Die Sammlung "Polyhymnia Caduceatrix & Panegyrica" von 1619 gilt zu Recht als Höhepunkt im Schaffen von Michael Praetorius. Sie vereinigt "Solennische Friedt- und Frewden-Concert:", die Praetorius als reisender Musiker überwiegend für festliche Anlässe komponiert hatte. In diesen Choralkonzerten treffen der hochmoderne, italienische Stil und der protestantische Choral zusammen und gehen eine für die deutsche Musikgeschichte wegweisende Symbiose ein. Die Choralbearbeitungen nehmen Anleihen an venezianischer Mehrchörigkeit, verwenden Ritornelle und setzen obligate Instrumente in einer Art und Weise ein, die damals selbst in Italien ihres Gleichen suchte. Und bei allem bleibt Praetorius stets Praktiker, der darauf achtet, dass man die diese atemberaubenden Choralkonzerte auch in – z.T. stark – reduzierter Besetzung wirkungsvoll aufführen kann.
In der Choralbearbeitung "Wie schön leuchtet der Morgenstern" sieht Praetorius ein fünfstimmiges Ensemble vor, zu dem abschnittsweise eine vierstimmige Capella hinzutritt. Für das Ensemble schlägt Praetorius sowohl Stimmen als auch Instrumente vor, die er in einer rafinierten Klangregie teils duplizierend, teils auch alternierend mit den Stimmen verwendet.
Kaufen
Zusatzinformationen zum Werk
-
Komponist*in
Michael Praetorius
| -1621Michael Praetorius (Schultheis) wurde um 1571 in Creuzburg an der Werra geboren. Sein Vater, Michael Schultheis, war in jungen Jahren neben Johann Walter Lehrer an der Lateinschule in Torgau gewesen und hatte dann in Wittenberg noch bei Martin Luther und Philipp Melanchton Theologie studiert. In der unruhigen Zeit nach Luthers Tod war er als orthodoxer Lutheraner mehrfach gezwungen, den Wohnsitz zu wechseln; von 1569 bis 1573 wirkte er als Pfarrer in Creuzburg. Praetorius studierte zunächst in Frankfurt/Oder unter der Obhut seines Bruders Andreas, der dort eine Professur innehatte, ebenfalls Theologie und übernahm nach dem Tod des Bruders 1586 eine Organistenstelle, um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern. 1589 finden wir ihn als Studenten an der Universität von Helmstedt. 1593 schließlich tritt er in die Dienste von Herzog Heinrich Julius im nahen Wolfenbüttel, seit 1594 als Hoforganist, ab 1604 als Hofkapellmeister. Der Tod des Herzogs 1613 beendete weitgehend Praetorius’ Wirken am Hof in Wolfenbüttel. Noch 1613 wurde Praetorius nach Dresden „ausgeliehen“, wo er bis 1616 blieb und für zahlreiche Festmusiken verantwortlich war, die er teils zusammen mit Heinrich Schütz durchführte (ab 1614 von Kassel ebenfalls nach Dresden zunächst „ausgeliehen“). Ab 1616 führt Praetorius das Leben eines wandernden Orgelsachverständigen, Kapell(re)organistors und Ausrichter musikalischer Feierlichkeiten an zahlreichen Höfen in Nord- und Mitteldeutschland. 1619 ließ er sich – bereits von Krankheit gezeichnet – wieder in Wolfenbüttel nieder, wo er am 15. Februar1621 starb. zur Person
-
Herausgeber*in
Uwe Wolf
| 1961Dr. Uwe Wolf ist als Musikwissenschaftler vor allem im 17. und 18. Jahrhundert zuhause. Seine Arbeitsschwerpunkte reichen von der Zeit Monteverdis und Schütz über Bach und die Generation der Bach-Söhne und -Schüler bis hin zur Wiener Klassik. Seit Oktober 2011 leitet er das Lektorat des Carus-Verlags. Zuvor war er über 20 Jahre in der Bach-Forschung tätig. zur Person