
Renato Simoni
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Textdichter*in
Giuseppe Adami
| 1878-1946
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Bearbeiter*in
Deborah Burton
| 1954