Das Auftragsmotto „Orgelmusik in Zeiten von Corona“ hat bei mir zwei Gedanken ausgelöst: Zum einen ein schicksalhaftes Anrufen „Hör mein Flehen, lass mich atmen ...“; zum anderen die Wendung „Finis coronat opus“ (Das Ende krönt das Werk), der barocke Ruf nach einer opulenten Schluss-Passacaglia. Das Werk zitiert zu Beginn den Cantus firmus „Welt, ich muss dich lassen“ als eine noch „diffus-ferne Erkenntnis“, das folgende Passacaglia-Thema generiert sich aus dem Ruf „Hör mein Flehen ...“, baut sich mehr und mehr auf und wächst zu einem Sturm heran, der den vollen Atem der Orgel verlangt. Am Ende steht die in gleißendes C-Dur-Licht getauchte Gewissheit: „Welt, ich muss dich lassen“.
Roland Kunz
Einzelausgabe aus dem Orgelbuch Orgelmusik in Zeiten von Corona (Carus 18.220/00)
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Komponist*in
Roland Kunz
| 1960Roland Kunz, geboren 1960 in Saarlouis, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Saarbrücken, bevor er ein Gesangsstudium in Holland und Frankfurt am Main absolvierte. Als Countertenor war er festes Mitglied zahlreicher Ensembles. Seit 1983 ist er Radiomoderator und Programmgestalter beim SR 2 KulturRadio, BR, SWR und WDR und engagiert sich in der Musikvermittlung. Er komponierte zahlreiche abendfüllende Werke, u.a. drei Oratorien „Der Seele Ruh“, „PAX!“ und „Hildegard“ sowie den Liedzyklus „nine-and-fifty-swans“, der für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert war. Für sein Wirken wurde er für den „Europäischen Radiopreis“ vorgeschlagen und erhielt den Kulturpreis der Stadt und des Landkreises Saarlouis. zur Person