Das Requiem f-Moll op. 146 ist eines der bedeutendsten Werke von Franz Lachner. Der Komponist, der lange Zeit in Wien lebte, entwickelte sich dort zu einem „klassizistischen Romantiker“, der klassische Form, barocke Fugentechnik und romantische Gefühlswelt zu einem unverkennbar persönlichen Stil miteinander verschmolz. Das Requiem ist Ausdruck seiner Mozart-Verehrung, auch wenn die Musik grundverschieden von der Mozarts ist. Inhaltlich weist es sowohl konservative Züge als auch äußerst fortschrittliche Merkmale auf. Während eine eher introvertierte Stimmung vorherrscht, entfaltet die große orchestrale Besetzung an einigen dramatischen Punkten ihre volle Wirkung. Durch Umfang und Besetzung der Komposition wurde das Requiem nicht liturgisch verwendet. Doch gerade die Aufführung in einem „weltlichen“ Forum machte das Werk zu einem der bekanntesten Werke Lachners.
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Franz Lachner
| 1803-1890Franz Lachner war als Komponist, Organist und Kapellmeister tätig.
Sein umfangreiches Werk bedient so gut wie alle Gattungen und scheint vor allem von der Musik Beethovens und Schuberts aber auch Spohrs und Meyerbeers beeinflusst. zur Person
Rezensionen
Mozartverehrung
In der kleinen, aber feinen Nische der geistlichen Chormusik ist der Stuttgarter Carus-Verlag weltweit die Nummer eins. Weil Firmengründer Günter Graulich und sein Sohn und Geschäftsführer Johannes immer wieder ein feines Händchen für die richtige Mischung aus Bestsellern und Raritäten unter Beweis stellen. Das Requiem op. 146 in f-Moll von Franz Lachner gehört eindeutig in die letztere Kategorie.
1856 entstanden und uraufgeführt, spiegelt das Werk einerseits die große Mozart-Verehrung des zeitlebens sehr angesehenen Komponisten, weist jedoch andererseits in Harmonik und Orchestrierung wie auch mitunter in der Stimmführung deutlich romantische Züge auf und kombiniert diese Elemente wiederum mit einer kunstvollen kontrapunktischen Durchdringung zu einer eigenständigen Klangsprache: ein fraglos klassizistisch getönter (und deshalb häufig als konservativ wahrgenommener), aber keinesfalls rückschrittiger Standpunkt im vielfältigen Panorama des 19. Jahrhunderts, abseits der Fortschrittsästhetik der "Neudeutschen".
Der Carus-Verlag setzt - wie bei vielen seiner Ausgrabungen von Homilius über Zelenka und Pisendel bis Buchenberg - auch beim Münchner Hofkapellmeister Franz Lachner auf die bewährte Doppelstrategie und hat sowohl eine Einspielung (mit den Kammersolisten Augsburg unter Leitung von Hermann Meyer, Carus 83.178) als auch das Notenmaterial des Werks veröffentlicht. Die von Gerhard Urban sorgfältig edierte Partitur des rund einstündigen Requiems für sechs Soli, vierstimmigen Chor und Orchester bewegt sich dabei auf dem gewohnt hohen Carus-Standard: Alle Stimmen sind übersichtlich und gut lesbar auf einem stabilen, nicht zu hellen Papier gesetzt; der Kritische Bericht legt über jeden fehlenden Staccato-Punkt einzelner Quellen Rechenschaft ab - und zeugt vom hohen wissenschaftlichen Anspruch, wie ihn eine Nummer eins eben auszeichnet.
Marcus Stäbler
Quelle: FonoForum 12/07