Siehe! es hat überwunden der Löwe
Kantate zum Michaelisfest TVWV 1:1328, 1722/23
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Komponist*in
Georg Philipp Telemann
| 1681-1767Telemanns überaus reiches kompositorisches Schaffen, der Ertrag eines Dreivierteljahrhunderts, umfasst nahezu alle Gattungen der Musik und reicht, im vokalen Bereich, vom Generalbasslied über Kammer- und Kirchenkantate bis zur Oper. Auch in seiner eigenen Einschätzung spielt die Kirchenmusik die zentrale Rolle in seinem Schaffen; vermutlich hat er allein über 1.600 Kirchenkantaten komponiert, dazu kantatenartige Trauermusiken (wie Du aber, Daniel, gehe hin ), Psalmvertonungen (bspw. Deus judicium tuum ) und Oratorien. Allenthalben in seinem Werk zeigt sich Telemann als ein fortschrittlicher, dem Neuen aufgeschlossener und experimentierfreudig nach neuen Wegen suchender Komponist; nicht zu Unrecht hat man ihn einen Wegbereiter der Klassik genannt. Indes macht das kompositorische Wirken nur einen Teil seiner musikgeschichtlichen Bedeutung aus: Als Musikverleger, als Autor didaktisch ausgerichteter Publikationen, als Leiter bürgerlicher Musikvereinigungen und Initiator öffentlicher Konzerte hat er wesentlich an der Schaffung auch der äußeren Voraussetzungen für die folgende, vom musikalisch gebildeten Bürgertum getragene Epoche der Musik mitgewirkt. zur Person
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Herausgeber*in
Brit Reipsch
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Textdichter*in
Hermann Ulrich von Lingen
| 1695-1743
Rezensionen
Hodie Christus natus est II
[AB] Der Text dieser Kantate zum Michaelisfest bietet mancherlei Gelegenheit zur musikalischen Ausdeutung, die Telemann selbstredend nicht ungenutzt lässt. So gerät der Sieg Christi über den Satan und dessen musikalische Darstellung zu den wirkungsvollsten Abschnitten dieser an Höhepunkten wahrlich nicht sparsamen fünfsätzigen Komposition. Mit einem kurzen fugierten Eingangschor und dem abschließenden Choral sind die Aufgaben für den Chor überschaubar, die Orchesterbesetzung sieht neben Streichern und Continuo noch drei Trompeten, Pauken (und Oboen ad. lib.) vor.Die sorgfältige Urtextausgabe lässt keine Wünsche offen und lässt sich vorbehaltlos empfehlen.
Quelle: Musica Sacra 4/05, S.43
(ab) [...] Bei Carus liegt die Kantate für SAB-Soli ‚ SATB-Chor, drei Trompeten, Pauken, zwei Oboen ad lib. ‚ zwei Violinen, Viola und Basso Continuo nun in einer Urtext-Partitur vor und harrt der Aufführungen, die da kommen sollen.
Das Werk ist vergleichsweise kurz: Eingangschor und Schlusschoral rahmen eine Alt- und eine Bass-Arie sowie ein Sopran-Rezitativ ein; alles zusammen ist in knapp 15 Minuten vorbei. Schon der Eingangschor ist mit 35 Takten nicht gerade lang, harmonisch leicht zu verstehen, jedoch als Fuge angelegt und mit seinen polyphonen Koloraturen nicht ganz leicht zu singen, wenn auch die Streicher colla parte unterstützen.
Herrlich lautmalerisch folgt die Bass-Arie: gleichmäßige, intensive Streicherfiguren ‚ unterstützt von Bläsersignalen leiten die fallenden Basslinien »Gott stürzet den Hochmut des wütenden Drachen« ein, worauf der Sänger in reizenden Melismen »Gott jauchzt und preist«, pausendurchsetzt lacht und abfallende Streicher »der Höllen Pfuhl« beschreiben.
Ähnlich sinnige Textausdeutung findet im Sopran-Rezitativ, wo Secco- und Accompagnato-Abschnitte abwechseln, wie auch in der 6/8-schwingenden Alt-Arie statt, wo flinke 32stel Figuren im Continuo »Sünd und Satan« verdeutlichen. Der homophon und ganz in Halben gehaltene, würdige Schlusschoral rundet die Kantate ab und ruft mit allen Trompeten die Hilfe Gottes auf seine Kirche herab.
Quelle: Cantate, November-Dezember 2005, S.17