Geistliche Gesänge
Inhaltsverzeichnis
-
Komponist*in
Heinrich von Herzogenberg
| 1843-1900Heinrich von Herzogenberg, geb. 1843 in Graz, gest. 1900 in Wiesbaden. Jura und Philosophiestudium in Wien, später Student am dortigen Konservatorium; 1874 Mitbegründer und zeitweise Leiter des Bach-Vereins in Leipzig; 1885 Direktor der Kompositonsabteilung der Königlichen Musikhochschule in Berlin; enger Freund von Johannes Brahms. Seine Motetten und Kirchenoratorien belegen sein kontrapunktisches Können. zur Person
-
Herausgeber*in
Konrad Klek
Rezensionen
Musica Sacra 1/2005
Heinrich von Herzogenberg: Geistliche Gesänge op. 89
(mcd) Eine in jeder Hinsicht erfreuliche Neuerscheinung ist die Neuausgabe der Geistlichen Gesänge op. 89 von Heinrich von Herzogenberg. Der Brahmsfreund, zumeist durch sein Weihnachtsoratorium „Die Geburt Christi” bekannt, vertonte 1895 vier geistliche Gedichte für hohe Singstimme, Solovioline und Orgel.
Die vier Stücke sind gut auszuführen, die Melodien sehr sanglich. Lediglich die Wahl der Tonart Fis-Dur für Mörikes Gebet wird nicht jeden Organisten begeistern. Die Edition ist insgesamt vorbildlich, das Notenbild übersichtlich und klar gedruckt. Der Partitur, die mit einem informativen Nachwort und einem kleinen kritischen Bericht versehen ist, ist eine Violinstimme beigelegt. Für Kasualien wie Konzerte sind Herzogenbergs Gesänge hervorragend geeignet und man wünscht der Edition viele Käufer!
Quelle: Musica Sacra 1/2005
Eine erfreuliche Wiederentdeckung bieten diese reizvollen Originalkompositionen für eine eher seltene Besetzung. Sie sind zum einen eine willkommene Abwechslung zu den zahlenmäßig stärker vertretenen Bearbeitungen von Kunstliedern für Orgel (prominentes Beispiel: Regers Bearbeitungen der Wolf-Lieder) bzw. den zahlreichen, qualitativ jedoch höchst unterschiedlichen Beiträgen weniger bekannter „Tonsetzer” jener Zeit aus dem Bereich Geistliche Sologesänge. Es handelt sich hierbei, wie der Herausgeber zurecht betont, um eine reizvolle Transformation des Kunstliedes in die geistliche Sphäre, was die Verwendung der Violine (Konnotation als „Engelsinstrument”!) als (weitestgehend zurückhaltenden) Partner der Singstimme noch zudem unterstreicht. Texte, die bereits aus anderem Kontext bekannt sind (etwa Mörikes „Gebet”, Eichendorffs „Einsiedler” und „Flucht der Heiligen Familie”) wurden hier in einer im wahrsten Sinne des Wortes unverbrauchten, schlichten und zu Herzen gehenden Weise vertont. Die qualitativ sehr gute Ausgabe sei deshalb wärmstens empfohlen.
Michael F. Runowski
Quelle: Forum Kirchenmusik Jan/Feb 2006, S. 42