Göttlichs Kind. Advents- und Weihnachtsmusik (Johannsen)
Inhaltsverzeichnis
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Komponist*in
Georg Philipp Telemann
| 1681-1767Telemanns überaus reiches kompositorisches Schaffen, der Ertrag eines Dreivierteljahrhunderts, umfasst nahezu alle Gattungen der Musik und reicht, im vokalen Bereich, vom Generalbasslied über Kammer- und Kirchenkantate bis zur Oper. Auch in seiner eigenen Einschätzung spielt die Kirchenmusik die zentrale Rolle in seinem Schaffen; vermutlich hat er allein über 1.600 Kirchenkantaten komponiert, dazu kantatenartige Trauermusiken (wie Du aber, Daniel, gehe hin ), Psalmvertonungen (bspw. Deus judicium tuum ) und Oratorien. Allenthalben in seinem Werk zeigt sich Telemann als ein fortschrittlicher, dem Neuen aufgeschlossener und experimentierfreudig nach neuen Wegen suchender Komponist; nicht zu Unrecht hat man ihn einen Wegbereiter der Klassik genannt. Indes macht das kompositorische Wirken nur einen Teil seiner musikgeschichtlichen Bedeutung aus: Als Musikverleger, als Autor didaktisch ausgerichteter Publikationen, als Leiter bürgerlicher Musikvereinigungen und Initiator öffentlicher Konzerte hat er wesentlich an der Schaffung auch der äußeren Voraussetzungen für die folgende, vom musikalisch gebildeten Bürgertum getragene Epoche der Musik mitgewirkt. zur Person
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Vorwortverfasser*in
Klaus Hofmann
| 1939
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Ensemble
solistenensemble stimmkunst
Das solistenensemble stimmkunst wurde 2003 von Kay Johannsen für einen viel beachteten Konzert-Zyklus mit Kantaten von J. S. Bach gegründet. Das Ensemble singt vorwiegend in der Besetzung von 12 professionelen Sängerinnen und Sängern, die sowohl die chorischen als auch solistischen Partien übernehmen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt zurzeit auf dem Gebiet der Alten Musik. Bereits bei Carus erschienen ist die CD Göttlichs Kind mit Advents- und Weihnachtskantaten von Georg Philipp Telemann (Carus 83.180). Mehrere Konzerte in der Stiftskirche und beim Europäischen Musikfest Stuttgart mit Werken von Charpentier, Monteverdi, Bach, Brahms und Reger wurden vom SWR aufgezeichnet. zur Person
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Ensemble
Ensemble 94
Das Ensemble 94 wurde von Kay Johannsen 1994 als Partner für die musikalische Arbeit in der Stuttgarter Stiftskirche gegründet, hat sich aber seither auch in vielen eigenständigen Orchesterprojekten präsentiert. Die Mitglieder kommen aus Deutschland, Holland, Belgien, Italien und der Schweiz und verfügen über ausgeprägte Erfahrungen als Solisten und im Bereich der Kammermusik. Eine Besonderheit des Ensembles ist es, dass die Spieler in der Lage sind, je nach Stilepoche zwischen barockem und modernem Instrumentarium zu wählen. Erste Konzertmeisterin des Ensembles ist Christine Busch, Professorin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Die Stuttgarter Nachrichten bescheinigten dem Ensemble „unbändige Musizierlust“ sowie „feinsinnige Dynamik“ und „artikulatorische Detailfreude“. Die Stuttgarter Zeitung konstatierte „mit Drive, Eleganz und stilistischem Feingefühl musizierende Solisten“ und befand, dass die Gruppe „den Vergleich mit den besten Barockorchestern nicht zu scheuen“ brauche. Zur Telemann-CD (Carus 83.180) schrieben die Württembergischen Blätter für Kirchenmusik: „Mit der Begleitung durch das von Johannsen 1994 gegründete Ensemble 94 steht den Sängern ein adäquates, exquisit artikulierendes, sich stets dem Vokalpart unterordnendes Ensemble zur Verfügung, bei dem ebenfalls keine Wünsche offen bleiben.“ zur Person
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Dirigent*in
Kay Johannsen
| 1961
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Sopran-Solo
Susanne Rydén
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Alt-Solo
Britta Schwarz
Die Altistin Britta Schwarz studierte in Berlin und Dresden Gesang und war anschließend am Studio der Staatsoper Dresden engagiert. In den folgenden Jahren gewann sie mehrere internationale Preise. Regelmäßige Zusammenarbeit verbindet sie mit renommierten Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, der Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie und der Academy of St. Martin in the Fields sowie mit bekannten Dirigenten, u. a. Philippe Herreweghe, Helmuth Rilling, Bruno Weil, Reinhard Göbel, Marcus Creed und Hans-Christoph Rademann. Konzerte und Liederabende in den internationalen Musikzentren ergänzen ihre musikalische Arbeit. Seit vielen Jahren widmet sie sich intensiv der Barockmusik und arbeitet mit führenden Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, Cantus Cölln, Ensemble Musica Antiqua Köln und der Akademie für Alte Musik Berlin zusammen. Ihr umfangreiches Repertoire ist in zahlreichen Rundfunkproduktionen und CD-Einspielungen dokumentiert. zur Person
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Tenor-Solo
Andreas Karasiak
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Bass-Solo
Sebastian Noack
Der gebürtige Berliner Sebastian Noack (Bariton) studierte Gesang bei Dietmar Hackel, Ingrid Figur und Dietrich Fischer-Dieskau. Bekannt wurde er durch den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang, dem weitere Preise folgten. Seitdem hat er sich besonders als Konzertsänger einen Namen gemacht. Er sang unter namhaften Dirigenten wie Frieder Bernius, Marcus Creed, Chris - toph Eschenbach und Roy Goodman. Sein Repertoire umfasst alle bedeutenden oratorischen Werke von der Renaissance bis zur Gegenwart. Zahlreiche Tourneen führten ihn durch ganz Europa, die USA und Südostasien. Er ist gern gesehener Gast auf in - ternationalen Festivals. Noack musiziert mit den Orches tern der großen Rundfunkanstalten und den namhaften Barockorchestern ebenso wie mit Kammermusikensembles, z. B. dem Sharoun-Ensemble oder Sabine Meyers Trio di Clarone. Außerdem wirkte er bei CD-Produktionen unter Philippe Herreweghe und Andreas Spering mit. Noacks großes Interesse gilt dem Liedgesang. Gemeinsam mit dem Pianisten Manuel Lange gründete er in Berlin die neue Konzertreihe Meisterlied im Musikinstrumenten-Museum, für die er neben eigenen Liederabenden auch bereits namhafte Gäste gewinnen konnte. Im Bereich der Oper bisher konzertant oder halbszenisch tätig, debütierte Sebastian Noack im Juni 2009 in Donizettis Viva la Mamma an der Staatsoper Berlin. Noack lehrt als Gastprofessor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler, Berlin. zur Person
Rezensionen
Telemann: Göttlichs Kind
Telemann zum Advent
Der arbeitsame Georg Philipp Telemann soll zeit seines Lebens allein rund 1700 Kantaten komponiert haben. Kein Wunder also, dass es noch immer Unbekanntes zu entdecken und dokumentieren gibt. Die vorliegende CD mit Advents- und Weihnachtsmusiken wartet mit drei Welt-Ersteinspielungen auf, und trotzdem kommt dem Hörer vieles bekannt vor. Denn Telemann verarbeitet, elegant und sinnfällig wie immer, neben den eigenen Einfällen eine Reihe bekannter Kirchen- und Weihnachtslieder. Obwohl die Werke ohne übertriebenen Aufwand auskommen, sind die Solopartien mit Sängern wie Susanne Rydén oder Sebastian Noack erstklassig besetzt. Für die meditative, heimlich funkelnde Chor- und Instrumentalbegleitung sorgen das Ensemble Stimmkunst und das Ensemble 94 unter ihrem gemeinsamen Gründer Kay Johannsen.
Quelle: Rheinischer Merkur, CD-Tipp, 1.12.2005
Weihnachtskantaten mal nicht von Bach
[...] Gleich drei der in den SWR Studios in Stuttgart aufgezeichneten fünf Werke sind Weltersteinspielungen: die 1742 komponierte Kantate 'In deinem Wort und Sakrament', das Deutsche Magnificat und die Weihnachtskantate 'Allein Gott in der Höh sei Ehr'. Mit derselben Akkuratesse, die sein eigenes Musizieren an der Orgel auszeichnet, setzt Kay Johannsen die Faktur der Musik Telemanns in klingende Zeugnisse ihrer Qualität um. Ihm zur Seite: Susanne Rydén, Britta Schwarz, Andreas Karasiak und Sebastian Noack – ein Solistenensemble kraftvoller, flexibler und artikulationssicherer Stimmen, das ausgereifte Timbres mit jugendlicher Frische, binnengespannter Phrasierung und deutlicher Textdarstellung verbindet und sicherlich zum Besten zu zählen ist, was die Interpretation Alter Musik zu bieten hat. Weltniveau, an dem sich zukünftige Aufnahmen dieser Werke werden messen lassen müssen. In barocker Phrasierung bietet das solistenensemble stimmkunst, ein Chor aus zwölf professionellen Sängerinnen und Sängern, eine Lehrstunde sängerischer Homogenität, Transparenz und Punktgenauigkeit. Man höre nur das Tutti 'Er übet Gewalt mit seinem Arm' aus dem Deutschen Magnificat! Johannsens 1994 gegründetes Ensemble 94 besticht durch sich immer kongenial in die Textur einbindende Instrumentalisten, die sich zurücknehmend dem Vokalen zum Recht verhelfen, aber auch die intrikaten Konturen des orchestralen Apparats im Blick haben. Ein engagiertes Spiel, subtil und doch kraftvoll, das gleichfalls dazu beiträgt, dass diese Einspielungen eine wahre Entdeckung sind. Ein klug an der barocken Textur der Musik orientiertes Klangbild rundet diese hervorragende Veröffentlichung ab.
Quelle: klassik.com, Eric Daumann, 15.12.2005
Advent- und Weihnachtskantaten inklusive einem Magnificat aus der Feder von Georg Philipp Telemann vereint diese CD des Ensembles „Stimmkunst” unter Kay Johannsen, Musik des großen Bach-Antipoden, der verbindlicher, weniger streng in der Setzweise, aber mit enormem Schwung und innerer Kraft die Kirchenmusik Hamburgs belebte, während Bach das Thomaskantorat innehatte. Eine Lektion in deutscher Musikgeschichte, ansprechend und mit viel Geschmack realisiert - für ein besinnliches Hörerlebnis in adventu.
Wilhelm Sinkovicz
Quelle: Die Presse, 9.12.05