Rogier Michael: Die Empfängnis unsers Herren Jesu Christi - Noten | Carus-Verlag

Rogier Michael Die Empfängnis unsers Herren Jesu Christi

1602

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Dirigierpartitur Carus 40.403/00, ISMN 979-0-007-06671-0 32 Seiten, DIN A4, kartoniert
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  • Klaus Winkler wurde 1955 in Nürnberg geboren und studierte nach dem Abitur an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Schulmusik, Musikwissenschaft, Germanistik sowie Buch- und Druckwesen. Sein erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien absolvierte er 1979. Zwischen 1976 und 1980 studierte er parallel Soloposaune bei Prof. Armin Rosin in Stuttgart. Seine Promotion erlangte er 1982 mit dem Thema "Selbständige Instrumentalwerke mit Posaune in Oberitalien von 1590-1650. Ein Beitrag zur Frühgeschichte der Instrumentalsonate." Gleichzeitig absolvierte er 1982 das zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und ist seit 1983 im Schuldienst tätig. Seit 1999 ist er Direktor des Martin-Butzer-Gymnasiums Dierdorf der Evangelischen Kirche im Rheinland. Neben seiner schuldienstlichen Tätigkeit arbeitet er als Herausgeber, Bearbeiter und Komponist vor allem von Bläsermusik, veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten und gibt regelmäßig Konzerte. Außerdem ist er Mitarbeiter der Johann-Joseph-Fux-Gesamtausgabe. zur Person

Rezensionen

Rogier Michael

Rogier Michael: Historia von der Empfängnis unsers Herren Jesu Christi

Der 1554 wie Orlando di Lasso im belgischen Mons geborene Rogier Michael ist einer der letzten Vertreter niederländischen Vokalpolyphonie. Studienaufenthalte in Italien machten ihn mit dem neuen italienischen Stil vertraut, so dass sein Kompositionsstil eine frühe Verbindung zwischen venezianischer Klangentfaltung und polyphoner Schreibweise der ausgehenden Renaissance darstellt. Seine beiden Historienkompositionen (von der Empfängnis/ von der Geburt Jesu Christi) aus dem Jahre 1602 stehen in engem Zusammenhang mit Heinrich Schütz, der sein Nachfolger im Amt des Hofkapellmeisters am Dresdener Hof wurde und für dessen Historienkompositionen sie direktes Vorbild waren.
Ein sechsstimmiger Eingangs- und Schlusschor (SSATTB) bilden nach den Regeln der Rhetorik als Exordium und Conclusio den Rahmen für den biblischen Bericht der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria. Michael hat die Texte vermutlich selbständig aus den einleitenden Kapiteln des Johannes-, Lukas- und Matthäus-Evangelium kompiliert. Diese BibelberichtsteIlen werden in unbegleitetem Lektionston vom Evangelisten rezitiert. Die drei vorkommenden Soliloquenten (Maria, Engel Gabriel und Elisabeth) wurden durch genau charakterisierende Stimmkombinationen in figuralen Sätzen vertont. Die Darstellung von weiblichen Personen erfolgt sinngemäß in hellen Stimmkombinationen (2 Soprane, 2 Altus, Tenor).
Das Werk eignet sich hierdurch besonders für Chöre, denen Männerstimmen fehlen. Außerdem können dem Stil der Schütz-Zeit entsprechend colla-parte mitgehende Instrumente (etwa Violen, Blockflöten, Posaunen) die Vokalstimmen verdoppeln oder sogar ersetzen.

Andreas Großmann
Quelle: Kirchenmusik im Bistum Limburg 2/96, S. 47

Rogier, Michael (1554-1619): Historia von der Empfängnis unsers Herren Jesu Christi

In Sachsen und Thüringen entstand ab der Mitte des 16. Jahrhunderts der Brauch, an hohen Festtagen die Evangelien mit verteilten Rollen und eingeschobenen Chören aufzuführen. Außer für den Eingangs- und Schlusschor wurden ausschließlich Evangelientexte ausgewählt: Diese wurden nach einem Modell, dem sogenannten Lektionston eingerichtet und in Metten und Vespern vorgetragen. Michael Rogier stammte aus Mons und wirkte von 1587 bis 1617 als Kapellmeister an der Dresdener Hofkapelle, wo Heinrich Schütz sein Nachfolger wurde. Die „Historia von der Empfängnis unseres Herrn Jesu Christi” ist die bisher einzige überlieferte Vertonung dieses Textes, der dem jeweils ersten Kapitel des Lukas-, Matthäus- und Johannesevangeliums entnommen ist. Er wird vom Evangelisten im Lektionston des 1. Modus und im Wechsel mit den zwei- bis vierstimmig singenden Soliloquenten rezitiert. Eingefasst wird das Werk von zwei sechsstimmigen Chorsätzen.
Aufführungstechnisch stellt das Werk keine hohen Anforderungen: die Vokalpartien lassen sich variabel besetzen, da weder hohe Tenor, noch Sopranstimmen benötigt werden (höchster Ton in der vorliegenden Notation ist e’ bzw. e”). Nach damaliger Aufführungspraxis können Instrumente hinzutreten. Die musikalisch reizvollsten Teile sind die Ecksätze, etwas schematisch und dem Duktus des deutschen Textes nicht immer fließend angepasst ist die Evangelistenpartie. Insgesamt ein Werk, das eine Vesper oder ein geistliches Konzert zu einem Marienfest oder im Advent bereichern kann.

Reinhold Ix
Quelle: Musik im Bistum Essen III/95, S. 56

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