Missa de Angelis
-
Komponist*in
Jan Janca
| 1933-2023Jan Janca, 1933 im Freistaat Danzig geboren, studierte von 1950 bis 1955 an der Hochschule in Krakau Orgel, Cembalo, Klavier und Komposition. Als freier Organist war er dann für den Staatlichen Polnischen Rundfunk am Olivaer Dom verpflichtet und konzertierte auch im Ausland. Anlässlich eines Aufenthalts 1957 in der Bundesrepublik blieb er im Westen und studierte von 1958 bis 1962 an der Musikhochschule Stuttgart Komposition bei Johann Nepomuk David. Zum Privatunterricht bei Marcel Dupré reiste Janca in den Jahren 1966 bis 1969 in Abständen nach Paris. Seit 1996 lebt Janca freischaffend in Tübingen und Berlin. zur Person
Rezensionen
Jan Janca
Jan Janca: MISSA DE ANGELIS ET CREDO III
Die vorliegende Komposition entstand 1979 als Auftragswerk. Jan Janca (*1933) legt mit der orgelbegleiteten, vierstimmig gesetzten (spät)gregorianischen „Missa de angelis” und dem Credo III (GL 423) ein reizvolles Werk von eigenständigem Charakter vor. Die sich wesensgemäß der Harmonisierung widersetzende gregorianische Melodik erfährt durch die archaisierende, häufig in Oktavparallelen zwischen Frauen- und Männerstimmen verlaufende Stimmführung, sowie durch fließende Obergänge von herben übereinander geschichteten Quint- und Quartblöcken zu weichen chromatischen Fortschreitungen eine gänzlich neuartige verfremdende Umformung ihrer Identität. Dort wo der Melodiefluss sich frei von metrischer Einengung entfaltet, enthält sich die begleitende Orgel mit Haltetönen jeglicher rhythmischer Einengung. Die Abfolge der Teile ist nicht immer unmittelbar aufeinander folgend, der melodische Verlauf wird zudem nicht selten durch Fortspinnen der ihm innewohnenden Motivik und deren imitatorischer Verarbeitung verzögert. Die Gemeindebegleitung ist - wohl der besseren Ausführbarkeit wegen - bewusst konventionell gehalten. Gemäßigte Sekund- und Septreibungen bilden die Klammer zur ausgesprochen farbigen Orgelpartie bei den Solo- und Chorteilen.
Vor- und Nachspiel sowie die gesamte Orgelbegleitung setzen einen versierten Spieler und ein ausreichend besetztes Instrument von warmem, gesättigtem Klang voraus. Die häufige Parallelführung der Stimmen sowie zahlreiche schwierige Tonalitätswechsel stellen an den Chor, aber auch an die Gemeinde erhöhte Anforderungen. Allen Chören, die sich dieser Aufgabe gewachsen fühlen, sei diese Messe sehr empfohlen!
Konstanze Henrichs
Quelle: Kirchenmusik im Bistum Limburg 1/90, S. 38f.