-
Komponist*in
Johann Friedrich Reichardt
| 1752-1814
-
Textdichter*in
Matthias Claudius
| 1740-1815
Rezensionen
Johann Friedrich Reichardt: Weihnachtskantilene
Johann Friedrich Reichardt: Weihnachtskantilene
[rk] Johann Friedrich Reichardt (1752–1814) war ein persönlicher Freund von Matthias Claudius. Eine Frucht dieser Freundschaft ist die Weihnachtskantilene (1) von 1784. Allerdings stammt nicht der ganze Text von Claudius: die fünf Choräle sind der Tradition entnommen, die Texte der ebenfalls fünf Chorsätze sind meist eng an den biblischen Wortlaut angelehnt. Bleiben noch drei Rezitative, zwei Arien und ein Duett, deren Text Claudius geschaffen hat. Der Chorpart ist vierstimmig konzipiert und liegt sehr hoch. Zwei Chorsätze sind doppelchörig angelegt, in beiden Fällen kann eine Gruppe fortgeschrittener Kinderchorkinder oder die Jugendkantorei den Chor 1 übernehmen. In Nr. 5 „Im Anfang war das Wort” singt eine Frauen- und eine Männerstimme Chor 1 unisono (auf die Männerstimme kann man notfalls verzichten), Nr. 15 „Wir wollen seine Krippe schmücken” sieht vier Soprane im Chor 1 vor, wobei drei und vier in Altlage singen. Der musikalische Satz ist bewusst einfach gehalten, in den Chorälen kommen nur Ganze, Halbe und Durchgangsviertel vor. Die Aufgaben der Soli halten sich in Grenzen, zum Orchester kann ich aus dem Klavierauszug wenig herauslesen. Letzterer ist sehr spielfreudig gearbeitet und bietet einen guten Überblick. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 30 Minuten.
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 6/2004
Johann Friedrich Reichardt: Weihnachtskantilene
Was zuerst auffällt: die exzellent besorgte Ausgabe – bevor man zum Notentext vorstößt, kommt man an viel Text und Faksimile vorbei. Man erfährt Wissenswertes zum Stück und zum Komponisten: nicht nur, dass er tatsächlich 1500 Lieder geschrieben hat, etc., sondern auch kurioserweise, dass die „Weihnachtskantilene” (die eigentlich eine Kantate für Soli, Chor und Orchester ist und fast eine halbe Stunde dauert!) 1784 in einem Pariser Hotel zur Uraufführung gelangte...
Die Texte sind immerhin von Matthias Claudius – zunächst nach biblischer Vorlage vom Gesang der Engel „Euch ist heute der Heiland geboren” bis zur Anbetung der Weisen. Daran schließen sich Choräle und recht barocke Betrachtungen an. Die Musik changiert reizvoll zwischen barocken (Rezitative) und klassischen Elementen (Arien und „Am Anfang war das Wort”) – am ehesten vielleicht den Oratorien von C. Ph. E. Bach vergleichbar. Der Chor ist zwar umfangreich, aber eigentlich unvirtuos und meist homophon beschäftigt. Jedoch bietet sich eine Aufführung in historischer Kammertonhöhe an: andernfalls haben die Chorbässe öfters das hohe „f” zu erklimmen. Außerdem ist später ein vierstimmiger Frauenchor vonnöten. Die Musik ist wirklich inspiriert – eine (Wieder-)Entdeckung wäre lohnend und erfreulich, gerade auch als Alternative zu allzu Bekanntem!
Thomas Schmitz
Quelle: Kirchenmusikalische Mitteilungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart 113/2002, S. 38
Eine erfreuliche Mitteilung ist den Mitgliedern der Claudius-Gesellschaft, den Musikerinnen und Musikinteressierten zu machen: dass im Sommer letzten Jahres im renommierten Stuttgarter Carus-Verlag die „Weihnachtskantilene” von Johann Friedrich Reichardt nach dem Text von Matthias Claudius erschienen ist, und zwar als Komplettedition, umfassend Partitur, Klavierauszug (angefertigt von Paul Horn) und das Aufführungsrnaterial: Chorpartitur und Instrumentalstimmen. Als Herausgeber zeichnen die in ihrem jeweiligen Fach bestens ausgewiesenen Hermann Patsch (für den Text, sein literarhistorisches Umfeld und die frühe Rezeption der Komposition) und Matthias Walz (für den Notentext i.e.S.).
[...] Es erfreut jeden Musiker, dass wegen der Umsicht und der Kompetenz beider Editoren und im Hinblick auf die Ausstattung der Ausgabe, insbesondere der Partitur, kaum ein Wunsch offen bleibt: H. Patsch hat ein seine Forschungen konzis zusammenfassendes Vorwort geschrieben, das in gekürzter Form erfreulicherweise auch in englischer und französischer Übersetzung abgedruckt wird. Matthias Walz hat einen knappen und sorgfältigen Kritischen Bericht beigesteuert, der über die Quellenlage und in Einzelhinweisen über den Notentext Auskunft gibt. Schließlich seien noch lobend und dankbar die weiteren Beigaben aufgezählt: zwei sehr schön großformatige Stiche von Reichardt und Claudius und weitere Faksimiles: Recto und Verso des Titelblatts des ersten gedruckten Klavierauszugs, ein Faksimile des Textdrucks aus den „Werken” und schließlich zwei Seiten aus der Hauptquelle, der handschriftlichen Partitur, und aus der Erstausgabe des Klavierauszugs.
Michael Berg
Quelle: Jahresschrift der Claudius-Gesellschaft 2003