Georg Friedrich Händel: Belshazzar - Noten digital | Carus-Verlag

Georg Friedrich Händel Belshazzar

HWV 61

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Belshazzar ist mit seinen ausführlichen Szenenanweisungen und den vielen kurzen Formen wie Accompagnato-Rezitativen und Ariosi das dramatischste unter Georg Friedrichs Händels Oratorien. De facto handelt es sich sogar um eine geistliche Oper, die aber wegen des Bühnenverbots für biblische Handlungen im damaligen England die Form des Oratoriums, d. h. der nichtszenischen Aufführung, wahren musste. Händel wählte dafür einen der packendsten Stoffe der Welt- und Religionsgeschichte: den Fall Babylons und die Befreiung des jüdischen Volkes.

Die Carus-Urtextausgabe bringt alle drei aufführbaren Fassungen des Werks: die der Uraufführung von 1745 sowie die Umarbeitungen von 1751 und 1758. Erstmals folgt die Edition konsequent der Dirigierpartitur Händels, die Klarheit über die von Händel tatsächlich aufgeführten Stücke gibt. Ergänzt in der Ausgabe ist die bereits vor der Uraufführung gestrichene Arie „Lament not thus“, damit sind alle von Händel für Belshazzar komponierten Chöre und Arien zusammen verfügbar, bis zu den späten, kaum bekannten Arien „Wise men“ und „Fain would I know“.

  • Erste Urtext-Ausgabe
  • Erstmals alle drei aufführbaren Fassungen des Werks in einer Ausgabe
  • Konsequent basierend auf der Dirigierpartitur Händels
  • Mit Ergänzung der bereits vor der Uraufführung gestrichenen Arie „Lament not thus“
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  • ACT I [1. Ouverture] Scene 1

    The palace in Babylon.

    2. Accompagnato (Soprano)

    NITOCRIS
    Vain, fluctuating state of human empire!
    First, small and weak, it scarcely rears its head,
    scarce stretching out its helpless infant arms,
    implores protection of its neighbour states,
    who nurse it to their hurt. Anon, it strives
    for pow’r and wealth, and spurns at opposition.
    Arriv’d to full maturity, it grasps
    at all within its reach, o’erleaps all bounds,
    robs, ravages and wastes the frighted world.
    At length grown old, and swell’d to bulk enormous,
    the monster in its proper bowels feeds
    pride, luxury, corruption, perfidy,
    contention, fell diseases of a state,
    that prey upon her vitals. Of her weakness
    some other rising pow’r advantage takes,
    (unequal match!) plies with repeated strokes
    her infirm aged trunk: she nods – she totters –
    she falls – alas! never to rise again.
    The victor state, upon her ruins rais’d,
    runs the same shadowy round of fancied greatness,
    meets the same certain end.

    3. Air (Soprano)

    ...

  • ...

  • ...

  • ACT I [1. Ouverture] Scene 1

    Der Palast in Babylon.

    2. Accompagnato (Soprano)

    NITOCRIS
    Ach, unstät eitles Los der Menschenherrschaft!
    Erst klein und schwach, erhebt sie kaum das Haupt,
    streckt kaum noch aus hülflos die Kindeshand
    und ruft um Schutz an jedes Nachbarreich,
    das töricht ihn gewährt. Alsbald erstrebt
    sie Kraft und Macht und trotzet jeder Hemmnis.
    Bei voller Reife angelangt, erfasst
    sie alles um sich her, verhöhnt das Recht,
    raubt, verwüstet, verheert die bange Welt.
    Zuletzt, voll angeschwellt zu Riesengröße,
    ernährt das Ungetüm im eignen Schoß
    Stolz, Üppigkeit, Verderbnis, Eidesbruch
    und Zwietracht, faule Seuchen eines Staats,
    die ihm das Mark zerstören. Seine Schwäche
    nimmt eine neue Macht voll Gierde wahr,
    (ungleicher Kampf!) und schlägt mit junger Kraft
    sein alt gebeugtes Haupt: Er wankt – er sinket –
    er fällt, ach weh! nie wieder zu erstehn.
    Das Siegerreich, auf seinen Fall gebaut,
    durchläuft den gleichen Kreis erträumter Größe,
    endend am gleichen Ziel.

    3. Air (Soprano)

    NITOCRIS
    Du, Gott der Höh’, und du allein,
    bleibst immerdar dir selber gleich:
    Endlosen Raum

    ...

  • Gekürztes Vorwort der Ausgabe Carus 55.061

    Felix Loy

    Das Oratorium in der von Georg Friedrich Händel entwickelten Gestalt war die perfekte, zeitgemäße Antwort auf die damals aktuellen Bestrebungen zur Überwindung des starken Einflusses der italienischen Oper, die in den Augen des englischen Publikums zunehmend für überlebte Strukturen stand, sowohl im gesellschaftlichen Sinn (Ausdruck des Absolutismus) als auch musikalisch (besonders die „erstarrte“ Form der Dacapo-Arie). Händel erfindet in diesem historischen Moment tatsächlich eine „englische Oper“; nur muss sie aus äußerlichem Grund in anderem Gewand erscheinen: Seit dem Blasphemy Act von 1605 war in England die szenische Aufführung biblischer Stoffe verboten.

    Ein Musterbeispiel des „dramatischen Oratoriums“ in diesem Sinne schuf Händel 1744 mit Belshazzar. Sein Librettist Charles Jennens war einer der prominentesten Vertreter des Jakobitismus, dessen Anhänger sich zum Hause Stuart bekannten. Vor dem Hintergrund des aktuellen Zeitgeschehens ist es sehr plausibel, dass Jennens mit der Geschichte vom Sieg des Cyrus über Belshazzar allegorisch für die Rückgabe der Königskrone an das Haus Stuart werben wollte: Anfang 1744 war bereits bekannt, dass sich der

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  • Abridged foreword of the Edition Carus 55.061

    Felix Loy
    Translation: Gudrun and David Kosviner

    The oratorio in the form developed by George Frideric Handel was the perfect contemporary response to the current movement aimed at overcoming the strong influence of Italian opera, which in the eyes of the English public increasingly stood for outmoded structures, both in the social sense (as an expression of absolutism) and musically (particularly the “frozen” form of the da capo aria). At this historic moment, Handel in fact invented an “English opera”. For external reasons, however, it needed to appear in a different guise: since the Blasphemy Act of 1605, the scenic performance of biblical material was forbidden in England.

    In 1744, Handel created a prime example of the “dramatic oratorio” in this sense with Belshazzar. His librettist Charles Jennens was one of the most prominent representatives of Jacobitism, whose followers professed their loyalty to the House of Stuart. Against the background of current events, it is very plausible that Jennens intended to use the story of Cyrus’s victory over Belshazzar allegorically to promote the return of the royal crown to the House of Stuart: At the beginning of 1744 it

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Dirigierpartitur Carus 55.061/00, ISMN 979-0-007-24300-5 324 Seiten, kartoniert
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Klavierauszug Carus 55.061/03, ISMN 979-0-007-24301-2 272 Seiten, kartoniert
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Stimmenset, Komplettes Orchestermaterial, leihweise Carus 55.061/19, ISMN 979-0-007-24303-6 23 x 32 cm, ohne Umschlag
  • 1 x Stimmenset, Harmoniestimmen, leihweise, Flöte 1 und 2, Oboe 1, Oboe 2, Horn 1 und 2, Trompete 1 und 2, Pauken (55.061/09)
     
    5 x Einzelstimme, Violine 1, leihweise (55.061/11)
     
    5 x Einzelstimme, Violine 2 und 3, leihweise (55.061/12)
     
    4 x Einzelstimme, Viola, leihweise (55.061/13)
     
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    1 x Einzelstimme, Orgel, leihweise (55.061/49)
     
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    1 x Einzelstimme digital, PDF-Datei, Orgel, leihweise (55.061/49-010-000)
     
Zusatzinformationen zum Werk
  • Georg Friedrich Händel stellte früh seine außergewöhnlich universellen kompositorischen Fähigkeiten unter Beweis. Nachdem er 1712 nach London übergesiedelt war, schuf er dort – 1723 zum Composer of Musick for His Majesty’s Chapel Royal ernannt – zahlreiche Meisterwerke für den Königshof sowie seine großen Opere Serie: Über Jahre feierte er mit den von Ausnahme-Interpreten gesungenen Opern oder mit Serenaden, später auch mit Oratorien wie „Saul“ oder „Israel in Egypt“, triumphale Erfolge. Im Laufe der Jahre wuchs Händels Ruhm weit über seinen Wirkungsort hinaus; einige seiner Chorwerke, vor allem der „Messiah“, verfügen über eine bis heute ungebrochene Aufführungstradition und werden von Chören auf der ganzen Welt gesungen. zur Person

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