Die Wiener Tonkünstlersozietät – eine Rentenkasse für Witwen und Waisen von Berufsmusikern – erbat im März 1785 von Mozart ein Chorwerk für eines ihrer Benefizkonzerte. Mozart griff zu einer praktischen Lösung und recycelte: Er bearbeitete Teile seiner unvollendet gebliebene großen c-Moll-Messe KV 427 zur Kantate Davide penitente um.
Dazu unterlegte Mozart Kyrie und Gloria einen neuen italienischen Text, der dem Stil biblischer Buß- und Reuegebete folgt. Die Kantate passte damit perfekt zum Termin des Benefizkonzerts in der Fastenzeit. Für die neue Fassung komponierte Mozart zusätzlich eine Tenor- und eine Sopranarie. So entstand aus der unvollendeten Messe ein passendes Werk für den Wiener Konzertbetrieb.
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Zusatzinformationen zum Werk
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Komponist*in
Wolfgang Amadeus Mozart
| 1756-1791Als Sohn des Vizekapellmeisters des Salzburger Fürsterzbischofs war Mozart bereits in seiner Jugend beständig von Kirchenmusik umgeben. Auf seinen Reisen lernte Mozart die Kirchenmusik Italiens kennen, in Wien studierte er später Werke Bachs und Händels. Nach seiner Umsiedlung nach Wien stellen sich mit Oper und Klavierkonzert neue Herausforderungen, bezeichnenderweise bleibt die „c-Moll-Messe“ KV 427, das größte kirchenmusikalische Werk der ersten Wiener Jahre, unvollendet. Die letzte Lebenszeit zeigt wieder eine Hinwendung zur Kirchenmusik: Mozart bewirbt sich mit Erfolg um die Nachfolge des todkranken Leopold Hoffmann als Kapellmeister am Stephansdom, doch kann er die Stelle nicht antreten, da er noch vor Hoffmann stirbt. Ein Kleinod wie das „Ave verum“ KV 618 und das unvollendet gebliebene Requiem KV 626 lassen ahnen, was Mozart als Kirchenkomponist hätte noch leisten können, wäre er in diese verantwortliche Position gelangt. zur Person
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Herausgeber*in
Wolfgang Gersthofer
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Klavierauszugbearbeiter*in
Paul Horn
| 1922-2016Paul Horn war ein deutscher Kirchenmusiker, Organist, Komponist und Musikwissenschaftler. Er studierte Kirchenmusik und Orgel an der Evangelischen Kirchenmusikschule Esslingen am Neckar bei Hans-Arnold Metzger und Musikwissenschaft, Theologie und Geschichte an der Universität Tübingen. Seine berufliche Laufbahn begann als Kantor an der Evangelischen Michaelskirche in Stuttgart-Degerloch. 1954 wurde er Kantor an der Evangelischen Stadtkirche Ravensburg, eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung innehatte. Als Musikwissenschaftler arbeitete Horn bis ins hohe Alter eng mit Carus zusammen. So stammen zahlreiche Carus-Klavierauszüge aus seiner Feder. zur Person
Rezensionen
Der Davide penitente, eine lose Zusammenstellung italienischer Bußtexte, nach Art der Bußpsalmen (daher der später hinzugekommene Titel dieser Kantate), ist ein Parodiewerk der großen c-Moll-Messe. Mozart hat daraus das Kyrie und Gloria verwendet und eine Tenor- und Sopranarie hinzugefügt. Das Werk entstand 1785 für ein Benefizkonzert der Wiener Tonkünstlersozietät. Das knapp dreiviertelstündige Werk ist - nicht nur angesichts der bekannten Vorlage - namentlich für Passionskonzerte auch außerhalb des Mozartjahrs zu empfehlen.
Michael F. Runowski
Quelle: Forum Kirchenmusik 4/2007