Stehe auf, Nordwind
Kantate zum 2. Pfingsttag TVWV 1:1397
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Komponist*in
Georg Philipp Telemann
| 1681-1767Telemanns überaus reiches kompositorisches Schaffen, der Ertrag eines Dreivierteljahrhunderts, umfasst nahezu alle Gattungen der Musik und reicht, im vokalen Bereich, vom Generalbasslied über Kammer- und Kirchenkantate bis zur Oper. Auch in seiner eigenen Einschätzung spielt die Kirchenmusik die zentrale Rolle in seinem Schaffen; vermutlich hat er allein über 1.600 Kirchenkantaten komponiert, dazu kantatenartige Trauermusiken (wie Du aber, Daniel, gehe hin ), Psalmvertonungen (bspw. Deus judicium tuum ) und Oratorien. Allenthalben in seinem Werk zeigt sich Telemann als ein fortschrittlicher, dem Neuen aufgeschlossener und experimentierfreudig nach neuen Wegen suchender Komponist; nicht zu Unrecht hat man ihn einen Wegbereiter der Klassik genannt. Indes macht das kompositorische Wirken nur einen Teil seiner musikgeschichtlichen Bedeutung aus: Als Musikverleger, als Autor didaktisch ausgerichteter Publikationen, als Leiter bürgerlicher Musikvereinigungen und Initiator öffentlicher Konzerte hat er wesentlich an der Schaffung auch der äußeren Voraussetzungen für die folgende, vom musikalisch gebildeten Bürgertum getragene Epoche der Musik mitgewirkt. zur Person
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Herausgeber*in
Wolfram Steude
| 1931-2006
Rezensionen
Telemann, Georg Philipp: Stehe auf, Nordwind
Telemann, Georg Philipp: Stehe auf, Nordwind
„Stehe auf, Nordwind” von Georg Philipp Telemann gehört dem frühen Typus der „Concerto-Aria-Kantate” an. Die Kantate ist dem kirchenmusikalischen Frühschaffen Telemanns - zwischen 1701 und 1705 - zuzuordnen; sie ist überliefert in dem handschriftlichen Musikalienbestand der ehemaligen Fürsten- und Landesschule St. Augustin zu Grimma.
Der Kantatentypus „Concerto-Aria-Kantate” kombiniert in „Stehe auf, Nordwind” die Vertonung des Bibelworts als geistliches Konzert in Verbindung mit in Liedarien gesetzter Strophendichtung. Die Bibeltexte sind dem Hohelied Salomos, dem Lukasevangelium und dem 2. Korintherbrief entnommen. Der Verfasser der Strophendichtungen ist bislang nicht bekannt. Das Werk enthält somit drei „Bibeldicta”, von denen das alle Ausführenden vereinende „Concerto” nicht, wie gewohnt, am Beginn, sondern am Ende steht. Interessant ist die musikalische Zuordnung der Texte: Die „Aria”-Dichtungen mit je zwei Strophen werden vom Alt und Tenor und die Bibelworte vom Sopran und Bass vorgetragen.
Mit „Stehe auf, Nordwind” haben wir es mit einem musizierfreudigen Werk zu tun, das in seiner instrumentalen und vokalen Besetzung heute in fast jeder Gemeinde aufführbar ist und somit für Kantatengottesdienste und Abendmusiken auch in kleineren Verhältnissen dankbare Aufnahme finden wird.
Lothar Friedrich
Quelle: Württembergische Blätter für Kirchenmusik 5/1993, S. 186/187