Musica sacra
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Charles Gounod
| 1818-1893Charles Gounod ist heute insbesondere als Komponist der Opern Faust (1859) und Roméo et Juliette (1867) sowie der sehr populären, 1859 als Ave Maria bearbeiteten Méditation sur le 1er prélude de piano de J. S. Bach (1852) bekannt. Die Tatsache, dass Gounod vor allem als bedeutender Opernkomponist gilt, wird allerdings seinem umfangreichen, alle Gattungen berücksichtigenden Œuvre nicht gerecht. Den zentralen Schwerpunkt im Schaffen Gounods bildet dabei sein kirchenmusikalisches Werk, dessen Umfang alle anderen französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts in den Schatten stellt. zur Person
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Vorwortverfasser*in
Markus Schneider
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Ensemble
Kammerchor "I Vocalisti"
Der Kammerchor I Vocalisti besteht, je nach Projekt, aus 20 bis 60 stimmlich und musikalisch vorgebildeten Sängerinnen und Sängern aus Norddeutschland, die sich zusammengefunden haben, um auf professionellem Niveau anspruchsvolle geistliche und weltliche Chormusik zu erarbeiten. Seit seiner Gründung 1991 trat das Ensemble in zahlreichen Konzertreihen auf und war Preisträger bei nationalen und internationalen Chorwettbewerben, u. a. 1. Bundespreisträger beim 6. Deutschen Chorwettbewerb 2002 und 1. Preisträger beim Internationalen Kammerchorwettbewerb in Tolosa, Spanien, 2004 sowie in Cork, Irland, 2009. Darüber hinaus war I Vocalisti an zahlreichen Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen beteiligt. Das Ensemble gibt Konzerte im Rahmen bedeutender Festivals, u. a. dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem Festival des Choeurs Lauréats. In Crossover-Projekten mit der dänischen Weltmusik- Band Afenginn oder den Klazz-Brothers nutzt der Chor regelmäßig die Möglichkeit, das Spektrum der musikalischen Arbeit zu erweitern. Als Gast in Meisterkursen arbeitete I Vocalisti mit Dirigenten wie Volker Hempfling, Frieder Bernius und Malcolm Goldring. Prägend war zudem die Zusammenarbeit mit Komponisten und Dirigenten wie U?is Prauli?š, Eric Whitacre, Ola Gjeilo und Christoph Eschenbach. zur Person
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Dirigent*in
Hans-Joachim Lustig
Gründer und Leiter von I Vocalisti ist Hans-Joachim Lustig, der nach einem Studium der Schulmusik als freiberuflicher Chorleiter und Dirigent in Lübeck lebt. 1994/95 war er Stipendiat des Deutschen Musikrats. Er leitet national und international Chor- und Chorleitungsseminare und ist Dirigent der Chorknaben Uetersen, mit deren Männerstimmen er 2002 beim 6. Deutschen Chorwettbewerb ebenfalls einen 1. Bundespreis erringen konnte. Außerdem ist er als Juror bei Chorwettbewerben tätig und wird häufig als Gastdirigent eingeladen (u. a. vom Belgrader Rundfunkchor, vom Philharmonia Chorus London und vom Ankara State Choir). zur Person
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Sopran-Solo
Raphala Mayhaus
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Sopran-Solo
Julia-Rebecca Paul
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Alt-Solo
Christa Bonhoff
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Alt-Solo
Katrin Frühauf
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Tenor-Solo
Mirko Ludwig
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Tenor-Solo
Christoph Behm
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Bass-Solo
Gunter Troje
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Bass-Solo
Michael Thomsen
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Solist*in - Orgel
Tobias Götting
Rezensionen
Charles Gounod: Musica sacra
[...] Es ist ein Verdienst des Carus-Verlages, diese Schätze nicht nur in Notenausgaben der Praxis zurückgewonnen zu haben, sondern den Kammerchor I Vocalisti unter der Leitung seines Gründers Hans-Joachim Lustig als künstlerischen Partner für eine stilgerechte Werkwiedergabe ausgewählter Musica-sacra-Raritäten Gounods zu verpflichten. Ein Gewinn! Darüber hinaus trifft auch Tobias Götting als Organist an der pneumatischen Taschenladen-Orgel von Furtwängler und Hammer aus dem Jahre 1912 in der Evangelischen Kirche St. Gorgonius in Niedernstöcken mit sachkundiger Registerwahl den richtigen, stilgetreuen, andächtig-stimmungsvollen Ton dieser Werke. Die meisterhaft umgesetzte Schlichtheit der Vokalsätze, fern jeder kompositorischen Unbekümmertheit oder gar satztechnischen Naivität, hat alle Interpreten mit spürbarer Hingabe und Versenkung zu überzeugenden Leistungen angespornt. Folgerichtig verdient diese CD rundum eine Spitzenbewertung für alle Mitwirkenden, voran für das rund 30köpfige Vokalensemble mit einem erreichten Höchstmaß an Textpräzision, Klangschönheit und jugendlichem Timbre. Selbst die räumliche Balance der aus dem Chorganzen herausklingenden Solostimmen von Raphaela Mayhaus mit ihrer engelhaft klaren Sopranstimme und der gleichrangigen Altistin Christa Bonhoff neben den Chorsolisten in den Sept paroles du Christ und den Messen bestechen mit ihrer ausgewogenen Dynamik und Agogik. Fazit: das Gesamtergebnis ist von einem Chorgeist gläubiger Hingabe und werkgerechter Makellosigkeit geprägt.
Gerhard Pätzig
Quelle: klassik-heute.de, 11.3.2005
[...] La parution que voici, bien plus respectueuse, met l ’accent sur l ’aspect simple, et naturellement religieux, de l ’écriture gounodienne, par une approche humble et toute de rigueur. [...] Un CD hors normes, certes, mais qui projette une belle lumière sur l ’œuvre religieuse de Gounod, en lui restituant, tout simplement, sa vérité.
10/9/9/10
Bruno Peeters
Quelle: Crescendo no. 76, Avril-Mai 2005
Klare Präsenz
[...] Der rund 30-köpfige Kammerchor I Vocalisti ist nicht zu Unrecht Preisträger zahlreicher Auszeichnungen. Mit herausragender Homogenität belebt der Chor die meist akkordisch angelegte Setzweise Gounods in den Werken mit Orgelbegleitung, so die Messe brève Nr. 7 und 5, letztere eine der Plattenpremieren der Einspielung, für Männersoli und Männerchor komponiert und der einzige kleine Schwachpunkt der Aufnahme. Zwar ist auch hier das Gesamtbild des homogenen Klangs fein gezeichnet, doch singen sich die Stimmen insbesondere in den dynamisch weitergefassten Passagen fest und geraten geringfügig in intonatorische Unpässlichkeiten. Doch das sind Marginalien, die angesichts der überzeugenden Interpretationen verblassen. Die große Stärke des Chores unter Hans-Joachim Lustig ist, dass hier nicht versucht wird, aus kleinen Kameen sakraler Vokalmusik ‚große Kisten’ zu stemmen. Das wäre angesichts der Intention Gounods auch der völlig falsche Weg. Dieser nämlich wollte die Musik als Vehikel, mit Hilfe dessen der Text selbst transportiert wird, verstanden wissen. Und so animiert Lustig den jungen Chor zu unaffektierter, aber doch weittragender, die Gesangslinie betonender Phrasierung von großer Schlichtheit und binnengespannter Transparenz.
Die Gesangssolisten meistern ihre Partien mit bestechend klarer Präsenz, ohne aber auch hier ins stilisiert Oratorienhafte abzudriften. Hier wird nichts aufgebauscht und musikalisch bedeutungsschwanger gemacht. Die Natürlichkeit der Solistenstimmen trägt vielmehr zu Gounods Intention bei. Das Ensemble reagiert auf dynamische Vorgaben mit großer Flexibilität und differenzierter Auslegung des Notentextes. Tobias Götting an der Orgel begleitet den Chor mit versierter Phrasierung und ebenfalls schlichter Klarheit. [...]
Die gelungenste Einspielung dieser CD sind zweifellos die ‚Sept paroles du Christ sur la croix’ für Doppelchor und Solistenquartett. Gounod schrieb dieses Werk im Jahr 1855 in einem solch bekennenden Palestrina-Stil, dass man unter Umständen versucht sein mag, gleich zu Werken von Palestrina zu greifen, wenn man Literatur für den Karfreitag sucht. Historisierender geht’s nimmer. Gleichwohl legt I Vocalisti die derzeit qualitativ beste Aufnahme dieses Werkes vor. Hans-Joachim Lustig fordert den Duktus einer kontemplativen Betrachtungsweise des lateinischen biblischen Textes ein. Er hat gut daran getan, das Werk nicht mit der deutschen Textübertragung einzuspielen, denn das Lateinische passt einfach adäquater zu Gounods Komposition, deren Ausdruckskraft in der blockhaften Deklamation liegt. I Vocalisti singen die ‚Sieben letzten Worte Christi am Kreuz’ mit ausgezeichneter Textdeutlichkeit und der gestrengen Schlichtheit und Lustig meidet stets romantisierende Überfrachtungen.
Man mag Gounods sakraler Vokalmusik durchaus skeptisch gegenüberstehen, man wird sie aber selten so geschlossen homogen und so stringent zu hören bekommen wie auf diesen Aufnahmen.
Erik Daumann
Quelle: klassik.com, 19.5.2005
Rein, heilig, kirchlich
[...] Der Kammerchor ‘I Vocalisti’ [...] bringt die schlichten Kompositionen von Charles Gounod gut zur Geltung. Der Chorklang ist weich und rund. In dem Kommuniongesang ‘O salutaris hostia’ warten die Frauen mit einem ‘andächtigen’, aber keineswegs kitschigen Klang auf. Bemerkenswert sind auch die dynamischen Kontraste, etwa gleich zu Beginn der Messe Nr. 7 im Kyrie. Unterstützt wird der Chor durch eine differenzierte Orgelbegleitung, ausgeführt von Tobias Götting, seit 1996 Organist und Chorleiter am Dom in Oldenburg. Zur Interpretation wird eine pneumatische Taschenladen-Orgel aus dem Jahr 1912 herangezogen. [...]
Wer sich ab und zu mal – sei es religiös oder musikalisch – in das 19. Jahrhundert zurücksehnt und ‘einfache’ geistliche Musik genießen kann, wird an dieser Aufnahme Gefallen findet.
Michael Fischer
Quelle: Klassik.com, 29.4.2005
Charles Gounod (1818-1893) ist vor allem als Komponist der Opern „Faust“ und „Romeo et Juliette“ bekannt sowie in Kirchenmusikerkreisen wegen seiner als „Ave Maria“ bearbeiteten Meditation über das 1. Praeludium aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach bekannt. Dass er ein umfangreiches kirchenmusikalisches Werk hinterlassen hat, ist nur wenig bekannt. Dabei nahm er auf die eingeschränkten Möglichkeiten von Laienchören Rücksicht. So wurde beispielsweise seine Messe brève no. 7 zunächst in einer Fassung für zwei gleiche Stimmen und Orgel publiziert, bevor sie 1890 mit dem Untertitel „aux chapelles“ in der Bearbeitung für Soli, vierstimmigen gemischten Chor und Orgel erschien. Für die Weihnachtszeit wurde Noël (für Sopran- und Altsolo, dreistimmigen Frauenchor und Orgel) und das Chorstück Bétléem (über ein Weihnachtslied aus dem 18. Jahrhundert) geschrieben. Die „7 Worte Christi am Kreuz“ sind für Soli und vierstimmigen Chor a cappella in der Tradition der römischen Gesänge für die Karwochenliturgie - im Wechsel zwischen homophon gehaltenen und polyphon-imitatorischen Partien komponiert. In den siebziger Jahren entstanden in Gounods Londoner Zeit „An evening service“ und das „Pater noster“ für vierstimmigen Chor mit Orgelbegleitung - insgesamt eine verdienstvolle Einspielung, welche Gelegenheit gibt, gute Kirchenmusik kennen zu lernen, die aufgrund ihres geringen Schwierigkeitsgrades unseren Kirchenchören gut zugänglich und überdies im Gottesdienst gut einzusetzen ist!
Quelle: Singende Kirche 2005, Heft 2, S. 133
Gounod: Musica sacra
(CF) Zum Deutschen Chorwettbewerb 2002 in Osnabrück stiegen sie wie Phönix aus der Asche: Der Kammerchor ,,I Vocalisti“ mit seinem Leiter Hans-Joachim Lustig aus Lübeck. Rund 30 stimmlich ausgebildete Sängerinnen und Sänger mit bekennender Vorliebe für die großen Meister der Musikgeschichte wie die milden Neutöner hatten durch werkgetreue Wiedergaben überzeugt. Zwischenzeitlich setzten sie bei renommierten Wettbewerben auf internationaler Ebene ihren Erfolgskurs fort und produzierten nun auch eine CD von ganz außerordentlicher Qualität: Chor-Messen mit Orgelbegleitung von Charles Gounod.
Als junger Mann wollte Gounod Priester werden, als Rom-Stipendiat tauchte er ein in die Musik Palestrinas, mit seiner Oper „Faust“ erlangte er Weltruhm, sein tägliches Brot verdiente er gleichermaßen mit weltlichen und geistlichen Kompositionen, als Organist und Kirchenmusiker und als Direktor des Verbands der Pariser Männergesangvereine und Musikschulen. Heute verbindet man den Namen dieses bedeutenden französischen Komponisten oft nur noch mit seinem „Ave Maria“ zu Bachs Präludium ‚das Popstatus genießt.
Um so bedeutender ist das Verdienst des Carus-Verlages, der in den zurückliegenden Jahren Gounods geistliche Werke durch sorgsam erstellte Notenausgaben wieder der Öffentlichkeit zugängig machte. Und damit nicht genug. Mit der vorliegenden CD bietet er den entscheidenden Impuls, den Komponisten und seine geistlichen Werke wieder für sich zu entdecken. Das Ensemble „I Vocalisti“ verführt dazu auf die glaubhafteste aller Arten.
Eine aparte Frische dominiert die Interpretationen der eingespielten Messen Nr. 5 und 7 und Pretiosen geistlicher Chormusik a cappella oder mit der vom Komponisten gesetzten Orgelbegleitung. Sorgsam registriert und eingestimmt auf den schlanken und doch in sich samtigen Chorklang meistert Tobias Götting seinen Orgelpart, während das Ensemble mit lyrischer Inniglichkeit und einem sicheren Gespür für sentimentfreie Tiefe die natürliche Wirkkraft der Messvertonungen freisetzt. Galt Gounods Bestreben, mit seinen geistlichen Werken ein aufrichtiges Glaubensbekenntnis abzulegen, so bietet „I Vocalisti“ durch das rechte Maß an Tempo, gradliniger Geschmeidigkeit, sorgsam ausgefeilter Agogik und fein nuancierter Dynamisierung eine rundum glaubwürdige Umsetzung.
Quelle: Neue Chorzeit, 7/2005, S. 28
Man kennt ihn allenfalls als Opernkomponisten oder als Schöpfer des einen „Ave Maria“ - auch wenn die Originalversion (übrigens mit zusätzlichem Harmonium) dieser zur Schmonzette verkommenen Bearbeitung kaum einmal zu hören ist. Dass Charles Gounod (1818-1893) aber auch ein überaus aktiver und dazu noch klassizistisch geprägter Schöpfer von Kirchenmusik war, muss dann freilich überraschen. Prägend war für ihn die alte A-Cappella-Kunst, die er während seines frühen Rom-Aufenthalts in der Sixtinischen Kapelle kennen lernte; später kamen Bach-Erfahrungen hinzu (die allerdings kaum Spuren hinterließen). Und so stehen Gounods liturgische Werke einerseits in der großen Tradition der katholischen Kirchenmusik, andererseits tragen sie den begrenzten Möglichkeiten von Laienchören hinreichend Rechung - vor allem der zweite Aspekt ist von drängender Aktualität.
Obwohl die sich kontrapunktisch gebende Faktur im Kern oftmals doch nur homophoner Natur ist und kaum technische Herausforderungen mit sich bringt, ist es gerade die noble Schlichtheit der Sätze, die interpretatorisch herausfordert. Das ist den geschmeidigen Stimmen des vielfach ausgezeichneten Kammerchors I Vocalisti auch weithin anzumerken, zumal die kaum einmal zu wirklichen Kontrasten neigende Musik niemals an Spannung und Delikatesse verliert.
Michael Kube
Quelle: Fono Forum 8/05
[...] Freunde des deutschen Kammerchor-Klangideals kommen hier voll auf ihre Kosten. Diese meist absichtlich schlicht komponierte Gebrauchsmusik für Laienchöre bietet Anregung in Hülle und Fülle, unterschiedlichste Besetzungen mit und ohne Chorsolisten, doch meistens gestützt durch eine einfache Orgelbegleitung. [...]
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 3/2007
[...] Mit herausragender Homogenität belebt der Chor die meist akkordisch angelegte Setzweise Gounods in den Werken mit Orgelbegleitung, [...]
Erik Daumann
klassik.com, 19.05.2005