Louis Spohr Des Heilands letzte Stunden

Passionsoratorium WoO 62, 1834-1835

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Es ist eine Entdeckung: Louis Spohrs Passionsoratorium Des Heilands letzte Stunden ist heute nahezu unbekannt. Unter dem Eindruck einer Aufführung von Bachs Matthäuspassion schrieb Spohr 1834 seine Passion, die das Geschehen aus einer ungewöhnlichen Perspektive berichtet: Der Jünger Johannes übernimmt die Funktion des unmittelbar am Geschehen beteiligten Erzählers. Zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, schildert er die Leidensgeschichte. Besonders bemerkenswert sind die Szenen vor dem Hohen Gericht des Kaiphas sowie vor dem Kreuz mit dem musikalisch ausgemalten Erdbeben.

Dieses große Passionsoratorium ist ein Juwel der geistlichen Chormusik des frühen 19. Jahrhunderts, das uns Frieder Bernius mit seinem Kammerchor Stuttgart sowie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen wieder zugänglich macht. Die sieben Solist*innen sind herausragend: Johanna Winkel, Maximilian Vogler, Florian Sievers, Arttu Kataja, Thomas E. Bauer sowie Felix Rathgeber und Magnus Piontek.

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  • Ouvertüre
  • Chor der Freunde und Freundinnen Jesu: Senke dich, stille Nacht
  • Rezit. (Johannes): So find ich endlich Freunde meines Herrn
  • Rezit. (Judas): Wohin? Wohin? Was scheut mein Blick?
  • Arie (Judas): Weh! Judas, weh über dich!
  • Rezit. (Maria): Wer bleibet sein, wenn ihm die Treue brechen
  • Arie (Maria) und Chor: Und wenn sie alle weichen, ich hange fest an dir
  • Rezit. (Johannes): Wer naht sich dort? Seht, welche düstre Schar
  • Rezit. (Johannes): Folgt mir! Wir treten dem Palaste näher
  • Arie (Petrus): Ewig fließet, meine Zähren
  • Rezit. (Maria): Auch, Petrus, du? – Du Fels, auf den er baute
  • Chor und Maria: Der du mit Allgewalt über dem Erdkreis thronst
  • Rezit. (Johannes): Die Pforten des Palastes tun sich auf
  • Chor der Priester, Philo und Zeugen: Lasst mit heiligem Erbeben
  • Rezit. (Johannes) und Solo-Quartett: Wir schwören! Wir schwören!
  • Rezit. (Nicodemus): Treu bin ich dem Gesetz, ihr wisst’s!
  • Rezit. (Joseph von Arimathia): Auch mir erschien er ein Prophet des Herrn
  • Chor der Priester und des Volks: Schmach! Schmach! Schmach!
  • Solo (Kaiphas) und Chor: Tief hinab zum Staube beugt mich der Frevel
  • Rezit. (Kaiphas und Jesus): Ich, der auf Moses heil’gem Stuhle thront
  • Rezit. (Nicodemus): Und keinem regt sich in der Brust ein Herz?
  • Chor der Priester und des Volks: Über uns komme sein Blut und über unsre Kinder!
  • Chor und Soli: Blicke, du strahlende Sonne, nicht so freundlich
  • Rezit. (Johannes): Wir stehn am Altar, wo das Lamm soll bluten
  • Chor der Priester und des Volks: Arzt, der allen half, hilf dir nun selber!
  • Rezit. (Johannes): Maria, hör auf ihn, nicht auf die Frevler!
  • Rezit. (Maria): Er denkt an mich! Er hat auf mich geblickt
  • Arie (Maria): Rufe aus der Welt voll Mängel
  • Solo-Terzett (Freundinnen Jesu): Jesus, himmlische Liebe!
  • Rezit. (Johannes): Blick hin: die letzte Stunde naht!
  • Chor: In seiner Todesnot dich zu ihm wende
  • Rezit. (Johannes), Solo-Quartett und Chor: Seht! Gott verlässt den nicht, der ihm vertraut
  • Chor der Priester und des Volks: Welch drohend Ungewitter
  • Rezit. (Joseph): Entflöht ihr auch dem Rächer in den Wolken
  • Joseph und Chor: Er war der Christ, der Sohn des Hochgelobten
  • Rezit. (Joseph): Den heil’gen Leichnam, nicht vom Tod entstellt
  • Chor der Freunde und Freundinnen Jesu: Wir drücken dir die Augen zu
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Compact Disc, 2 CDs Carus 83.540/00, EAN 4009350835405
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Inhaltsverzeichnis

  • Louis Spohr, geb. 1784 in Braunschweig, gest. 1859 in Kassel. Galt als einer der besten Violinisten, Dirigenten und Komponisten seiner Zeit. Er erhielt Violinunterricht seit seinem fünften Lebensjahr. Bereits 1799 Geiger in der Braunschweiger Hofkapelle, dann Konzertmeister in Gotha; 1812 – 1815 Kapellmeister in Wien; ab 1822 Hofkapellmeister in Kassel, empfohlen von C. M. v. Weber. Ausgedehnte Konzertreisen brachten ihn u. a. mit N. Paganini zusammen. Er hinterließ über 200 Werke, darunter viele A-cappella-Chöre. Sein Oratorium "Die letzten Dinge" (1826) wurde im 19. Jahrhundert hoch geschätzt. zur Person
  • Johann Friedrich Rochlitz war ein Leipziger Komponist, Dramatiker und Musikschriftsteller. 1798 gründete er die Allgemeine Musikalische Zeitung und schrieb zahlreiche Artikel dafür. Rochlitz machte mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit Bekanntschaft, darunter Goethe, Schiller, E. T. A . Hoffmann, Wieland, Beethoven und Schubert, der auch drei Gedichte von Rochlitz vertonte. zur Person
  • Die Arbeit von Frieder Bernius findet weltweit große Anerkennung. Als Dirigent wie als Lehrer ist er international gefragt. Seine künstlerischen Partner sind vor allem der Kammerchor Stuttgart, das Barockorchester Stuttgart, die Hofkapelle Stuttgart und die Klassische Philharmonie Stuttgart. Den Grundstein für seine außergewöhnliche Karriere legte 1968 die Gründung des Kammerchors Stuttgart, den er bald zu einem der führenden Ensembles seiner Art machte. Ob Vokalwerke von Monteverdi, Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Fauré und Ligeti, Schauspielmusiken von Mendelssohn oder Sinfonien von Haydn, Burgmüller und Schubert – stets zielt die Arbeit von Frieder Bernius auf einen am Originalklangideal orientierten, zugleich unverwechselbar persönlichen Ton. Wiederentdeckungen von Opern des 18. Jahrhunderts widmet er sich ebenso wie Uraufführungen zeitgenössischer Kompositionen. Ein besonderes Interesse gilt der südwestdeutschen Musikgeschichte. Frieder Bernius’ Arbeit ist im Label Carus vielfach auf Schallplatte und CD dokumentiert. Viele Einspielungen wurden mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet. Im Rahmen des Deutschen Chorfests in Stuttgart wurde Frieder Bernius vom Carus-Verlag für seine Gesamteinspielung der geistlichen Vokalmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy mit einer Goldenen CD ausgezeichnet. zur Person
  • Franziska Bobe studierte Gesang in Würzburg. Als Konzertsängerin hat sie sich ein breit gefächertes Repertoire erarbeitet, das von der historisch informierten Aufführungspraxis barocker Musik (Matthäuspassion in der Thomaskirche Leipzig, Weihnachtsoratorium in der Alten Oper in Frankfurt und Paulus beim Europäischen Festival für Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd), bis hin zur Musik der Gegenwart (z. B. Uraufführung von Liedern von Uwe Strübing) reicht. Ihre Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten ist auf CDs und zahlreichen Rundfunkaufnahmen dokumentiert. Mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart verbindet Franziska Bobe eine langjährige Zusammenarbeit. zur Person
  • Johanna Winkel studierte Gesang bei Mechthild Böhme und Caroline Thomas. Meisterkurse ergänzten ihre Ausbildung. Ihr internationales Debüt gab sie 2008 unter Peter Neumann in Nantes mit Concerto Köln. Es folgten Konzerte u. a. mit den Hamburger Symphonikern, dem SWR Vokalensemble Stuttgart und SWR Sinfonieorchester sowie dem NDR Chor. Sie sang beispielsweise beim Musikfest Berlin, dem Lucerne Festival und bei La Folle Journée. Mehrfach ausgezeichnet im Fach Oper belegte Johanna Winkel 2009 den ersten Platz im Cantilena Gesangswettbewerb in Bayreuth. Diverse Opernpartien führten sie an historische Spielstätten wie das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth und das Ekhof Theater Gotha. Neben vielen Live-Mitschnitten dokumentieren diverse CD-Einspielungen ihre Arbeit. zur Person
  • Thomas E. Bauer war Mitglied der Regensburger Domspatzen und zählt heute zu den gefragtesten Sängern seines Fachs. Wichtige Aufführungen zeitgenössischer Musik prägen sein künstlerisches Profil. Er wirkte bei Uraufführungen von Nono, Killmayer und Rihm mit und wurde 2003 für seine herausragenden Leistungen auf diesem Gebiet mit dem Schneider-Schott Musikpreis ausgezeichnet. Als Opernsänger umfasst sein Repertoire u. a. die großen Titelpartien in Monteverdis Orfeo, Rossinis Il barbiere di Siviglia, Bergs Wozzeck. Seine große Leidenschaft gilt aber dem Liedgesang. Regelmäßig gibt er Liederabende in Japan (Aoyama Music Award) und mit dem Hammerflügel-Spezialisten Jos van Immerseel in Paris, Brügge und Brüssel. zur Person

Rezensionen

Mit perfekter Balance, … und luzid wie immer konturiert der Kammerchor Stuttgart Dramatisches, lässt Ätherisches schweben … die Deutsche Kammerphilharmonie ... mit differenzierten Farbnuancen…
Stuttgarter Zeitung, 21.03.2025


Die Doppel-CD wird für lange Zeit eine Referenzaufnahme bleiben… Bernius holt das Maximum aus dem … Werk heraus.
Johannes Mundry, Hessische/ Niedersächsische Allgemeine, 02/2025


Bernius ... leitet das Werk mit großer musikalischer Intelligenz. Die Tempi sind genau, der Chor präzise und ausdrucksvoll, die Solisten stimmlich stark und textverständlich.
Hagai Goren, HaAretz, 07/2025


Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Frieder Bernius hat mit dem präzisen, voluminösen Kammerchor Stuttgart eine Referenzaufnahme geschaffen.
Andreas Berger, Kultur und Leben, 06/2025


Die Aufnahme ist einmal mehr ein Verdienst des unermüdlichen Frieder Bernius mit seinem Kammerchor Stuttgart sowie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, die uns hier mit ihren bekannten hohen Qualitäten einen bedeutenden Beitrag zur Passionsgeschichte zugänglich machen.
Gustav Danzinger, CHOR aktuell, 05/2025


… Umso lobenswerter, dass Bernius sich um die Reanimierung dieser fast vergessenenen Komposition bemüht und uns in einer sorgsam vorbereiteten Interpretation ein Werk vorstellt, das … hörenswert ist. 
Jürgen Gahre, Opernglas, 04/2025


…Mit dem perfekt disponierten Kammerchor Stuttgart und der exquisiten Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unterstreicht Frieder Bernius nicht nur die historische Bedeutung, sondern auch die Repertoiretauglichkeit dieses selten gespielten Werkes.
Thorsten Stegemann, Kulturabdruck, 04/2025    

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