Johann Adolf Hasse: Sechs Sonaten - Noten | Carus-Verlag

Johann Adolf Hasse Sechs Sonaten

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Sammlung Carus 40.596/00, ISMN 979-0-007-07275-9 52 Seiten, DIN A4, kartoniert
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JOHANN ADOLF HASSE: Sechs Sonaten für Cembalo (Klavier)

JOHANN ADOLF HASSE: Sechs Sonaten für Cembalo (Klavier)

Der im 18. Jahrhundert hochberühmte, erfolgreiche und vergötterte Johann Adolf Hasse ist später mehr oder weniger in Vergessenheit geraten, in den Kanon der großen Namen, der lange Zeit das Bewusstsein von der Epoche bestimmte, wurde er nicht aufgenommen. Seine musikgeschichtliche Bewertung fällt schwer, obwohl, vielleicht auch: gerade weil der Komponist für seine Zeit als in gewissem Sinne repräsentativ gelten kann. Ansätze der neueren Musikgeschichtsschreibung, wie das Aufgeben der einseitigen Fixierung auf „Heroen” oder die sich intensivierende Opernforschung, waren günstige Voraussetzungen für eine Beschäftigung mit Hasse, für den Beginn der Aufarbeitung eines Mythos. Nach wichtigen Vorarbeiten einzelner Forscher bezeichnete der 1983 in Siena abgehaltene Hasse-Kongress (vgl. Analecta musicologica 25) einen ersten Höhepunkt der neuen Bestrebungen. Neuerdings schafft der Carus-Verlag im Rahmen seines Schwerpunktes „Barockmusik am Dresdner Hof” weitere günstige Voraussetzungen für Wissenschaft und Praxis. [ ]
Wie viele seiner Zeitgenossen war Hasse primär ein Vokalkomponist; Instrumentalkompositionen treten demgegenüber in den Hintergrund. Um so dankbarer wird man die Neuausgabe der sechs Cembalosonaten registrieren, die 1758 als op. VII bei Walsh in London gedruckt worden waren. Wie so oft gerade bei Instrumentalsammlungen der Zeit sind Zeitpunkt und Bestimmung der Kompositionen völlig unbekannt. Neuerdings wird für die Sonaten sogar eine „Vor-Dresdener Entstehungszeit”, also vor 1734, reklamiert (Ortrun Landmann in: Analecta musicologica 25, 1987, S. 486). Das stilistische und formale Bild der Sonaten ist uneinheitlich. In seinem Vorwort zieht der Herausgeber daraus unter anderem den Schluss, es sei ein „ziemlich ausgedehnter Entstehungszeitraum” anzunehmen, und lässt gar Zweifel an der völligen Authentizität der Sammlung zu. Vielleicht ist aber ein anderer Aspekt, der ebenfalls im Vorwort angedeutet wird, wichtiger, der der stilistischen Buntheit als Selbstverständlichkeit; was der Historiker als Nebeneinander von Momenten der Suite, der Kirchen- und Kammersonate, von klavieristischen Spielpraktiken und gebundenen, zur neueren Sonate weisenden Formen klassifiziert, lässt sich durchaus auch in der Klaviermusik anderer Komponisten der Jahrhundertmitte beobachten.
Das Notenbild der sympathischerweise im originalen Querformat vorgelegten Sonaten ist [ ] behutsam modernisiert. Alle Veränderungen und Eingriffe sind im Kritischen Bericht dokumentiert, ihr Ausmaß kann man sich anhand einiger beigegebener Faksimileseiten leicht verdeutlichen. Ohnehin rechnet der Herausgeber mit einem mündigen Benutzer der Ausgabe: Vorangestellt sind umfangreiche und detaillierte Hinweise zur Ausführung, vor allem zu den Vorschlägen und zu den ad hoc anzubringenden Verzierungen, was den Notentext vor entsprechenden Zusätzen, damit aber auch eindeutigen Festlegungen bewahrt.

Reinhard Wiesend
Quelle: Die Musikforschung 2/1991, S. 198-199

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