Kammermusik I. Musikalische Werke, Bd. VI/1
Der erste Band der neuen Kritischen Ausgabe enthält die komplette Kammermusik ohne Klavier. Die gewichtigste Werkgruppe bilden die Streichquartette, von denen 10 überliefert sind. Entstanden sind die Werke in den 1770er Jahren, als Haydn gerade die Gattung ausprägte. Die jeweils unterschiedliche Gewichtung so verschiedener musikalischer Mittel wie imitatorische Stimmeneinsätze, "galante" Melodik, schneller Bewegungswechsel und überraschende Modulationen verleihen jedem der Quartette seinen spezifischen Reiz. Dass sechs davon 1784 als Kraus' "Opus 1" im Verlag J. J. Hummel erschienen, zeigt, dass der Komponist selbst von seinen Quartetten überzeugt war. Mit dem Flötenquintett enthält der Band ein weiteres Schlüsselwerk von Kraus' Kammermusik. Um 1783 in Wien entstanden und auch handschriftlich veröffentlicht, wurde das Werk 1799 von Ignaz Pleyel in Paris gedruckt.
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Zusatzinformationen zum Werk
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Joseph Martin Kraus
| 1756-1792Zu den musikalisch originellsten Zeitgenossen Mozarts zählt der im selben Jahr geborene Joseph Martin Kraus, der den Wiener Klassiker nur um ein Jahr überlebt hat. Außer dieser nahezu identischen Lebensspanne bestehen zwischen beiden weder stilistische noch biographische Analogien. Geboren 1756 in Miltenberg am Main, studierte Kraus in Mainz, Erfurt und Göttingen Jura mit dem Ziel, wie sein Vater Beamter in Mainzer kurfürstlichen Diensten zu werden. Erste kompositorische Versuche hatten bereits während der Gymnasialzeit in Mannheim stattgefunden, Kirchenmusik entstand vom Zwanzigjährigen während einer Studienunterbrechung in Buchen im Odenwald, wohin sein Vater bald nach der Geburt von Kraus versetzt worden war. In Göttingen schien dann der Entschluss gereift zu sein, sich ganz der Musik zu widmen. Ein schwedischer Kommilitone bewog Kraus, 1778 mit ihm nach Stockholm zu übersiedeln. Nach drei entbehrungsreichen Jahren veranlasste der Erfolg seiner Erstlingsoper "Proserpine" den kunstbegeisterten König Gustav III. Kraus zum königlicher Kapellmeister zu ernennen, verbunden mit dem Auftrag, die musikalischen Theater- und Ausbildungsverhältnisse in den wichtigsten Zentren Europas zu studieren. Eine für den Komponisten Kraus bedeutsame Station auf einer sich anschließenden vierjährigen Reise (Herbst 1782 bis Ende 1786) war der halbjährige Aufenthalt in Wien, wo er Gluck, Haydn, Albrechtsberger und Salieri aufsuchte, anscheinend aber nicht den damals schon bekannten Mozart, was auch etwas über Kraus' musikalische Orientierung aussagt. Ein enormes Arbeitspensum erwartete Joseph Martin Kraus nach seiner Rückkehr: Seine wichtigste Aufgabe war die Neuorganisation des Musik- und Theaterwesens und die Komposition und Aufführung eigener Werke. Im März 1792 starb sein Förderer Gustav III. an den Folgen eines Attentats (Verdi machte es zum Inhalt seiner Oper "Ein Maskenball"), wenige Monate später, im Dezember 1792, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, erlag Joseph Martin Kraus am 15. Dezember in Stockholm der Lungenschwindsucht. zur Person
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Herausgeber*in
Sonja Gerlach