Missa in honorem Sancti Gotthardi
MH 530
Die Namensgebungen Michael Haydns Messen stehen in Beziehung zu dem konkreten Auftrag bzw. dem Widmungsträger der Komposition. So komponierte Haydn die „Missa in honorem Sti. Gotthardi“, auch „Admonter Messe“ genannt, für das Stift Admont in der Steiermark und dessen Abt Gotthard Kuglmayr. Die Messe verbindet formale Konzentration mit liturgischer Zweckbestimmung. Wie intensiv sich Haydn mit dem Genre beschäftigt hat, zeigt sich in der liedhaften Melodik, in der Einheitlichkeit des motivischen Materials und in dem ausgewogenen Zusammenklang von festlichen und lyrischen Abschnitten. Aufgrund ihrer Länge und ihrer orchestralen Besetzung entspricht diese Messe dem Typus der Missa solemnis. Fugen und fugierte Sätze fehlen gänzlich, wie überhaupt auf eine kontrapunktische bzw. imitatorische Gestaltung verzichtet wird. Damit kommt Haydn der geforderten Verständlichkeit des liturgischen Textes entgegen.
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Zusatzinformationen zum Werk
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Komponist*in
Johann Michael Haydn
| 1737-1806Johann Michael Haydn wirkte ab 1763 am renommierten geistlichen Fürstenhof in Salzburg. Stilistisch schlug er in seinem 43-jährigen dortigen Wirken die Brücke von der Frühklassik zum musikalischen Biedermeier. Entsprechend seinen dienstlichen Verpflichtungen hat Haydn praktisch zu allen in der katholischen Liturgie gepflegten Gattungen beigetragen: Das Wissen um die liturgische Funktion und die musikalische Ausdeutung der religiösen Texte zeichnet Haydns Kirchenmusik aus. Johann Michael Haydn wurde von den Zeitgenossen zunächst als gleichberechtigt neben Joseph Haydn gesehen. Erst der steile Aufstieg des älteren Bruders zum bedeutendsten Instrumentalkomponisten der Zeit rückte Johann Michael Haydn in den Schatten, aus dem ihn die musikalische Entdeckerfreude der letzten Jahre zunehmend herausholt. zur Person
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Herausgeber*in
Armin Kircher
| 1966-2015Armin Kircher leitete bis zu seinem Tod das Kirchenmusikreferat der Erzdiözese Salzburg und war seit 1992 organisatorischer Leiter der Österreichischen Werkwoche für Kirchenmusik. Außerdem war Armin Kircher Stiftskapellmeister an der Stiftskirche St. Peter in Salzburg und Organist an der Kajetanerkirche in Salzburg. Die besondere editorische Zuwendung Kirchers galt der liturgischen Musik sowie der Musik der Wiener Klassik, allen voran der noch unerschlossenen Musik Johann Michael Haydns, dessen zahlreiche Messkompositionen er für die heutige Zeit in wissenschaftlichen Ausgaben erschloss. Die von ihm herausgegebenen Sammlungen für die katholische Liturgie sind heute Standardwerke, insbesondere die Chorbücher Mozart – Haydn, das Chorbuch Kirchenjahr und die Veröffentlichungen für Orgel und Chöre zum neuen katholischen Gesangbuch „Gotteslob“. Auch als Arrangeur klangschöner Chor- und Orgel-Sätze hat sich Armin Kircher einen Namen gemacht. zur Person
Rezensionen
[...] Trotz ihrer Länge gehört die Missa (insgesamt 972 Takte) mit einer Aufführungsdauer von 35 Minuten zu den besten Messvertonung Haydns. Auffallend ist auch die Ausdehnung des „Dona nobis pacem” mit 293 Takten (und einem Kürzungsvorschlag des Herausgebers) sowie das pathetisch langsame Tempo im Kyrie (Largo/Adagio). Die prachtvolle Messe verdient es, in ihrer instrumentalen Farbigkeit und souveränen Chorbehandlung für Konzert und Liturgie wiederentdeckt zu werden.
Kirchenmusikalische Mitteilungen der Erzdiözese Freiburg, Nov. 2010