Giacomo Puccini / Franco Alfano (arr.): Turandot - Noten | Carus-Verlag

Giacomo Puccini / Franco Alfano (arr.) Turandot

Dramma lirico in tre atti e cinque quadri. Finale: Franco Alfano (II) SC 91, 1923/24

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Mit seiner unvollendeten Märchenoper Turandot hat Giacomo Puccini der Nachwelt einige Rätsel hinterlassen. So fehlt dem Werk, das erst nach Puccinis Tod uraufgeführt wurde, ein vollständiger Schluss. Aufführungspraktische Änderungen oder Korrekturen, wie Puccini sie üblicherweise während einer Produktion und nach der Uraufführung in die Partituren seiner Opern einzuarbeiten pflegte, gibt es nicht.

Turandot ist ein Werk, für das sich im Laufe der Zeit viele fehlerhafte Lesarten und Widersprüchlichkeiten etabliert haben. Carus bietet Opernensembles eine moderne Edition der Oper mit musikpraktischem Fokus: klar und gut organisiertes Aufführungsmaterial mit einem von tradierten Fehlern bereinigten Notentext, ergänzten Vortragsanweisungen, einheitlichen Studierziffern und einer konsistenten Artikulation und Dynamik. Herausgeber ist der italienische Dirigent und Musikwissenschaftler Andreas Gies.

Das Alfano-Finale: Entstehung unter Druck

Diese Ausgabe enthält als Schluss die gebräuchliche zweite Fassung des Finales von Franco Alfano (1926). Nach Puccinis Tod stand sein Verleger vor der Herausforderung, einen Komponisten für die Vollendung der Oper zu finden. Die Wahl fiel auf Alfano, der bereits mit exotischen Stoffen vertraut und Puccini persönlich verbunden gewesen war.

Alfano erarbeitete zunächst eine ausführliche erste Fassung für ein Ende der Oper, in der Turandots psychologische Verwandlung schrittweise nachvollziehbar wird. Toscanini, Dirigent der Mailänder Premiere, lehnte diese jedoch als zu lang und zu „persönlich“ ab. Der eigene Stil Alfanos war ihm zu dominant. Unter enormem Zeitdruck musste Alfano erheblich kürzen und etwa zwei Drittel neu schreiben, die zweite Fassung entstand.

Bei der Uraufführung am 25. April 1926 brach Toscanini die Vorstellung nach Liùs Tod ab. Erst ab dem zweiten Abend erklang Alfanos zweites Finale – eine Lösung, die seitdem auf den meisten Bühnen etabliert ist.

Das passende Aufführungsmaterial ist leihweise erhältlich.

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Dirigierpartitur, leihweise, Vorwort auf Dt., Engl., Ital. Carus 56.203/00 456 Seiten, 25,2 x 35,0 cm, kartoniert voraussichtlich lieferbar ab 11/2026
Klavierauszug, leihweise Carus 56.203/03 DIN A4 voraussichtlich lieferbar ab 11/2026
Stimmenset, Komplettes Orchestermaterial, leihweise, auch digital erhältlich Carus 56.203/19 899 Seiten, 23 x 32 cm voraussichtlich lieferbar ab 11/2026
Dirigierpartitur digital, PDF-Datei, leihweise Carus 56.203/00-010-000 414 Seiten, 25,2 x 35,0 cm voraussichtlich lieferbar ab 11/2026
Klavierauszug digital, PDF-Datei, leihweise Carus 56.203/03-010-000 voraussichtlich lieferbar ab 11/2026
Der unbekannte Prinz Calaf gelangt nach Peking, wo er seinen lange verloren geglaubten Vater Timur wiedertrifft, der von der Sklavin Liù begleitet wird. In der Kaiserstadt herrscht die erbarmungslose Prinzessin Turandot. Sie wird von heiratswilligen Prinzen umworben. Turandots Bedingung für ihr Jawort: Der Bewerber muss drei Rätsel lösen. Wer scheitert, wird hingerichtet. Calaf verliebt sich trotz aller Warnungen in Turandot und stellt sich der Herausforderung. Er löst alle drei Rätsel, sehr zum Entsetzen der Prinzessin, die sich dennoch weigert, ihn zu heiraten. Calaf bietet ihr daraufhin selbst ein Rätsel an: Wenn sie bis zum Morgengrauen seinen Namen herausfindet, darf sie ihn töten. Turandot lässt das ganze Volk unter Todesandrohung nach dem Namen des Fremden suchen. Dabei werden Timur und Liù gefasst. Um Calaf zu schützen, behauptet Liù, als einzige seinen Namen zu kennen. Unter der Folter schweigt sie standhaft und bekennt ihre heimliche Liebe zu Calaf, bevor sie sich selbst tötet. Calaf küsst nun die sich noch widersetzende Turandot und offenbart ihr freiwillig seinen Namen, wodurch er sich ihr völlig ausliefert. Als der Morgen dämmert, verkündet Turandot vor dem versammelten Volk, dass der Name des Fremden „Liebe“ sei und nimmt Calaf als ihren Partner an.
  • Giacomo Puccini entstammt einer Dynastie von in der toskanischen Stadt Lucca wirkenden Kirchenmusikern. Noch seine 1880 dort uraufgeführte Messa a 4 con orchestra schien auch ihn auf diesem Weg zu zeigen, doch unmittelbar darauf ging er an das Mailänder Konservatorium mit dem Ziel, Opernkomponist zu werden. Als Studienarbeiten entstanden dort seine einzigen selbstständigen Orchesterstücke Preludio sinfonico (1882) und Capriccio sinfonico (1883) sowie bereits einige seiner 16 vollständig erhaltenen Klavierlieder (Canti), die er mit häufigen Bezügen zu seinen Opern beinahe während seines ganzen Schaffens komponierte. Den Durchbruch als Opernkomponist erzielte er mit Manon Lescaut (1893); zwischen 1893 und 1904 entstanden seine bis heute meistgespielten Werke La Bohème, Tosca und Madama Butterfly. In den letzten Jahren erwuchs die Erkenntnis, dass Puccinis Gesamtwerk einer Neubewertung bedarf. So wird er zunehmend als ein den Aufbruch in die Moderne suchender Musiker verstanden. zur Person
  • Andreas Gies, als Sohn italienisch-deutscher Eltern geboren, studierte Flöte, Klavier, Komposition, Gesang und Dirigieren an den Konservatorien in Castelfranco, Venedig und Mailand. Nach einem Bachelor- und zwei Master-Abschlüssen besuchte er Meisterkurse bei renommierten Dirigenten wie M. Beltrami und D. Gatti. Gies war Assistenzdirigent an Theatern wie La Fenice di Venezia und Regio di Torino. Im Jahr 2019 gewann er den „Premio Nazionale delle Arti“ und dirigierte das Orchester „La Verdi“ in Mailand. Er dirigierte Uraufführungen und Aufführungen in Mailand, Nizza, Novara und Sofia.

    Als Komponist hat Gies mehrere Wettbewerbe gewonnen und seine Werke wurden von großen Orchestern in den USA und Italien aufgeführt. In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftler C. Orselli gibt er außerdem kritische Ausgaben weniger bekannter italienischer Opern heraus. Zu seinen Kompositionen gehören Stücke für Kammermusikgruppen, Orchester und Kammeropern.

    zur Person

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Häufige Fragen zum Werk

Welche Schlaginstrumente sind unter Percussion zusammengefasst?

In „Turandot“ sind folgende Schlaginstrumente besetzt: Triangel, Trommel, Große Trommel, Becken, Tam-Tam, Gongs Cinesi, Glockenspiel, Xylophon und Bass-Xylophon, Röhrenglocken. Für die Bühnenmusik werden außerdem eine Holztrommel (Tamburo di legno) sowie ein schwerer Gong (alternativ Tam-Tam) benötigt. Alle Schlaginstrumente in „Turandot“ werden in einer Spielpartitur angeboten. Diese enthält zur Orientierung außerdem auch die Paukenstimme. Es werden sieben Perkussionist*innen zusätzlich zu den Pauken benötigt. Die Perkussionsstimme wird in entsprechender Anzahl dem Set beigelegt. Das Finale von Deborah Burton sieht, zusätzlich zu den Pauken, folgende Schlaginstrumente vor: Triangel und kleine Triangel, Große Trommel, Becken (auch hängend), Fingerzimbeln (Cimbalini), Tamburin, Tam-Tam und kleines Tam-Tam, Gongs Cinesi, Glockenspiel, Xylophon und Röhrenglocken.
In puncto Finale stehen zwei Optionen für einen komplettierenden Schluss zur Auswahl: Zum einen die heute übliche, zweite Fassung des von Franco Alfano 1926 nach Puccinis Tod komponierten Schlusses. Alternativ ein rekonstruiertes Finale der amerikanischen Musikwissenschaftlerin und Puccini-Forscherin Deborah Burton von 2022. Die Dirigierpartitur Carus 56.205/00 enthält beide Finali und ist ideal für den Vergleich. Ist die Entscheidung für eines der Finali gefallen, wird das Leihmaterial mit dem entsprechenden Finale ausgeliefert: „Turandot“ mit dem Finale Alfano II (Carus 56.203) oder „Turandot“ mit dem Finale Burton (Carus 56.204). Es besteht außerdem die Möglichkeit, nur von dem Finale von Deborah Burton die Dirigierpartitur (Carus 56.250/00), und den Klavierauszug zu kaufen (Carus 56.250/03). Das Aufführungsmaterial ist individuell mit dem jeweils gewünschten Finale leihweise erhältlich.
Alfanos zweite Fassung dauert ca. 10–12 Minuten, Burtons Rekonstruktion ca. 17–20 Minuten. Burton folgt Puccinis Skizzen konsequenter und gestaltet insbesondere die Verwandlung Turandots ausführlicher aus.
Beide Finali bewegen sich im Rahmen von Puccinis Orchesterbesetzung für „Turandot“. In Burtons Finale kommen wenige Instrumente neu dazu: die Bassklarinette wechselt zu Klarinette III in Bb, in der Bühnenmusik ist außerdem für einen kurzen Abschnitt auch ein Klavier erforderlich. Siehe außerdem die Hinweise zum Schlagwerk.
Beide Finali beginnen nach Liùs Tod. Der Einsatzpunkt ist identisch, Akt III Studienziffer 35.
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